Gold, das Edelmetall mit Wert
Von Tigerzungen und Zauberlehrlingen: Warum wir die Gold-Initiative annehmen sollten

Die Initiative «Rettet unser Schweizer Gold», über die wir am 30. November abstimmen, fordert drei Dinge: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) muss den Schweizer Franken mindestens mit 20 Prozent Gold decken, sie muss dieses Gold in der Schweiz lagern und sie darf kein Gold mehr verkaufen.

Das ist keine geldpolitische Revolution. Es ist nicht einmal die Rückkehr zum Zustand von vor 1999, als die Nationalbank noch doppelt so viel Gold besitzen musste. Es ist auch keine Einladung für Spekulanten. Dafür sorgt eine ausserordentlich lange Übergangsfrist von fünf Jahren, bis der Goldanteil 20 Prozent erreichen muss. Die Menge Gold, die die Nationalbank in diesen fünf Jahren kaufen müsste, ist zu gering, um den Preis zu beeinflussen.

Das Vertrauen ist entscheidend
Was ist Geld? Ein Gegenstand, den ich zum Tauschen verwenden kann. Wenn ich einen Geldschein bei meiner Bank beziehe, weiss ich, dass ich damit im Restaurant mein Essen bezahlen kann. Statt Münzen hat man früher auch Muscheln, gepressten Tee oder getrocknete Tigerzungen verwendet. Entscheidend ist das Vertrauen in das Tauschmittel. Nur dann hat der Geldschein tatsächlich einen Wert. Dieses Vertrauen ist der Grund, warum die Nationalbank Reserven hält. Sie gibt Franken aus und kauft damit Euro oder Dollar. Nur zu einem kleinen Teil (acht Prozent) hält sie heute Gold als Reserve. Euro und Dollar sind aber wiederum nur Papiergeld, die wiederum durch Papiergeld gedeckt werden. Dies ist so, seit 1971 die USA die Golddeckung ihrer Währung aufgehoben haben. Papiergeld hat seither gegenüber Gold fast seinen ganzen Wert verloren. Zwar schwankt auch der Goldpreis, aber er erholt sich jeweils wieder.

Gleichzeitig haben die National­banken die Geldmenge aufgeblasen. Die SNB hat alleine seit 2008 die Geldmenge verdoppelt. Ähnlich sieht es in den USA und beim Euro aus. Besonders steil stieg die Geldmenge an, als die SNB 2011 begann, den Mindestkurs des Frankens zu verteidigen. Immer wenn der Kurs des Frankens sank, musste sie mit neuen Franken Euro und Dollar kaufen. Die Geldmenge ist so viel stärker gewachsen als die Gütermenge, die man dafür kaufen kann. Das hat in der Vergangenheit früher oder später zu einem Wertzerfall der Währung (Inflation) geführt. Auf den Aktien und Immobilienmärkten ist das schon zu spüren. Inflation bestraft immer jene, die eigenverantwortlich sparen, besonders den Mittelstand, die das in Franken auf einer Bank tun.

Experiment mit grossen Risiken
Die Nationalbanken veranstalten ein noch nie dagewesenes Experiment mit unserem Geld und gehen dabei enorme Risiken ein. Seit es die SNB gibt, hat der Franken 90 Prozent seines Wertes verloren, auf Kosten der Sparer. Das 20-Franken-Goldvreneli behielt seinen Wert hingegen und muss darum heute für 200 Franken gekauft werden. Soll das so weitergehen?

Die SNB hat schon viel von ihrer Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit verloren. Als sie 2011 die Kantone warnte, es gebe keinen Gewinn auszuschütten, probten die Finanzdirektoren den Aufstand, und die SNB knickte ein. 2012 verkündete sie, es gebe trotzdem Geld. Heute kämpfen die Finanzdirektoren gegen die Gold-Initiative, weil sie auf das Geld «angewiesen» seien. Deutlicher kann man die verlorene Unschuld der Nationalbank nicht unter Beweis stellen.

