Der Wahlkampf ist erst gerade angelaufen und schon läuft eine Diffamierungskampagne auf Vorrat – für die Bundesrats­wahlen. Deren Ziel ist klar: das Verhindern eines zweiten Sitzes der SVP im Bundesrat und die Rettung von Eveline Widmer-Schlumpf. Wenn die FDP die Wahlen gewinnt und die SVP sie nicht verliert, dann wäre es rechnerisch kaum mehr zu verhindern, was in einem Konkordanzsystem logisch wäre: dass die grösste Partei einen zweiten Bundesratssitz bekommen würde.

Alles klar also mit dem zweiten SVP-Sitz, ausser … ja, ausser es lässt sich niemanden finden, den man in der Bundesversammlung für wählbar hält. Darum werden potenzielle Kandidaten auf Vorrat abgeschossen. So auch dieses Wochenende. FDP-Präsident Philipp Müller sagt in einem Interview in der Sonntagszeitung, er könne sich vorstellen, dass, «wer mit der europäischen Menschenrechtscharta brechen will, einen schweren Stand in der FDP-Fraktion hätte». Auch die bilateralen Verträge würden «eine wichtige Rolle spielen». Müller sagte nirgends, dass ein solcher Kandidat nicht wählbar sei. Und er sagte kein Wort zu den von der SVP bis jetzt ins Feld geführten Kandidaten Adrian Amstutz und Heinz Brand.

Und was macht der Journalist daraus? «FDP schlägt für Amstutz und Brand die Türe zu», titelt er. Der Freisinn stelle «unerfüllbare Bedingungen». Die Aussagen seien eine «Kehrtwende» der FDP. Zuspitzungen gehören zum Journalismus, Meinungen auch. Wer aber aus einem «schweren Stand» «unerfüllbare Bedingungen» macht, erliegt Wunschdenken oder verfolgt eine eigene Agenda. Da es sich um einen erfahrenen Journalisten handelt, kann Ersteres ausgeschlossen werden.

Der Journalist ist seit Jahren als enger Vertrauter von Eveline Widmer-Schlumpf und ihrer BDP bekannt. Und er ist ein furchtloser Kämpfer gegen alles, was nach SVP riecht. Er ist insbesondere zur Stelle, um eine Stildebatte über einen Wahl- oder Abstimmungskampf der SVP vom Zaun zu reissen. Zum eigenen, politisch natürlich korrekten Zweck, ist ihm aber jedes Stilmittel recht, auch wenn dazu die Wahrheit ins erwünschte Schema gepresst werden muss.

Noch schlimmer ist nur, dass auch die wesentlich mit Steuergeldern finanzierte Schweizerischen
Depeschenagentur (SDA) auf die Täuschung hereinfiel. Sie verbreitete die Mär von den «Bedingungen» von FDP-Präsident Philipp Müller nämlich offensichtlich ungeprüft weiter. Und sie fand damit gestern Niederschlag in der gesamten Schweizer Medienlandschaft – ausser in der BaZ natürlich. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 01.09.15)

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