Euro-Papiergeld-Bündel
Geldforscher Philipp Bagus über Geld, Gold und Banken-Boni

BaZ: Herr Bagus, in der Schwiez wurde die Gold-Initiative abgelehnt. Was heisst das für den Schweizer Franken?

Philipp Bagus: Der Franken bleibt an das sinkende Euro-Schiff angekettet. Zusammen mit ihm verliert er an Wert. Man hat in der Schweiz Nein gesagt zu einem eigenständigen Weg mit einer harten Währung. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) kann nun mit ihrer expansiven Geldpolitik weitermachen, also die Geldmenge weiter ausbauen.

Warum ist die Schweizer Nationalbank an den Euro gekettet?

Mit dem Mindestkurs des Frankens gegenüber dem Euro hat man sich dazu verpflichtet, der Europäischen Zentralbank zu folgen. Man macht also deren Geldpolitik indirekt mit und geht mit ihr unter.

Was meinen Sie mit «untergehen»?

Der Euro ist eine Fehlkonstruktion. Man hat eine Zentralbank geschaffen, die von unterschiedlichsten Regierungen benutzt werden kann, um sich zu finanzieren. Das ist die Tragödie des Euro: Die Schuldenstaaten können sich indirekt über das Bankensystem billig bei der Zentralbank bedienen. Die Auswirkungen dieser Politik tragen dann aber alle anderen mit. Es gibt darum einen Anreiz in den Euroländern, Defizite zu machen und Schulden anzuhäufen. Man wollte das mit Regeln im Stabilitäts- und Wachstumspakt verhindern, die aber alle längst nicht mehr eingehalten werden.

Reicht das schon für den Untergang?

Es hat bereits zu einer enormen Verschuldung der meisten Länder geführt. Hinzu kommt die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit immer neuen Kniffen Geld in Umlauf zu bringen versucht. Wenn es immer mehr Euros gibt, dann verwässert das deren Wert. Und an diesen sinkenden Wert hat sich die Schweizerische Notenbank angebunden.

Das heisst, wir können mit unseren Franken immer weniger Güter kaufen?

Zumindest können Sie weniger Güter kaufen, als Sie mit einem starken Franken hätten kaufen können. Bei Wirtschaftswachstum und wenn Leute ihre Kredite tatsächlich zurückzahlen würden, müssten die Preise für Güter eigentlich sinken und die Leute könnten für ihr Geld mehr kaufen. In den Genuss dieser sinkenden Preise kommen wir eben wegen dieser expansiven Geldpolitik nicht. Was wir bei den sinkenden Benzinpreisen oder bei elektronischen Gütern erleben, hätten wir in den vergangenen Jahren bei so gut wie allen Gütern und Dienstleistungen erlebt. Alles würde günstiger.

Wem nützt diese Geldpolitik – der SNB und der EZB?

Sie kommt einigen Akteuren zugute, die das neu geschaffene Geld zuerst bekommen oder auch selber Geld schaffen können. Das sind Leute im Finanzsystem, vor allem Banken, und der Staat selbst. Die hohen Löhne und Bonuszahlungen in diesem Sektor haben genau damit zu tun. Wer das Geld zuerst bekommt, kann mit viel neuem Geld, aber zu alten Preisen einkaufen. Das sind die Banker. Dann steigen die Preise und die normalen Leute können sich beispielsweise Immobilien nicht mehr leisten. Die Lebenshaltungskosten steigen, aber ihre Löhne steigen nicht oder nicht so schnell. Die Erträge des Wirtschaftswachstums eignen sich die ersten Empfänger des Geldes an und kommen nicht allen zugute.

Und der Staat?

Er kann sich dank dieser Geldpolitik immer weiter verschulden und das Geld an die Staatsdiener und subventionierte Unternehmer weiterverteilen. Weil die Erstempfänger des Papiergeldes am meisten davon profitieren, sind sie es, die es am lautesten einfordern.

