Doris Leuthard, Bundesrätin, ITF 2014
Der Blick bot Energieministerin Doris Leuthard am letzten Samstag viel Platz für ein Interview zur Energiestrategie. Doch statt sie zu den plötzlich von den Webseiten des Bundes verschwundenen Aussagen und Studien zu konfrontieren, die zugeben, dass es bei einem Ja Gaskraftwerke oder noch mehr Stromimporte braucht, darf die Aargauerin erzählen, wie sie zu Hause Strom spart. Wir erfahren, dass Frau Leuthard nur noch einen halb so grossen Boiler im Keller hat. Was für ein Glück, denn damit ist die Energiestrategie gesichert. «Sie geht mit gutem Beispiel voran», echoten gestern die in der gleichen Zeitung veröffentlichten Leserbriefe. Die PR-Operation scheint also geglückt.

Das ist nur ein Beispiel, wie sich das Ringier-Blatt vor Leuthards Abstimmungswagen spannen lässt. Die Auftragsstudie eines Lobbyvereins für die Energiewende findet niemand interessant. Auf Blick.ch wird sie unhinterfragt ausgewalzt. Die «Tage der Sonne», eine PR-Aktion im Abstimmungskampf, wird ausführlich gelobt, weil sie «das Potenzial der Sonnenenergie» aufzeige. Leider reicht für eine sichere Stromversorgung nicht das Potenzial, sondern die tatsächliche Lieferung. Und das «grosse Erklär-Dossier» des Blicks zur Energiestrategie behauptet, «all die Förderungen sind jedoch befristet, in der Regel bis 2022 oder 2030» – dabei ist das nur der letzte Zeitpunkt, an dem Subventionen gesprochen werden, die dann 15 oder 20 Jahre laufen.

Wem nützt es? Ringier ist zusammen mit der SRG und Swisscom daran, einen neuen Werbe­monopolisten namens «Admeira» zu bauen. Der will mithilfe der private Daten aus dem Swisscom-TV persönliche Werbung verkaufen. Die Zusammenarbeit ist heikel, weil die SRG vor allem aus Steuern finanziert ist und die Swisscom mehrheitlich dem Bund gehört. Warum diese ­beiden staatsnahen Unternehmen ein einzelnes Verlagshaus herauspicken und bevorteilen sollen, ist politisch umstritten.

Bei «Admeira» ist Ringier auf den Goodwill von Doris Leuthard angewiesen, die nicht nur Energie-, sondern auch noch Medienministerin ist. Bis jetzt hat sie die Pläne wohlwollend begleitet. Das Foto zum Interview im Blick liess Leuthard ausgerechnet auf dem Dach von Swisscom schiessen. Was für ein Zufall. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 09.05.17, Bild: International Transport Forum / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

Ähnliche Artikel:

2 thoughts on “Blick mit Leuthard

  1. Ja, und ich heize mein Warmwasser mit Holzpellets, auch nur ein winziger Tropfen auf den heissen Stein. Es hat ja niemand gesagt, dass das Ersetzen der Nuklearenergie durch umweltfreundliche Technologien leicht sein wird. Aber es ist nötig, ich halte mich da an den Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, welcher sowohl die zivile wie auch die militärische Nutzung der Atomkraft für unverantwortlich hält. Und lieber kalt duschen als das Mittelland evakuieren! Ein Strommarkt, der die ureigenste Schweizer Wasserkraft für unrentabel erklärt, dagegen müsste doch eigentlich auch die SVP sein. Ich sehe in der E2050 ein visionäres Projekt mit vielen Hürden, das aber die Unabhängigkeit der Schweiz verbessern und das Volk über die Parteigrenzen hinweg vereinen kann. Ausserdem bieten sich viele neue Geschäftsideen für innovative Unternehmer. Die unter den Tisch gewischten Gaskraftwerke bieten immerhin die Möglichkeit, dezentral Strom zu erzeugen. Und sowohl die Technologie der Akkus wie auch der Solarzellen wird sich verbessern. Vor Allem, wenn wir darauf angewiesen sind, wird auch entsprechend in die Forschung investiert.

  2. Wenn das Ziel CO2 Reduktion ist, und das ist es, dann ist es dumm und kontraproduktiv, die CH- Wasserkraft pleite gehen zu lassen und unsere AKWs abzuschalten, denn die Erneuerbaren kosten 10 mal mehr, sind unzuverlässig und können die Quantitäten gar nicht liefern, auch nicht in 10-20 Jahren, denn es handelt sich um 40-60% des Energiebedarfs. Abgesehen davon finde ich ihre Holzpelletsheizung ebenfalls eine Zumutung die verboten gehört wegen der Feinstaubbelastung, die Grüne ja zBsp. bei Dieselmotoren dann inakzeptabel finden, nicht wahr ;-) Ach ja, das Gerede von wegen die heutigen Energiewirtschaft sei unrentabel, das wird ja von den deutschen Subventionen verursacht die durch künstliche Stromüberproduktion zu gewissen Zeiten (aber eben nicht dauernd und planbar! -> Flatterstrom) die Produktion in ganz Europa in eine Krise gestürzt haben. Seltsam, dass hier die WTO nicht einschreitet wegen Marktverzerrung durch Subventionen, sprich Dumpingpreisen, die man sonst ja gern China etc vorwirft.

Leave a Reply