Der Mindestkurs gegenüber dem Euro ab September 2011 kam der Exportindustrie sicher gelegen. Er bewahrte sie vor grossem Anpassungsdruck. Zweifellos wurden dadurch Arbeitsplätze gerettet. Gleichzeitig verringerte die Massnahme aber die Kaufkraft der gesamten Schweizer Bevölkerung. Der starke Franken hätte dazu geführt, dass wir importierte Waren billiger kaufen könnten. Der Kaufkraftverlust lässt sich sogar berechnen, wenn man die Devisenreserven der SNB durch die Bevölkerung dividiert. Pro Kopf verringert die politisch gewollte Manipulation des Franken-Kurses die Kaufkraft um 50 000 Franken, pro vierköpfige Familie um satte 200 000 Franken. Das trifft besonders jene, die nicht viel Kaufkraft haben, weil ihr Einkommen gering ist. Der Mindestkurs ist gefährlich strukturkonservativ und im höchsten Masse unsozial. Dass bis heute kein Ausstieg daraus zu erkennen ist, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil. Mit der Gold-Initiative wäre ein solcher Mindestkurs nicht unmöglich, aber schwieriger. Und er wäre mindestens mit Gold als Fundament unterlegt.

«Unheilvolle Überforderung»
In der Geldpolitik ist ein gigantisches Experiment mit dem Vertrauen der Leute im Gang. Es ist ein Experiment, das die Nationalbanken und besonders die Schweizerische von ihrem eigentlichen Zweck der Preisstabilität weggeführt hat. Sie ist jetzt auch noch für die allgemeine Konjunktur, die Kantonsfinanzen und das Wohl der Exportindustrie zuständig. Ernst Baltensperger, der wohl beste Kenner der Schweizer Geldpolitik und Berater der SNB, warnte kürzlich im Schweizer Monat vor einer «unheilvollen Überforderung» der Notenbanken. Die Geldpolitik huldige wie in den Sechziger- und Siebzigerjahren einem «masslosen Machbarkeitsglauben»: «Diese Politik führte damals ins Abseits. Sie wird langfristig auch diesmal kaum erfolgreich sein.» Es sind Zauberlehrlinge am Werk, und sie spielen mit unserem Geld.

Die Gold-Initiative weist massvoll in eine andere Richtung. Wer sie befürwortet, sagt Ja zu einem Franken, der nicht bloss Papier, sondern einen über Jahrhunderte und bis in die jüngsten weltwirtschaftlichen Turbulenzen hinein realen Wert im Hintergrund hat. Das schafft Vertrauen, wo es bereits beschädigt ist. Es stärkt die Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit der Nationalbank, wo sie schon beeinträchtigt wurde. Es entzieht mindestens einen Fünftel der Reserven der Politik. Das ist eigentlich zu wenig, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Über einen künftigen Verkauf von Gold müsste das Volk abstimmen. Und das Gold wäre dort gelagert, wo es bei geldpolitischen Turbulenzen zu sein hat: in der Schweiz. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 12.11.14, Foto: Rike / pixelio.de)

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6 thoughts on “Gold-Initiative: Für einen Franken mit Wert

  1. Äh, jetzt für die Nichtwirtschaftler unter uns… Der Mindestkurs des Franken stützen, alles klar. “Immer wenn der Kurs des Frankens sank, musste sie mit neuen Franken Euro und Dollar kaufen.” Ist es nicht so, dass wenn der Wert des Franken stieg, das heisst, der Euro weniger als CHF 1.20 wert hatte, Euro und Dollar zugekauft wurden. Das heisst das Inflationsrisiko besteht auf den zugekauften Euro/Dollar. Da hilft uns der Goldzukauf nur insofern, als dass wir den Kurs erst nicht mehr halten können, oder. Dann machen wir doch erst recht “hinde abe”. Sollte der Franken Inflationsmässig Wertverlust erreichen, dann wären die Euro/Dollar wohl “Gold wert”.

    Aber hey, ich lass mich gern aufklären, ich bin ja nur Ingenieur, der aber in der Exportindustrie arbeitet und deswegen ein Interesse am Frankenkurs hat. Denn meinen Frankenlohn muss ich erst in Euro/Dollar verdienen.

