>< Karsten Seiferlin
Er ist der erfahrendste Diplomat in der Bundes­verwaltung und damit zweifellos geeignet für die schwierige Mission, in ­Brüssel in Bewegung zu setzen, was in Bewegung gesetzt werden kann. Er gilt im Aussendepartement als gut vernetzter Teamplayer und wird sich nicht noch lange in die Dossiers ­einarbeiten müssen.

De Watteville wird dabei allerdings mehr diplomatischen Biss an den Tag legen müssen als bisher, wenn er nicht als Buhmann in die Geschichte eingehen will. Zugeständnisse als Staatssekretär in internationalen Finanzfragen pflegte er als notwendig für die internationale Glaubwürdigkeit der Schweiz zu rechtfertigen. Dabei hat er – immer im Auftrag des Bundesrates – auch in Dossiers wie der Zinsbesteuerung oder dem automatischen Informationsaustausch nachgegeben, die sich eigentlich gut als Zugeständnisse der Schweiz in eine Paketlösung mit der EU hätten einbringen lassen. Diese Chance ist vertan, weil der Bundesrat nie daran dachte, den Verhandlungstisch auch einmal zu verlassen. Ein Unterhändler kann bestenfalls so stark sein, wie die Regierung, die er vertritt.

Schafft de Watteville ein gutes Paket, wird er zum Held wie andere Unterhändler vor ihm. Kommt er mit einem Abkommen nach Hause, das die Unterordnung der Schweiz unter die Rechtssetzung der EU mit sich bringt, dient er dem Bundesrat wohl als wohlfeiles Bauernopfer. Man wünscht es weder ihm noch der Schweiz. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 13.08.15, Foto: Karsten Seiferlin / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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One thought on “Jacques de Watteville: Held oder Bauernopfer

  1. Die Patrizier, wollten sich den Habsburgern im 14. Jahrhundert, dann Napoleon 18. Jahrhundert, dann ca 1840 nochmals den Franzosen, den Hamburgern oder den Preussen unterwerfen. Im 2. WK ??? Und heute fühlen sie sich der EU näher als der Schweiz

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