Bundeshaus Bern
Bundesrätliche Fake News und deren willige Nachbeter
So laufen Medienkonferenzen in sozialistischen Staaten ab: Das Regime sagt, was es sagen will, und am nächsten Tag bringen die Journalisten, was das Regime gesagt hat – ungeprüft.

So lief am Dienstag die Medienkonferenz von Energieministerin Doris Leuthard zur Energie­strategie 2050 ab: Die Bundespräsidentin referiert ihre Argumente. Dabei geht sie weit über das blosse Informieren hinaus ins Feld der Abstimmungspropaganda. «Sicher, sauber, schweizerisch» sei die Energiestrategie, sagte Leuthard. Damit ist auch gerade der Abstimmungsslogan lanciert. Die Bundeskanzlei, die sich vom nüchternen Dienstleister für die Regierung zur Propa­gandaabteilung des Staates gemausert hat, verbreitet ihn sogleich multimedial. Rund zwanzig Journalisten waren im Saal. Kritisches Nachfragen gab es nur von der Finanz und Wirtschaft, der Weltwoche und der BaZ.

Selbst gemäss Bund nimmt die Versorgungs­sicherheit ab, weil die Stromproduktion im Inland sinkt. Folglich nimmt die Importabhängigkeit zu, ebenso der Ausstoss an Kohlendioxid, weil es Gaskraftwerke braucht oder Strom aus Gas und Kohle importiert wird. Mit Hinweis auf Zahlen aus Leuthards eigenem Departement könnte man die Energieministerin wenigstens fragen, ob die Energiestrategie statt «sicher, sauber, schweizerisch», nicht vielmehr «unsicher, unsauber und unschweizerisch» sei.

Und als ein Journalist sich erfrecht, eine dritte kritische Frage zu stellen, offenbart Leuthards Kommunikationsdame – eine frühere Journalistin notabene – mit ihrem herablassenden Unterton die ganze Arroganz der Staatsmacht und ihrer Show. Genau so ging man in Ostberlin mit Westjournalisten um: Man durfte den Störenfrieden zwar nichts antun, aber man konnte ihnen zu spüren geben, dass es auf sie nicht ankommt.

Das Resultat steht am Tag darauf in den Zeitungen. Der Fake-Slogan «Sicher, sauber, schweizerisch» hat es ungeprüft in fast alle Artikel geschafft. Die sich selbst gerne als unbequem und kritisch gebenden Journalisten beten brav nach, was Doris Leuthard ihnen diktiert hat. Wer nicht vor Ort war, übernimmt, was die vom Staat mit­finanzierte Schweizerische Depeschenagentur ­liefert, die den Abstimmungsslogan prominent an den Anfang ihrer Berichterstattung setzte.

Es ist kein Zufall, dass SP und Grüne genau diese Presse staatlich fördern wollen – und öffentlich behaupten, die andere Presse, jene, die zweifelt und nachfragt, sei der Untergang der Medien und ihrer Aufgabe im politischen Betrieb. Es geht der SP um die Vorherrschaft der linken, grundsätzlich staatsbefürwortenden Haltung in den Medien. In orwellscher Verdrehung wird die Nachbeterei dann «Qualitätsjournalismus» genannt. Es ist Kadavergehorsam mit der Lizenz zur Verbreitung. Geld vom Staat wäre der Todesstoss für die Möglichkeit einer freien Presse, ein Abhängig- und Gefügigmachen der freien Köpfe. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 23.03.17, Foto: fi)

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3 thoughts on “Fake News: Unschweizerisch

  1. Die Nutzung der Atomkraft ist generell unverantwortlich. Die Betreiber verdienen viel Geld mit so erzeugtem Strom. Die Entsorgung, den Rückbau und die Folgen eines allfälligen GAU überlassen sie dem Staat, also dem Volk. Darum bin ich enttäuscht, dass es Energiestrategie 2050 heisst, eigentlich müsste es 2030 heissen. Wer erinnert sich im Jahr 2050 noch daran, was der Bundesrat seinerzeit versprochen hatte: Niemand! Also ist diese Strategie so gut wie wertlos

  2. Es ist doch schon mehr als offensichtlich, dass die Energiewende in Deutschland am Scheitern ist und dass die Haushalte, die Kirchen, das Kleingewerbe und die Bauern die unsinnigen Investitionen in Solarpanele und Windmühlen zahlen müssen und dafür Stromausfälle ernten werden. Das kann doch eine Schweizer Bundesrätin selbst im dichtesten Berner Nebel nicht übersehen – oder?
    Anhalten – durchatmen – nachdenken, das wäre staatspolitisch dringend geboten. Dann käme man zur Einsicht, dass beispielsweise die Briten schon längst erkannt haben, dass es ohne Atomkraft in unseren hochentwickelten Ländern gar nicht geht und bis 2050 keine 1000 Windmühlen auf den Jurahöhen stehen werden geschweige denn Bandenergie liefern.
    Dieses würde ein Eipeldauer an seinen Vetter in Kakran schreiben!

  3. Sie enthält auch keinen Ausstief aus der Atomenergie. Solange die Sicherheit gewährleistet ist, können die Meiler weiterlaufen. Unendlich lange.

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