Donantion Box - Spenden-Box
Der Dezember ist für die Hilfswerke der wichtigste Monat. Angesichts der schenkfreudigen Stimmung und unseres Wohlstandes entwickeln wir vor Weihnachten ein ungeheures schlechtes Gewissen, das wir in Form einer Spende bei einem Hilfswerk beruhigen wollen. In den vier Wochen vor Weihnachten werden schätzungsweise vier von fünf Spendenfranken eingenommen. Die ­private Spendentätigkeit ist nirgends auf der Welt so hoch wie in der Schweiz. Wir sind bereit, andern zu helfen. Die freiwillige Spende von eigenem Geld ist die höchste Form von Solidarität, weil sie auf dem persönlichen Gewissen beruht.

Spenden Sie aber nicht überall ein kleines Nötli, sondern konzentrieren Sie sich auf ein oder zwei Projekte, die sie sorgfältig auswählen. Vielleicht bleiben Sie über Jahre mit dem Projekt verbunden. Erleben Sie, wie aus Ihrer Spende etwas wächst. So macht Spenden noch mehr Freude.

Verzichten Sie vor allem darauf, auf der Strasse Geld zu spenden oder sich zu einer «Gönnermitgliedschaft» bei einem Hilfswerk überreden zu lassen. Der Mitarbeiter des Hilfswerks arbeitet nämlich bei einer professionellen Spendeneintreiberin, die mit dem Hilfswerk nichts zu tun hat, und behält den grössten Teil ihrer Spende bei sich. Bei «Mitgliedschaften» sind es manchmal sogar mehr als der gesamte erste Beitrag. Und Mitglied werden Sie in den meisten Fällen nirgendwo, weil gar kein Verein dafür besteht.

Zudem müssen Sie bedenken, dass Sie den meisten Hilfswerken bereits unfreiwillig eine Spende geleistet haben: über ihre Steuern. Die grossen Hilfswerke hängen am Tropf des Bundes, der Kantone oder der Städte. Das ist dann aber Zwangssolidarität, die nichts mit dem Gewissen der Steuerzahler zu tun hat. Dafür umso mehr mit der Verteilfreudigkeit von Politikern und Beamten.

Die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena ­Herzog will Hilfswerke, aber auch Sportverbände und Kulturinstitutionen dazu zwingen, offenzulegen, was sie an Bundesgeldern erhalten. Im Geschäftsbericht und auf der Webseite sollen sie transparent machen, wie viel Geld sie vom Staat erhalten und wie viel das in Prozent des gesamten Ertrags ausmacht. Zwar kann man schon heute in den Tiefen der Bundesbuchhaltung einzelne Beträge finden. Transparenter wäre es aber, wenn die Beträge beim Hilfswerk selber sichtbar wären. In Zeiten, wo Unternehmen zur Veröffentlichung von Entschädigungen verpflichtet werden, scheint dies nicht unangemessen. Es wäre dann einfacher, Hilfswerken zu spenden, die nicht schon Millionen an Bundesgeldern erhalten haben.

Noch einen Schritt weiter ginge die «Ein-Prozent-Steuer». Damit kann jeder Steuerpflichtige bei der rechtskräftigen Steuerveranlagung ankreuzen, an wen ein Prozent seines Steuer­betrages überwiesen werden soll. Wer nichts ankreuzt, dessen Prozent landet beim Staat. Das System gibt es seit mehr als zehn Jahren in zahlreichen Ländern. Vorreiter war Ungarn, wo sich der Finanzminister weigerte, Staatsstellen zur Verteilung von Hilfsgeldern zu bewilligen. Die Solidarität basiert dann zwar immer noch auf Zwang, aber der Steuerzahler kann immerhin ­selber bestimmen, was mit seinem Geld geschieht. In Italien wird auch die Kirchensteuer so ein­gezogen. Die Steuerzahler entscheiden, ob sie acht Promille ihres Steuerbetrages an die Kirche überweisen. Das hat auch zur Folge, dass niemand etwas spart, wenn er aus der Kirche austritt.

Vor Jahren konnte ich das Modell einmal einem Vizedirektor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) vorstellen, die heute wesentlich Gelder an Hilfswerke weiterreicht. Nach meiner Präsentation fragte der Beamte mit etwas bleichem Gesicht: «Aber säget, für was bruuchts de no üs?» Das ist der entscheidende Vorteil der Ein-Prozent-Steuer: Die geldverteilenden Bundesbeamten könnten in die produktive Wirtschaft entlassen werden. Die grossen Hilfswerke hielten ebenfalls nichts von diesem Vorschlag. Das ist verständlich, denn es ist aufwendiger, um die Gunst aller Steuerzahler und ihrer Prozente als um das Wohlwollen von einzelnen Beamten und ihrer Millionen zu kämpfen. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 20.12.14, Foto: Don DeBold / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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2 thoughts on “Vom richtigen Spenden

  1. Die aussage des bundesbeamten bringt es auf den Punkt. So würde das “Gutmenschentum” abgeschafft und die spenden kämen dorthin, wo der Spender sie haben will. Ich persönlich unterstütze zwei Institutionen regelmässig: Bibel TV und die vogelwarte Sempach.

  2. Pingback: Entwicklungshilfe: Schamloses Spiel mit Armut « Ordnungspolitischer Blog

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