Gemeinsamkeiten von Nationalräten und Bundesrätin

Stellen Sie sich vor: Bundesrat Ueli Maurer sagt bei einer Ansprache an einem Schwingfest, wer immer noch nicht begriffen habe, dass die Schweiz ein neues Kampfflugzeug brauche, der sollte vielleicht seinen Hirnlappen neu ausrichten. Und er legt noch einen drauf: Seine Rede sei nur fünf Minuten lang, nämlich etwa so lang, wie die SP brauche, um die vierte Volksinitiative für eine Einheitskasse anzukündigen. Das Publikum grölt und klopft sich auf die Schenkel.

Ein Skandal? Die Szene hat sich so abgespielt – allerdings in ganz anderer Besetzung. Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) eröffnete am vergangenen Donnerstag mit diesen Witzen das Zurich Film Festival. Es ging ihr nicht um die Gegner der Luftwaffe, sondern um Politiker, die unter einer Familie vorab eine Gemeinschaft aus einer Frau, einem Mann und möglicherweise ein paar Kindern verstehen. Und es ging um die SVP, welche mit Volksinitiativen auf Verfassungsebene die Arbeit zu machen versucht, die Sommaruga mit Gesetzen und Verordnungen scheinbar nicht zu leisten vermag. Das zahlreich in Zürich erschienene linke Milieu grölte und klopfte sich auf die Schenkel.

Sommaruga, die feinsinnige Pianistin, Vertreterin der Landesregierung, griff damit unter Gleichgesinnten, aber eben öffentlich, in die rhetorische Giftkiste der argumentfreien Verachtung ihrer politischen Gegner. Bemerkenswert: Die NZZ lobte die Rede als «geistreich» und sah darin gar einen «rhetorischen Höhepunkt».

Verachtung der schönen Frau

Am gleichen Abend mockieren sich die SP-Nationalräte Cédric Wermuth (AG), Jacqueline Badran (ZH), Matthias Aebischer (BE) und Jacqueline Fehr (ZH) darüber, dass Christa Rigozzi, Ex-Miss-­Schweiz aus dem Tessin, in der SRF-Sendung «Arena» für einen Sanierungstunnel am Gotthard wirbt. Das sei die Fusion von «Glanz & Gloria» mit der «Arena». Die Parteigänger der SP, die sich sonst bei jeder Gelegenheit mit Feminismus in Szene setzen, haben nichts als Verachtung übrig für eine Frau, die neben mehr Ästhetik vor allem mehr Grips als manche Parteikollegin aufzuweisen hat. Das änderte sich auch nicht nach dem souveränen TV-Auftritt von Rigozzi: Badran forderte gestern im Blick, es müssten «Experten» in die «Arena», und Wermuth sagte, Rigozzi sei bloss ein «PR-Stunt».

Die Verachtung Andersdenkender gehört seit jeher zum Kern sozialis­tischer Politik. Sozialisten geben vor, sich für Schwache einzusetzen. Sie tun es aber höchstens über deren Köpfe hinweg. Sie selber sehen sich als Elite, die alleine weiss, was für alle anderen gut ist. Wer diese Elite stört, muss einen Hirnlappen neu ausrichten oder wird nach Sibirien geschickt. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 29.09.14)

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2 thoughts on “Sozialdemokraten und ihre politischen Gegner

  1. bei so viel hässlichen Frauen unter den Genossen musste das ja Neid hervorrufen, letzteres eine Kernkompetent der Linken..

  2. Pingback: SP und Europa: Gute oder böse EU? « Ordnungspolitischer Blog

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