Die Tweets von UVEK / Bundesrätin Doris Leuthard
Ganze drei Bundesräte haben vorgestern zum Attentat auf die französische Zeitschrift «Charlie Hebdo» Stellung genommen. Die Bundespräsidentin verschickte eine Medienmitteilung und schrieb dem französischen Staatspräsidenten. Der Aussenminister meldete sich bei seinem Amtskollegen in Paris.

Da durfte das Departement für Umwelt, Energie und Kommunikation (UVEK) nicht hinten anstehen. Schliesslich ist die Departementschefin Doris Leuthard auch Medienministerin. Ihre Kommunikationsstelle verschickte kurz nach vier Uhr Nachmittags eine Kurzmeldung über den Nachrichtendienst Twitter (siehe Bild).

«BR Leuthard: Satire ist kein Freipass», so begann die Nachricht des UVEK. Was will uns die Bundesrätin damit sagen? Dass die Karikaturisten selber schuld sind an ihrem Tod? Dass die Medienministerin Verständnis hat für Leute, welche die Pressefreiheit einschränken wollen? Dass die Bundesrätin die Karikaturen aus «Charlie Hebdo» nicht gut findet?

Eine Stunde später folgte das Zurückrudern. Es sei «teilweise» ein Missverständnis entstanden. Natürlich: Am Missverständnis ist nicht das Departement, sondern alle anderen schuld. Das ist falsch: Kommunikative Missverständnisse entstehen nämlich immer beim Absender, wenn es ihm an Klarheit fehlt. Die offenen Fragen blieben natürlich unbeantwortet.

Ein Unfall? Kaum, denn die Meldung wurde sorgsam erarbeitet, übersetzt und ihr Versand mit der Bundeskanzlei abgesprochen. Mehrere Leute haben sie gesehen. Die Kommunikation des UVEK besteht aus sieben Personen. Das Budget dürfte weit über eine Million Franken pro Jahr betragen. Für einen Rückruf an die BaZ benötigten die Kommunikationsleute gestern ganze sieben Stunden. Hätten sie ähnlich lange am Tweet gearbeitet, wäre der Fehler vielleicht nicht passiert. Immerhin räumten sie erstmals einen Fehler ein.

Wer kommuniziert – zumal im Auftrag einer Bundesrätin – muss sich in den Empfänger einer Nachricht versetzen können. Dazu ist man im UVEK offensichtlich nicht in der Lage. Kommunikation schafft oder zerstört Glaubwürdigkeit. Weil Nachrichten auf Twitter auf 140 Zeichen begrenzt sind, ist das Medium hoch riskant. Der Schaden aus einem Fehler ist gross.

Unerfahrenheit im Vorzimmer

Warum twittern denn Magistraten? Das weiss vermutlich nicht einmal Doris Leuthard so genau. Vor allem sollte sie es nicht irgendwelchem unerfahrenem Personal in ihrem Vorzimmer überlassen. Die im UVEK extra dafür eingestellte «Leiterin neue Medien» hat nach dem Studium einen Nachdiplomkurs besucht und kurz für ein Kulturhaus gearbeitet. Erfahrung mit Twitter hat sie nicht mitgebracht. Das reicht offenbar, um für eine Bundesrätin Botschaften abzusetzen. Konsequenzen hat sie kaum zu befürchten. Persönliche Verantwortung ist in Amtsstuben ein Fremdwort.

Das UVEK verbreitet in der Regel Medienmitteilungen aus dem Departement oder belanglose Fotos aus Leuthards Alltag, was im besseren Fall peinlich berührt und im schlechteren Fall als plumpe Anbiederung daherkommt. Der kommunikative Nutzen ist nicht vorhanden. Das Risiko hingegen schon. Selten geht es um ein relevantes politisches Statement. Gestern hat man es wieder mal versucht. Leider.

Es ist vollkommen unnötig, aus dem Büro von Frau Leuthard zu erfahren, was sie gerade tut. Vor allem, weil die tatsächlich wichtigen Dinge sowieso nicht an die Öffentlichkeit gehören – respektive erst dann, wenn der Bundesrat sie kollegial beschlossen hat. Auch darum ist der Spielraum für relevante Botschaften gering. Twitter für Bundesräte ist der riskante Versuch, sich volksnah zu geben, ohne es zu sein. Wenn sich ein Kommunikationskanal nur für Irrelevantes eignet, sollte man auf ihn verzichten. Das gilt sogar für die Kommunikationsministerin.

Auf eine besonders peinliche Ausrede hat das UVEK immerhin verzichtet: Das Innendepartement von Bundesrat Alain Berset hatte vor einiger Zeit behauptet, sein Twitter-Konto sei gehackt und missbraucht worden, um eine fragwürdige Nachricht ungeschehen zu machen. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 09.01.15, Foto: fi)

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3 thoughts on “UVEK: Departement für Kommunikation und Peinlichkeiten

  1. Sehr geehrter Herr Freusi
    Bravo zu Ihrem Kommentar zur Twitter-“Panne” von BR Leuthard. Diese “Panne” lässt verschiedene Interpretationen zu: die wahrscheinlichste ist jene, dass BR Leuthard tatsächlich gemeint hat, was sie schreiben lässt; die zweite dass sie sich im Bundeshaus unnötigerweise mit Twittern=Gackern beschäftigt. Und die dritte ist wohl, dass es im UVEK wie in allen Departementen zuviele Kommunikationsleute hat, was zwar viel Geld kostet, es aber erlaubt, die Verbreitung von geistigen Schnellschüssen an Untergebene zu delegieren. In meiner Jugendzeit galt die Losung “selber rühmen stinkt”. Dieses nennt man nun neudeutsch “Kommunikation”

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