  2. Wenn der Kurs des Frankens sinkt, steigt sein Wert. Du musst weniger Franken bezahlen, um einen Euro oder ienen Dollar zu kaufen. Die Inflationsgefahr besteht auf allen Papierwährungen, sowohl jenen in den Büchern der SNB, wie auch jenen in deiner persönlichen Bilanz, respektive auf dienem Bankkonto. Darum sind Euro/Dollar eben auch nicht “Gold wert”.
    Wenn der Wert des Frankens steigt, kannst du auch mit weniger im Export verdienten Franken gleichviel (oder sogar mehr) Güter kaufen. Du verlierst also keine Kaufkraft wie beim Status quo.

  3. Dass man rasch dem Goldfieber verfällt, kann ich gut verstehen, habe vor der Finanzkrise selbst in diese Richtung geschaut und bereue es heute nicht. Auch dass die aktuellen geldpolitischen “Experimente” mit Misstrauen verfolgt werden, kann ich gut verstehen. Keiner kann sagen wie es endet. Aber eines kann man sicher sagen: mit der Goldinitiative kann alles nur noch schlimmer werden!
    So gut sie auch gemeint ist, die Goldinitiative ist von Grund auf falsch konzipiert. Sie gibt keine Golddeckung der Banknoten vor, sondern einen Anteil an der Bilanz. Das ist schon mal falsch. Wenn die Goldreserven nicht einmal mehr verkauft werden können, grenzt das schon an Absurdität. Sogar mit der Golddeckungspflicht von vor 1999 wäre es deutlich einfacher gewesen als mit dieser Goldinitiative…
    Wenn die Geldordnung zusammenbricht und sich die wichtigsten Länder (USA !, etc.) zu einem Goldstandard zusammenraufen, sollte sich die Schweiz dem nicht entziehen, sie wäre mit ihren rekordhohen(!) Goldreserven ja auch gut aufgestellt. Bis dahin aber, müssen wir irgendwie lebendig durch die aktuelle und auch die nächste Finanzkrise kommen, und das geht mit den Vorgaben der Goldinitiative einfach nicht.

    In den Zeiten des Goldstandards hatte die Schweiz viel weniger Gold und die Zentralbanken waren vor allem ermächtigt, dieses im Fall von Zahlungsbilanzproblemen sofort zu verkaufen (meistens das im Ausland gelagerte…). Ohne das Verkaufsverbot wäre die Goldinitiative eine Diskussion wert gewesen.

    (Sorry, aber da musste ich jetzt einfach reagieren)

  4. Von Goldfetischisten und Merkantilisten: Warum ich die Goldinitiative ablehne

    Die Befürworter der Goldinitiative berufen sich gerne währungshistorische Argumente. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aus der Geschichte können Lehren gezogen werden. Mir fällt jedoch auf, dass die „Goldfetischisten“, wie ich die Befürworter der Goldinitiative gerne nenne, die Währungsgeschichte, vor allem hinsichtlich des Goldstandards, gerne verdrehen. Es gibt viele gute Argumente gegen die Goldinitiative. Ich will offensichtlichen Widersprüche – z.B. das Gold soll als Notgroschen dienen, kann aber selbst in der Not nicht verkauft werden (ok. diese unsinnige Regel müsste dann halt kurz über eine Volksabstimmung beseitigt werden) – hier nicht widerholden, sondern das verklärte Bild von an das Gold gebundenen Währung zurechtrücken.

    Ups! Es hat wieder einmal ein paar Fehler in der Zeitung

    Der Thesenjournalismus, bei dem irgendwelcher Unsinn geschrieben wird, ohne seriös zu recherchieren, hat wieder einmal sein Unwesen getrieben. Ich weise hier nur auf wenige eklatante Unzulänglichkeiten der Goldfetischisten hin.

    Der Beitrag „Von Tigerzungen und Zauberlehrlingen…“ beginnt mit der Aussage, dass die Goldinitiative keine geldpolitische Revolution wäre. Das ist eindeutig faktenwidrig. Zwar hat sich der Wert von zahlreichen Währungen in der Tat lange am Gold orientiert. Um dies zu gewährleisten, mussten natürlich auch die Währungsreserven zum Teil aus Gold bestehen. Dies galt beispielsweise für den klassischen Goldstandard (1870 -1914) und zu einem gewissen Grad auch für das Bretton-Woods System (1944 – 1973). Jedoch konnte bei all diesen Währungssystemen die Zentralbank jederzeit Gold kaufen und auch verkaufen. Ein Verkaufsverbot von Gold, wie es die Initiative vorschlägt, hat es so nie gegeben.

