Bundesrätin Simonetta Sommaruga
Für Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga darf nicht sein, was nicht in ihr Weltbild passt. Da schreibt die von ihr selber zur Überprüfung der statistischen Erhebung der Lohndiskriminierung angeforderte Studie ausdrücklich, dass es zusätzliche heute nicht erfasste Eigenschaften von Angestellten gebe, welche die mit der heutigen Methode verbleibende Lohndifferenz von 8,7 Prozent zwischen Frauen und Männern erklären könnten. Die Studie listet sogar acht davon auf und sagt, bei vier davon sei das zusätzliche Erklärungspotenzial gemäss der wissenschaftlichen Literatur «hoch» oder «sehr hoch».

Es geht um für jedermann unzweifelhaft lohnrelevante Kriterien wie effektive Berufserfahrung, Führungserfahrung, Sprachkenntnisse, Jobwechsel im persönlichen Lebenslauf oder Weiterbildungen. Schon mit den wenigen heute vorhandenen Variablen lässt sich ein grosser Teil der Lohndifferenz erklären. Es ist also wahrscheinlich, dass mit den zusätzlichen Variablen auch der verbleibende Rest der Lohndifferenz erklärt werden könnte. Die Studie des Bundesrates bestätigt damit, was Praktiker des Personalwesens längst wissen: Die Lohndiskriminierung ist eine wissenschaftlich nicht bewiesene Behauptung. Eine zweite ebenfalls am Mittwoch vom Bundesrat veröffentlichte Studie bringt es auf den Punkt: «Das Ausmass der Lohndiskriminierung kann somit statistisch nicht exakt gemessen werden.» Ob es Lohndiskriminierung tatsächlich gibt, ist unklar. Dass dies in einer vom Bundesrat bestellten Studie steht, macht die Erkenntnis umso wertvoller.

Vor den Medien sagte Sommaruga auf diese Studienergebnisse angesprochen, trotzdem genau das Gegenteil. Die zusätzlichen acht Kriterien würden «keinen erheblichen Zusatznutzen bringen». Die Studie schreibt hingegen: «Ausgehend von der wissenschaftlichen Literatur gäbe es allerdings durchaus noch weitere Variablen, die zusätzliche Lohnunterschiede erklären könnten.»

Durch diese bundesrätliche Studie wird ein jahrzehntelanges Dogma der Linken demontiert und das tut selbstverständlich weh. Ganze Lebensentwürfe von linken Frauen haben sich auf die vermeintliche Lohndiskriminierung abgestützt. Sie haben das Mantra von der nicht verwirklichten Lohngleichheit wie ein Banner vor sich hergetragen. Von der AHV bis zum Militärdienst musste die Behauptung in zahlreichen Politikfeldern als Argument für sozialdemokratische Politik hinhalten. Umso schlimmer ist es, wenn die dem Argument zugrundeliegende Tatsache dahinfällt, weil man es schlicht und einfach nicht weiss.

Die Studienergebnisse verunsicherten Sommaruga nicht im Geringsten. Sie liess trotzdem ein neues Gesetz erarbeiten. Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden sollen zu regelmässigen Lohnkontrollen verpflichtet werden. Der zusätzliche Aufwand betrage bloss zwei Arbeitstage pro Unternehmen, sagte Bundesrätin Sommaruga. Das trifft – wiederum gemäss bundesrätlicher Studie – allerdings nur für kleinere Unternehmen zu. Für alle anderen steigt der Aufwand bis zu einer Woche. Wie hoch er dann tatsächlich sein wird: Es ist bürokratischer Aufwand, etwas zu bekämpfen, von dem man nicht einmal weiss, ob es existiert. Dass Simonetta Sommaruga im Bundesrat eine Mehrheit für ihr Anliegen fand, ist symptomatisch für die letzten acht Jahre Mitte-links-Koalition. Linke Bundesräte arbeiteten für ihre Ideologie und alle anderen liessen sie dabei gewähren.

Es gäbe eine wissenschaftlich sauber belegte Diskriminierung der Frauen. Die hohen Grenzsteuersätze in rot-grün regierten Kantonen führen dazu, dass es sich nicht lohnt, wenn Frauen arbeiten. Nach Abzug der Betreuungskosten bleibt nichts mehr vom zusätzlich verdienten Geld übrig. Die Steuerprogression – eine marxistische Erfindung – bestraft jene, die sich im Beruf verwirklichen wollen. Die sozialdemokratische Steuerpolitik bringt Frauen an den Herd. Das liesse sich mit einem maximalen Grenzsteuersatz oder einem fixen Maximalsteuersatz ändern. Dies würde wiederum der sozialdemokratischen Ideologie entgegenstehen. Aber wenn es um die Ideologie geht, müssen Fraueninteressen hintanstehen. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 21.11.15, Foto: UN Geneva / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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3 Gedanken zu “Simonetta Sommaruga: Alles für die Ideologie

  1. Bitte, lieber Herr Feusi, bei den Fakten bleiben:
    Die Studie sagt: Die drei im Postulat Noser genannten zusätzlichen Faktoren Weiterbildungen, Sprachkenntnisse und
    Führungserfahrung sollten nicht aufgenommen werden. Der zusätzliche Erklärungsgehalt ist als tief
    einzuschätzen und eine zuverlässige Erhebung der notwendigen Informationen kann nicht
    gewährleistet werden. Für die Faktoren Beschäftigungsgrad in der Berufskarriere (effektive
    Berufserfahrung) und Arbeitszeitmodelle sowie physische/psychische Belastungen soll geprüft
    werden, ob die notwendigen Informationen sinnvoll erhoben werden könnten.
    Die Vorlage des Bundesrates lässt verschiedene Methoden zu. Also auch solche, die weitere Kriterien beinhalten.

    Weiter gibt es neben der LSE zwei wichtige Argumente, die dafür sprechen, dass ein Handlungsbedarf besteht:
    – Die Studie Marti/Bertschy hat ermittelt, dass die Diskriminierung (!) bereits beim Einstieg in die Berufswelt 7% beträgt.
    – 50% aller Unternehmen, die eine Lohnanalyse gemacht haben, haben im Nachgang die Löhne der Frauen erhöht.

  2. Bei 4 von 8 Kriterien steht da in Tabelle 9, S. 80 „hoch“ oder „sehr hoch“. Die Studie Marti/Bertschy ist nie vollständig publiziert worden, ich würde sie gerne lesen. Sie ist also nicht überprüfbar und damit für einen seriösen Journalisten nicht zu berücksichtigen. Die Quote von 50% ist nicht aussagekräftig weil sie nicht auf einer Zufallsauswahl, sondern vermutlich auf einer sozialen Wünschbarkeit beruht.

  3. Der Lohn bei Männern, die denselben Job in derselben Firma machen, kann der Lohn auch bis zu 50% unterschiedlich sein. z.B. tiefster Lohn 6500.- und höchster Lohn für dieselbe Arbeit 9750.- Habe ich selbst erlebt.
    Der Chef hatte das Lohnexcel auf einem freien share Laufwerk gespeichert, Pech.
    So sind also diese Untersuchungen Frauen, Männer alles reiner Mumpitz. Frau muss sich eben besser verkaufen, das ist alles.

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