Fun mit einer Tausendernote
Vor zwei Wochen trafen sich auf Einladung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Ökonomen, Notenbanker und Finanzmanager in London zu einer Konferenz über die Abschaffung von Bargeld. Die Idee geistert schon lange herum. Jetzt wird sie konkret – und die SNB treibt sie voran.

Das hat ihren Grund: Keine andere Notenbank erhebt einen höheren Negativzins wie unsere Nationalbank, nämlich 0,75 Prozent auf Einlagen über zehn Millionen Franken. Sie freuen sich, weil Sie davon nicht betroffen sind? Dann liegen Sie komplett falsch – fragen Sie mal Ihre Pensionskasse. Und was machen jene, die diesen Zins zahlen ­müssen? Sie versuchen, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Im März wollte eine Pensionskasse ihr Geld abheben und bar in einen Tresor legen. Die Idee dahinter: ­Lieber keinen Zins erhalten als Negativzins bezahlen. Die Schweizer Bank weigerte sich, das Geld ­aus­zuzahlen. Mit Bargeld kann die «finanzielle ­Repression» der Notenbank umgangen werden.

Die finanzielle Repression hat ihre Gründe – und die liegen in den Folgen der Finanzkrise. Diese ist nämlich längst nicht überwunden, ­sondern nur gut zugedeckt worden – mit den ­gleichen staatlichen Mitteln, die damals ihre ­Ursache waren: billiges Staatsgeld und staatliche Manipulation der Märkte. Viele Beobachter sehen den ganz grossen Crash kommen.

Die Finanzkrise als vom Staat verursachte Misere? Seit Beginn der Finanzkrise vor acht ­Jahren hält sich die gegenteilige Behauptung, dass allein die Marktwirtschaft an dieser Krise Schuld sei. Derartige Verwerfungen gehören halt einfach zum Kapitalismus – schon Marx habe das vorausgesagt. Die «Gier» der Banker und überhaupt aller Menschen sei schuld an den Problemen und sie müsse durch den Staat gezügelt werden.

Es sind die genau gleichen Argumente, die in der Weltwirtschaftskrise von 1929 und danach zu hören gewesen waren. Heute wie damals sind sie falsch. Die Voraussetzungen für die Finanzkrise von 2007 auf dem amerikanischen Immobilienmarkt waren billiges vom Staat ausgeschüttetes Geld und Gesetze, die auch jenen ein Haus ermöglichen sollten, die weder den Kauf noch die Zinsen für die Hypothek bezahlen konnten. Das sorgte für eine noch nie dagewesene Party auf den Finanzmärkten, hohe Boni inklusive. Klar, da wurde eine übertriebene Gier ausgelebt. Aber der Stoff dafür kam aus der staatlichen Notenpresse. Die Teilnehmer auf den Märkten – keine unsichtbare Hand, sondern Menschen aus Fleisch und Blut mit Verantwortung für Werte – haben ab 2007 bloss staatliches Versagen korrigiert.

Seither ist ins Rutschen geraten, was schon vorher in Schräglage war: Länder, die über ihre Verhältnisse leben und eigentlich bankrott sind. Banken, die mit dem billigen Geld der Noten­banken hohe Risiken eingegangen waren – weil man ihnen versprochen hat, sie als «system­relevantes Institut» dann schon zu retten. ­Währungen, die nicht mehr eigentliche Werte abbilden und darum das Vertrauen der Menschen als Tauschmittel verloren haben.

Die staatlichen Organe allen voran Regierungen und Notenbanken haben die Politik des billigen Geldes verstärkt fortgesetzt. Mit noch mehr billigem Geld sollten die Probleme des billigen Geldes gelöst werden. Notfalls finanzieren Notenbanken direkt Staaten. Von Kriterien für gesunde Staatsfinanzen spricht schon lange keiner mehr. Notenbanken versuchen Währungen abzuwerten, um künstlich Exporte anzukurbeln. Von diesem Währungskrieg stieg die SNB im Januar aus. Mit Negativzinsen, will sie den Aufwertungsdruck auf den Franken mildern. Doch jede staatliche Manipulation führt zum nächsten Problem.

Ist Bargeld einmal abgeschafft, lässt sich Geld per Knopfdruck blockieren oder konfiszieren. Auch das wurde in einem Papier des internationalen ­Währungsfonds bereits angedacht. In der Schweiz müsste eine solche Abschaffung an der Urne beschlossen werden. Eine nicht repräsentative Umfrage auf der Webseite der NZZ ergibt fast 96 Prozent Nein. «Geld ist geprägte Freiheit», sagte der Schriftsteller Fjodor Dostojewski. Das gilt für Bargeld – solange es der staatlichen Gewalt entzogen ist. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 30.05.15, Foto: Alex Light / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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3 thoughts on “Angriff aufs Bargeld

  1. Abschaffung des Bargeldes ist gleichbedeutend mit dem Ende der Freiheit. Alles, was heute mit Bargeld gekauft wird, entzieht sich der automatischen Überwachung. Klar, dass der Staat diese Lücke schliessen will. Da müsen wir eher die Notenbank und die Regierung abschaffen, als das Bargeld!

  2. Wie hier in diesem Artikel gut erkannt wird, handelt es sich bei der Finanzkrise nicht um Gottes Hand, sondern um die Zentralbanken und Regierungen, welche diese Misere kreierten. Aufgrund einer fehlerhaften ökonomischen Doktrin wurden Währungen zur Förderung der Konjunktur missbraucht, wodurch das Kreditvolumen weit stärker als die Wirtschaft wuchs und damit das Prinzip der Nachhaltigkeit verletzt wurde (Schneeballsystem). Die in diesem Spiel am besten vernetzten Akteure (Finanzsektor) konnten mit der von den Zentralbanken garantierten Garantie der Geldentwertung durch den Einsatz eines möglichst hohen Hebels sich zulasten der Gesellschaft ungerechtfertigterweise übervorteilen, was einem Umverteilungsmechanismus von “unten nach oben” gleichkommt. Nach nunmehr 7 Jahren haben die gleichen Verantwortungsträger noch immer ihre fehlerhafte Lehre nicht korrigiert, sondern versuchen die an Zentralplanung erinnernde Geldpolitik noch weiter auszuweiten, indem neue Mechanismen gesucht werden. Da diese Umstände immer stärker in den alternativen Medien thematisiert werden, besteht die kleine Hoffnung, dass die Bevölkerungen sich langsam gegen die zunehmende Infantilisierung, Überwachung und Kontrolle wehren und erkennt, dass die vermeintliche Rechtsstaatlichkeit, welche nach Willkür und Bedarf von Regierungen gebrochen wird, immer weiter von der intuitiv gefühlten Gerechtigkeit abweicht. Die angestrebte Zentralisierung muss gestoppt werden und Entscheidungen müssen unbedingt auf tiefere hierarchische Ebenen zurückverlegt werden, ansonsten jegliche Freiheit verloren geht. TTIP versucht die Macht der Teppichetage von Grossunternehmen durch das Aushebeln demokratischer Selbstbestimmung weiter auszubauen

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