    Es ist jedoch genau die Kombination zwischen einem Verkaufsverbot von Gold und einem Mindestanteil an Goldreserven, der für die Geldwertstabilität höchst gefährlich ist. Sie schafft nämlich eine Asymmetrie bei der Steuerung der Geldmenge. Gold kann immer gekauft werden, um die Geldmenge auszudehnen. Die Zentralbank könnte bei einem Verkaufsverbot von Gold die Geldmenge allerdings nicht mehr beliebig senken, um eine Inflation zu bekämpfen. Die Geldwertstabilität wäre also gefährdet!

    Ferner wird behauptet, dass die Notenbanken die Geldmenge seit 2008 aufgeblasen hätten und dies früher oder später zu Inflation führen müsse. Dies sei auf den Aktien- und Immobilienmärkten bereits zu spüren. Wer die Statistik konsultiert hätte, würde feststellen, dass die Inflation seit 2008 äusserst tief war und in den Jahren 2009, 2011, 2012 und 2013 in der Schweiz sogar Deflation herrschte. Die Erklärung für diesen Umstand ist, dass zwar die Notenbankgeldmenge gestiegen ist, jedoch die sogenannten Sicht- Termin- und Spareinlagen bei den Geschäftsbanken in der gleichen Zeit deutlich gesunken sind. Diese Bankeinlagen stellen jedoch auch Geld dar, weil viele Zahlungen heute direkt über Girokonten beglichen werden. Wer die Statistik konsultiert hätte, würde feststellen, dass die breit definierte Geldmenge (welche die Beiträge der Noten- und der Geschäftsbanken gemeinsam berücksichtigt) eben nicht inflationär gestiegen ist.

    Es ist übrigens genau die Aufgabe von Zentralbanken, in Krisenzeiten den Kollaps der Geldmenge zu verhindert und damit die Geldwertstabilität zu erhalten; sprich die Deflationsgefahr zu bannen. Diese Politik wird nicht erst seit der Globalen Finanzkrise praktiziert, sondern lässt sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, also in die Zeit des klassischen Goldstandards. Die bis anhin grössten Kritiker einer zu zurückhaltenden Geldpolitik während einer Finanzkrise waren pikanterweise die Monetaristen. Zu deren wichtigsten Vertreter gehörte Milton Friedman, der kaum dafür bekannt ist, in staatlichen Interventionen ein Allheilmittel zu sehen oder die Bedeutung der Geldwertstabilität in Frage zu stellen.

    Ich sehe ebenfalls die Gefahr einer „unheilvollen Überforderung“ der Zentralbanken, die zum Schluss als Argument für die Goldinitiative herhalten muss. Ich teile die Einschätzung, dass von den Zentralbanken heute bisweilen zu viel erwartet wird. Auch ist bekannt, dass eine Überforderung der Geldpolitik, die ein Sammelsurium von Zielen, etwa die Inflationsbekämpfung, die Konjunkturförderung etc. in den 1960er und 1970er Jahren (als die Golddeckung von 40% noch galt!) ins Abseits geführt hat und insbesondere in einer Stagflation mündete. Aus dieser Erfahrung ist denn auch das höchst erfolgreiche Konzept der auf Preisstabilität ausgerichteten Geldpolitik entstanden, die von einer unabhängigen Zentralbank betrieben wird (siehe unten).

    Die Forderungen der Goldinitiative würden dieses Problem jedoch nicht lösen, sondern verschärfen. Neben den anderen Zielen käme nämlich noch die Aufgabe einer prozentualen Goldhaltung und das Verkaufsverbot hinzu. Dies wird früher oder später zu Zielkonflikten führen, die auch die Preisstabilität tangieren könnten. Ernst Baltensperger, der vor der erwähnten „unheilvollen Überforderung“ gewarnt hat, gehört denn auch zu den dezidierten Kritikern der Goldinitiative. Man hätte dies recherchieren können!

