Bündner Kuh
Einzelnen Bauern und ihren Familien geht es nicht gut. Das landwirtschaftliche Einkommen ist allerdings so hoch wie noch nie. Und kein einziger Wirtschaftsbereich der Schweiz wird mit derart viel Geld unterstützt wie die Bauern (2,8 Milliarden Franken dieses Jahr). Warum gibt es dann ein Problem? Weil das Geld falsch eingesetzt wird.

Wie überall, wo der Staat viel Geld in die Finger nimmt, gibt es solche, die davon profitieren, obwohl sie gar nicht darauf angewiesen sind. Es gibt viele unzweckmässige Geldströme in der Agrarpolitik. Der stossendste Brocken ist aber die Tatsache, dass die Direktzahlungen auch an Bauern gehen, die eigentlich gar keine sind. Fast ein Drittel der Direktzahlungsempfänger sind Hobbybauern, die ein Einkommen in einem normalen Beruf verdienen. Es gibt keinen Grund, Nebenbeschäftigungen staatlich zu finanzieren. Aber es kommt noch schlimmer: Das Kulturland, das diese Bauern bewirtschaften, fehlt den Vollzeitbauern, die mit mehr Land auch mehr Direktzahlungen erhielten. Als der Bundesrat die Mindestanforderungen leicht anheben wollte, ging der Bauernverband für seine Hobbybauern auf die Barrikaden.

Vor zwanzig Jahren erlebte der Bauernverband seine grösste Niederlage, als das Volk an einem einzigen Sonntag drei Landwirtschaftsvorlagen ablehnte. In der Folge wurde die heutige Landwirtschaftspolitik mit Direktzahlungen entwickelt. Auf weitere Subventionen sollte verzichtet werden. Die Preise sollten am Markt gebildet werden, damit die Konsumenten nicht doppelt durch hohe Preise und hohe Steuern bestraft würden. Die Richtung stimmte.

Davon wollen die Bauern nichts mehr wissen. Gestern forderten sie «faire», das heisst in ihren Augen vom Staat festgesetzte, zu hohe Preise. Gleichzeitig darf ihrer Meinung nach kein Franken an den Direktzahlungen gespart werden. «Produktive Landwirtschaft» heisst eine oft gehörte Parole. Das müsste aber bedeuten, die Finanzierung eines Hobbys einzustellen. Die echten Bauern hätten endlich ein anständiges Leben und eine ökonomische Perspektive – und die Landwirtschaft Wettbewerb. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 28.11.15, Foto: Bad Kleinkirchheim (obwohl es eine Schweizer Kuh zeigt!) / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Ein Gedanke zu “Landwirtschaft: Vom richtigen Geld am falschen Ort

  1. Also, ich komme aus bäuerlicher Familie.

    2.8 Milliarden für die Bauern, also ich finde das nicht so viel wenn ich bedenke, was unsere Parlamentarier jährlich ins Ausland verschenken und das viele Geld dort trotzdem fast nie einen echten Nutzen zeitigt.
    ( Man besehe sich wie Afrika jeden Fortschritt mittels Bevölkerungsexplosion wieder zunichte macht.)

    Auf den ersten Blick scheint die Aussage im Kommentar richtig, zudem kenne ich auch Bauern die viel lieber „gesunde Preise“ für ihre Produkte erhalten würden, anstatt Subventionen …….mit immer neuen kindischen Auflagen.

    Beispielsweise das Kuhfladen schichten im Kanton AI.

    „Links“ will damit etwas erzeugen was es nur in deren romantischen Köpfen gibt.

    Man macht also aus den Bauern Landschafts-Gärtner und Tier / Kuhpsychologen.

    Leider funktioniert „Marktwirtschaft“ eben auch nicht, denn sie führt dazu das die Bauern entweder keinen Lohn mehr erwirtschaften könnten, oder es nur noch wenige aber ausgesprochen grosse Betriebe gäbe, und mit ihr die Massenproduktion zum Masstab würde.

    Wir alle kernen die Skandale die in Deutschland regelmässig ans Licht kommen, sie sind auch eine Folge der sogenannten „Marktwirtschaft“, einer stark überregulierten Landwirtschaft allerdings. Nach liberalen Gesichtspunkten gibt es in ganz Europa keinen freien Markt mehr in der Landwirtschaft.

    Was geschähe nun mit der Schweiz, würden wir den Markt arbeiten lassen ?
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    Markt hiesse auch, das Bauerland frei und zu Marktpreisen gehandelt werden darf.
    Denn es ist Unsinnig den Markt zu befürworten, den Bauern aber mittels Landwirtschaftszonen den Wert ihres Landes extrem stark zu senken.
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    Nun ja, Die Bauern würden sich Marktwirtschaftlich verhalten ……. die meisten würden ihr Land verkaufen.

    Entweder an zahlungskräftige Agrarkonzerne – Firmen, (siehe Ostdeutschland) oder dann gleich an Landkäufer die damit spekulieren. Es gäbe vielleicht Biodieselfelder kilometerweit im ganzen Mittelland.
    Die Bauern die ihren Betrieb verkaufen hätten ausgesorgt, sie wären allesamt Millionäre.

    Aber wie würde sich die Schweiz dadurch verändern…?

    Würden wir noch durch einen „Garten“ fahren können wie heute ?

    Die kleinparzellige Landwirtschaft bietet viele unterschiedliche Modelle, Hecken, Hochstamm und andere Obstbäume, Wollschweine, Lamas, Büffel usw. Diese Individualität macht die Schweiz zu einem sehr schönen Land.

    Tja, aber wie kann man in einem Hochpreisland in dem alles teuer ist, mit anderen Ländern konkurrieren wo alles grösser, billiger und leider oft schlechter ist.

    Sollen wir unser Land überbauen und die Landwirtschaft würde nach …….sagen wir mal, Afrika ausgelagert ?

    Ich weiss keine Lösung, ich weiss nur eines, wenn wir reichen Schweizer all den Luxus geniessen wollen, gehört auch eine Landwirtschaft vor Ort und in unserem Land mit dazu.

    Leisten wir uns den Luxus, für unsere schöne Schweiz.

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