Water (Africa)
Afrikas Menschen brauchen Eigentum und Freiheit

Als Hongkong im August 1945 von der japanischen Besatzung verlassen wurde, war es eine armselige britische Kolonie mit ein paar Felsen und viel Sumpf. Die Stadt war von Luftangriffen weitgehend zerstört. Es gab keine Rohstoffe, dafür 1,7 Millionen Menschen. Ganz ähnlich die Situation in Singapur: Sumpf und Menschen. Taiwan und Südkorea waren von Landwirtschaft geprägt und mausarm. Letzteres erlitt im Korea-Krieg zudem einen enormen Rückschlag. Doch bald erzielten die vier Territorien Jahr für Jahr hohe Wachstumsraten und wurden Industrie-, später Dienstleistungszentren für Asien und die ganze Welt. Sie sind heute überdurchschnittlich reich und bilden die Tigerstaaten Asiens. Mit dem Wohlstand sind Zivilgesellschaften entstanden und ursprünglich autoritäre Regimes sind mehrheitlich gefestigten Demokratien gewichen wie nirgends sonst in Asien.

Im Unterschied dazu kommen Afrikas Staaten trotz Milliarden an Unterstützungsgeldern nicht vom Fleck. Die Menschen fliehen vor den Verhältnissen in ihrer Heimat und der Aussichtslosigkeit, dass sich daran etwas ändert. Die westliche Entwicklungshilfe muss sich den Vorwurf gefallen lassen, allzu oft unfähige Tyrannen gestützt und wirtschaftliche Abhängigkeiten geschaffen zu haben.

Die unterschiedlichen Startbedingungen der vier asiatischen Tiger lassen darauf schliessen, worauf es bei erfolgreicher Entwicklung nicht ankommt: nicht auf Rohstoffe, nicht auf koloniale Herrschaft und – es tut weh, aber ist so – nicht auf Demokratie. Entscheidend ist nicht Fair Trade mit Bio-Lebensmitteln, nicht gentechfreie Saatgut-Genossenschaften und nicht klimaschonende Solar-Brunnen. Das sind vielmehr unsere romantischen Ideen, die wir paternalistisch den längst von uns abhängigen Afrikanern aufdrängen.

Die Gemeinsamkeiten der Tigerstaaten erschliessen hingegen, was wirklich zählt. Die erfolgreicheren Stadtstaaten Hongkong und ­Singapur belegen in der Rangliste der wirtschaft­lichen Freiheit seit Jahren die ersten beiden Plätze. Taiwan liegt mit Platz 14 weit vorne. Südkorea folgt als viertes Land Asiens auf Platz 29. Taiwan und Südkorea machen jedes Jahr Plätze gut. Wirtschaftliche Freiheit beinhaltet den Schutz des privaten Eigentums und die Freiheit, dieses Eigentum gewinnbringend zu investieren. Dazu gehören staatliche Institutionen, die dafür sorgen, dass ­Verträge eingehalten werden, und der Verzicht ­dieser Staaten darauf, Investitionen zu behindern. Wenn sich der Eigennutz lohnt, kommt Entwicklung in Gang. Das Streben nach Gewinn ist gut. Das ist zwar nicht romantisch, aber erfolgreich erprobt. Es geht mit afrikanischen Löwen wie mit asiatischen Tigern.

Solche Startbedingungen brauchen nicht viel Geld, sondern gute Regierungsführung. Die Ausrichtung der Entwicklungshilfe auf diese Startbedingungen wäre der erste Schritt, weitere afrikanische Dramen zu verhindern. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 23.04.15, Foto: Arsenie Coseac / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

Ernesto Sirolli, von dem wir es auch schon hatten, weiss wie es geht:

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