    Hinsichtlich der Forderung nach hohen Goldreserven erinnern die Goldfetischisten meines Erachtens an den Merkantilismus, also an die Wirtschaftsdoktrin des Absolutismus (vielleicht ist das „wir“ in der Überschrift des Beitrags als Pluralis Majestatis zu deuten). In monetärer Hinsicht galt die Anhäufung von Goldreserven damals jedenfalls als Selbstzweck. Dass der „Wohlstand der Nationen“ nicht von den Goldreserven abhängt, ist jedoch schon lange bekannt; mindestens seitdem Adam Smith seine bahnbrechende Kritik am Merkantilismus im Jahr 1776 veröffentlichte. Die volkswirtschaftliche Aufgabe der Geldpolitik ist es nicht, Gold anzuhäufen, sondern für Preisniveaustabilität zu sorgen. Diesbezüglich haben Goldwährungen jedoch einen lausigen Leistungsnachweis.

    Probleme von Goldwährungen

    Oft wird verkannt, dass Goldwährungen mit enormen Problemen behaftet waren und sich deshalb nicht durchgesetzt haben. Die Preisstabilität, die für eine Währung überaus wichtig ist, ist selbst mit einer Golddeckung von 100% keines Falls gewährleistet. Eher ist es so, dass Goldwährungen unter ausgeprägten Phasen der Inflation, beispielswiese nach grossen Goldfunden, aber auch langen Phasen der Deflation litten, z.B. wenn die Goldproduktion nicht mit dem Wirtschaftswachstum Schritt halten konnten. Eine inhärente Schwäche jeder Währung, die an das Gold gekoppelt wird, ist nämlich, dass die Geldmengenentwicklung von den Entwicklungen am Goldmarkt (Goldangebot, Goldnachfrage, Spekulation etc. ) abhängt, die nichts mit einer guten Geldpolitik zu tun haben. Die negativen Folgen eines Mangels an Flexibilität in der Geldpolitik waren offensichtlich und lagen unter anderem in erratische Schwankungen es Preisniveaus.

    Erst die vollständige Aufhebung des Goldstandards seit den 1970er Jahren hat in gewissen Ländern für anhaltende Preisniveaustabilität gesorgt. Ausschlaggebend dafür war vor allem der Grad der Unabhängigkeit der Zentralbank, der sich darin zeigt, dass die Politik die Ziele (v.a. Preisstabilität), jedoch nicht die Entscheide und die Instrumente der Geldpolitik bestimmt. Die Schweiz war diesbezüglich sehr erfolgreich. Der Franken war seit der Aufhebung der Golddeckung äusserst stabil. Die grössten Inflation trat in der Schweiz in den 1920er Jahren auf und die grösste Deflation in den 1930er Jahren. Es ist nicht einzusehen, warum es ein Schritt in die richtige Richtung wäre, wenn man wieder zur damals gültigen Golddeckung zurückkehren würde. Diesen Umstand kann wohl niemand der Goldfetischisten erklären.

    Insgesamt wäre die Goldinitiative ein Rückschritt, weil sie einen Präzedenzfall schaffen würde, der Nationalbank wieder vermehrt ins Handwerk pfuschen soll.

    Zum Weiterlesen

    Falls Sie sich wirklich für die Geld- und Währungsgeschichte interessieren und es satt haben, vom Unsinn des Thesenjournalismus indoktriniert zu werden, empfehle ich folgende Bücher:

    Zur schweizerischen Währungsgeschichte siehe: Baltensperger, Ernst, 2012, Der Schweizer Franken – eine Erfolgsgeschichte, NZZ Libro.

    Eine hervorragende Abhandlung zu den historischen Währungssystemen und namentlich zum Goldstandard ist enthalten in: Eichengreen, Barry, 2000: Vom Goldstandard zum Euro, Wagenbach.

    Die Probleme, welche der Goldstandard in der Grossen Depression verursacht hat, werden aus amerikanischer Sicht diskutiert in: Friedman, Milton, und Anne Schwarz, 1963: A Monetary History of the United States 1868 – 1960, Princeton University Press.

    Eine unterhaltsame Darstellung zur Rolle der Zentralbanken und des Goldstandards während der Weltwirtschaftskrise ist: Liaquat, Ahmed, 2009: Lords of Finance, Penguin Books.