Wie korrigiert man ein solches Geldsystem?

Solange man Geld am Computer und in der Druckerei schaffen kann, ändert sich nichts. Wir könnten auf jeden Euro- oder Frankenschein und jedes Guthaben eine zusätzliche Null schreiben. Dann wäre die Geldmenge zehnmal grösser, aber niemand reicher, denn die Preise würden sich auch verzehnfachen. Immerhin würde dann das neue Geld bei allen gleichzeitig eintreffen, was gerechter wäre als es heute ist. Deswegen macht man es vermutlich nicht so.

Wie geht es dann?

Es braucht eine Geldpolitik, die nicht einfach Geld auf Knopfdruck schaffen kann. Solange das möglich bleibt, ist die Versuchung und der politische Druck gross, es auch zu machen. Das ist auch die historische Erfahrung.

In welchem System wäre das nicht mehr möglich?

In einem System mit voller Golddeckung geht das nicht mehr. Gold kann man nicht einfach aus dem Nichts schaffen, man muss es schürfen oder kaufen.

Wie lange gibt es das Papiergeldsystem noch?

Wenn ich das wüsste, könnte ich sehr reich werden. Es hängt stark von der Politik ab, und die wird das System vielleicht noch lange mittragen, weil sie davon profitiert. Klar ist, dass die Verschuldung vieler Staaten so nicht weitergehen kann. Es ist unwahrscheinlich, dass man diese Schulden durch Wachstum zurückzahlen kann. Die meisten Länder sind in einer geldpolitischen Falle. Wenn die Zinsen steigen, dann sind die Staaten bankrott, weil sie die Zinsen nicht mehr bezahlen können.

Wie soll das sonst gehen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten und keine ist gut für die Sparer. Man könnte die Notenpresse noch schneller laufen lassen und damit das Geld vollständig entwerten. Dann könnte man einmalig einen Teil der Vermögen einziehen, wie es der Internationale Währungsfonds schon vorgeschlagen hat. Oder man verfährt wie in Zypern, wo die Forderungen der Bankgläubiger zu Eigenkapital gemacht wurden. Oder man macht einen Schuldenschnitt. Die Gläubiger müssen auf einen grossen Teil ihrer Forderungen verzichten. Das ist so was wie der Reset-Knopf. Man kann dann wieder von vorne beginnen.

Nachhaltig ist das aber nicht.

Nein. Am besten ist ein Wettbewerb zwischen Währungen, weil dann die Menschen jene Währung verwenden können, die sie für ihre Zwecke am besten finden. Ein paar Währungen würden sich dann durchsetzen. Einige währen sicher mit Gold oder anderen festen Werten gedeckt, und es gäbe vielleicht gute elektronische Währungen wie Bitcoin. Man könnte im Übergang zuerst mit dem Gold der Nationalbank eine vollgedeckte Währung schaffen und dann den Markt öffnen für andere Anbieter.

Gold war ja schon einmal Standard.

Richtig. Ich bin nicht fixiert auf den Goldstandard. Im Wettbewerb der Währungen haben sich Gold und andere Edelmetalle historisch als gutes Geld erwiesen. 1914 haben dann die Staaten unser Gold verstaatlicht. Nach einigem Hin und Her wurde die letzte Bindung zu Gold in den 1970er-Jahren abgeschafft, da es die Regierungen in ihren Ausgabenorgien beschränkte. Nun haben wir ein reines Papiergeldsystem. Wir müssten geldpolitisch wieder in die Zeit vor 1914 zurück. Diesmal mit einer zu hundert Prozent gedeckten Goldwährung – und den Wettbewerb für alternative Währungen öffnen. Dann können die Leute frei wählen. Der grosse Vorteil ist, dass diese Währungen dann wirklich unabhängig von der Politik sind. Gold ist nicht politisch manipulierbar. Dann gibt es besseres Geld, als es staatliches Geld je sein kann.

(veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 05.01.15, Foto: aranjuez1404 / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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