  5. Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Das freut mich und das schätze ich. Bedenken Sie vorab einfach: Es handelt sich um einen Leitartikel, also um einen Kommentar, der meine Meinung widerspiegelt. Gleichzeitig unterstellen Sie dem Text ein paar Dinge, die nicht drin stehen. Ich spreche mich nirgends für den Goldstandard aus (dessen Schattenseiten ich sehr wohl kenne) und ich behaupte auch nirgends, eine Gold-Währung sei die stabilste denkbare Währung. Sondern ich spreche mich für die Gold-Initiative mit 20% Gold aus. Und das auch nur als Schritt in die richtge Richtung. Ebenso habe ich nirgends geschrieben Prof. Baltensperger befürworte die Initiative. Seine Bemerkungen zur heutigen Geldpolitik finde ich trotzdem bemerkens- und erwähnenswertwert. Ich bin für Marktwirtschaft und Wettbewerb. Als Befürworter der Marktwirtschaft befürworte ich sie auch beim Geldsystem. Nur ein Markt von Währungen wird als Entdeckungsverfahren in der Lage sein herauszufinden, was für eine Währung wirklich gut ist. Zwei Ihrer Literaturtipps habe ich denn auch gelesen, den Baltensperger und den Friedman/Schwartz. Für die anderen bedanke ich mich. Noch einige Hinweise:
    – Selbstverständlich habe ich die Statistiken der SNB konsultiert. Die Termineinlagen sind um 140 Milliarden gesunken, aber nur schon die Spareinlagen haben das mehr als wett gemacht. Auch die “breit definierte Geldmenge” M3 hat sich seit 2004 fast verdoppelt. Dass ich das als “aufblasen” bezeichne, ist meine kommentierende Deutung, klar, aber ich beziehe mich da auf die ehemals eiserne Regel, die Geldmenge solle nicht mehr als das BIP wachsen.
    – Dass Deflation des Teufels und Inflation bis 2% wunderbar sei, halte ich für zwei sachlich nicht gerechtfertigte Dogmen.
    – Sie wissen auch, dass die Messung von Inflation mittels eines Warenkorbes geschieht, der weder Immobilien, noch Aktien oder Rohstoffe (inkl. Gold) enthält. Ausserhalb des Warenkorbes haben wir aber offensichtlich eine Teuerung. Hinzu kommt: Inflation ist ein monetäres Phänomen, wie Friedman bekanntlich sagte. Es wäre nicht sachgerecht zu behaupten, die Aufblähung der Geldmenge bliebe einfach folgenlos. Fazit: Nur weil das BfS keine Teuerung misst, kann man nicht behaupten dass es keine Inflation gäbe und nie mehr geben würde.
    – Für mich war die Lektüre von Reinhart/Rogoffs Untersuchung von Finanzkrisen aus 800 Jahren interessant, weil da Gesetzmässigkeiten aufgezeigt werden, die auch dieses Mal sehr wahrscheinlich zutreffen werden. Es ist dieses Mal eben nicht “alles anders”.
    – Das Verkaufsverbot ist tatsächlich ein problematischer Punkt, aber Sie zeigen ja selber auf, wie das praktikabel zu lösen ist. Es wird meiner Ansicht nach hochgespielt.
    Bemerkenswert finde ich, dass Sie in ihrem langen Kommentar nicht auf die Tatsache eingehen, dass die Politik schon längst der SNB ins “Handwerk pfuscht” und ihre Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit historisch wohl noch nie so gering war wie gerade jetzt.

  6. Erst seit etwas mehr als 40 Jahren funktioniert Gold endgültig nicht mehr als Geld. Am 15. August 1971 verkündete Richard Nixon, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, dass der US-Dollar nicht mehr in Gold eintauschbar sei. Spätestens von diesem Zeitpunkt an verwandelten sich alle Währungen der Welt in nicht einlösbares Papiergeld. Auf Gold als Währungsdeckung wurde fortan verzichtet. Eine Ausnahme: die Schweiz. Bis zum IWF-Beitritt des Alpenlandes im Jahr 1999 waren 40 Prozent jedes Schweizer Frankens durch Gold gedeckt.

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