Brötchen mit Entenleber Foie gras
Auch bei der Foie gras geht es um die Freiheit. Dieser Nationalrat, der auf dem Papier eine bürgerliche Mehrheit hat, vergällt uns Bürgern Freiheit, Genuss und Freude. Vor allem behandelt er uns wie Kinder, denen man ein eigenes Gewissen, inklusive die Fähigkeit es anzuwenden, abspricht und die man folglich zum guten und richtigen Leben erziehen muss.

In der Sommersession hat die grosse Kammer einer Motion des Berner Sozialdemokraten Matthias Aebischer zugestimmt, die den «Import tierquälerisch erzeugter Produkte» verbieten will. Gemeint kann damit alles sein: von der Foie gras über das Uhrenarmband aus Krokodilleder, spanischen Iberico-Schweinen, nordischen Rentieren bis zu Pelzen, Ostereiern oder Austern.

Klar: Niemand ist für Tierquälerei. Aber Politik sollte – vernünftigerweise – nicht aufgrund ihrer (meist) guten Absichten, sondern ihrer tatsächlichen Wirkungen beurteilt werden. Ein Importverbot von Krokodilleder schädigt bloss Uhrenindustrie und Bijouterien in der Schweiz und führt rasch zu einem Schwarzmarkt. Ein Foie-gras-Verbot fördert den Einkaufstourismus und schadet den Grossverteilern und ihren Angestellten. Wenn dann ein florierender Schwarzhandel vom Elsass nach Basel entsteht, freuen wir uns alle auf die systematische Einkaufstaschenkontrolle an der Grenze. Klar ist nur: Weder einer einzigen Ente im Périgord noch einem einzigen Krokodil auf einer Farm in Brasilien oder Australien ist mit dem Verbot geholfen. Wenn aber nur die Absicht von Politik zählt, dann spielt das keine Rolle mehr.

Der Vorstoss reiht sich ein in das bereits beschlossene Importverbot von Robben- und Pelzprodukten. Allen diesen Vorstössen ist gemeinsam, dass sie die Ethik von ein paar Wenigen statt mit Argumenten mit Zwang via Staat allen anderen aufzwingen wollen. Das hatten wir schon einmal, vor der sogenannten Aufklärung, als sich ein paar Kirchenfürsten und Könige für Sitten und Gebräuche aller zuständig erklärten. Die Sozialdemokratische Partei, welche die Befreiung von Kirche und Königen gerne für sich reklamiert, stellt anstelle der alten Bevormunder einfach den totalen Staat. Wir Bürger sind höchstens noch eine Herde furchtsamer Schafe, die sozialdemokratische Regierung unser ebenso wohlmeinender wie tyrannischer Hirte. Das Problem im realexistierenden Nationalrat ist nun, dass beileibe nicht nur die Sozialdemokraten (und deren Wurmfortsatz, die Grünen) die Bevormundung der Bürger ausbauen, sondern ganz viele andere auch.

Aebischers Vorstoss wäre nämlich gescheitert, hätten ihm nicht die unliberalen Grünliberalen, fast alle unbürgerlichen BDP-Leute und die grosse Mehrheit der unchristlichen Christdemokraten zugestimmt. Einzig die FDP blieb (diesmal) ihrem liberalen Credo treu und stimmte geschlossen gegen das wirkungslose Verbot.

Das alles hätte aber noch nicht gereicht, wenn nicht 13 SVP-Nationalräte (keiner aus der Nordwestschweiz) vergessen hätten, dass ihre Partei sie nicht auf Nationalratslisten gesetzt hat, damit sie neue Verbote und Zwänge beschliessen.

Hinter der Zustimmung aus der CVP und der SVP steht die Bauernlobby, die immer schamloser für weniger Freihandel und noch mehr Abschottung lobbyiert. Sie will nicht nur Direktzahlungen (direkt aus dem Portemonnaie der Bürger in die Portemonnaies der Bauern), sondern sich darüber hinaus noch Konkurrenz aus dem Ausland vom Leibe halten, auf Kosten der Konsumenten. Ob es realistisch ist, dass dereinst Schweizer Bauern Krokodile züchten. ist dabei egal. Abschottung finden die Bauern immer gut.

Aebischer führte in der Debatte ins Feld, es sei doch nicht logisch, wenn in der Schweiz Vorschriften gälten, die von importierten Produkten nicht eingehalten würden. Wer das nicht logisch findet, der könnte auf die überbordende Schweizer Regulierung verzichten und es dem Gewissen der Bürger überlassen, was sie kaufen, statt noch mehr zu regulieren. Doch das ist offenbar nicht nur SP und Grünen, sondern auch vielen in der CVP und der SVP zuwider. Aber wählen sollen wir diese Bevormunder dann 2019 wieder. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 24.06.17, Bild: cyclonebill / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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3 thoughts on “Foie gras und die Freiheit

  1. Ich bin erstaunt, dass unsere Parlamentarier diesen schwachsinnigen Vorstoss von NR Aebischer unterstützen. Er strotzt nur vom Zeitgeist eines Caviar Sozialisten, welcher das Ausland höchstens aus dem Ferienflieger kennt.

    Wir betreiben in Patagonien eine Merino Schafzucht. Die Schafzucht wird organisch (BioSuisse zertifiziert) und ökonomisch, sozial wie ökologisch Nachhaltig (tripple Bottomline) betrieben. Unsere Schafwolle erreicht höchste Standards für nachhaltige Naturfaserprodukte in aller Welt. Damit geben wir unter anderem dutzenden Familien, oft indigener Abstammung eine reale Lebensperspektive und ermöglichen eine sinnvolle Zukunft, ohne abhängig von Sozial-/Umverteiliungsprogrammen zu werden. Schafzucht und Wollproduktion ist eine nachhaltige Tätigkeit mit einem nachwachsenden Rohstoff mit unzähligen positiven Charakteristiken: Zum Beispiel werden Schafe in Gebieten geweidet, welche sich nur für Schafzucht eignen. Dabei helfen sie die Versteppung von Landstrichen zu verhindern und langfristig CO2 in den Böden zu binden (4-16 Tonnen/ha).
    Um zu überleben, müssen wir regelmässig den Patagonischen Fuchs jagen, weil er Lämmchen mag… Dabei werden traditionelle Methoden der Indianer benutzt. Ob Jagd nachhaltig oder tierquälerisch ist, kommt immer auf die Auslegung und Sichtweise an. Wir können nun die Felle wegwerfen oder weiterverarbeiten und eine kleine Zusatzeinnahmequelle generieren. Solche zertifizierte Produkte dürfen wir in Europa verkaufen. Wenn jedoch Pelze verboten werden und solch unsinnige Vorschriften eingeführt werden, verunmöglichen sie KMU’s langfristig die Existenz, weil nicht jede KMU von Beratungsaufträgen vom Staat leben können… Zudem führen solcher Vorschriften zur problematischen Süd/Nordmigration oder zur Slum-Ansammlung von Menschen in urbanen Gebieten, wenn traditionelle Landwirtschaftsmethoden untersagt werden.

  2. Als die ersten Gesetze gegen Sklavenhaltung entstanden sind, fühlten sich wohl auch so einige, die davon wirtschaftlich profitiert hatten, in ihrer Freiheit beschnitten.
    Ob aus der Illegalisierung ein Schwarzmarkt für Sklavenhandel entstanden ist? – Ja, Sollte nun der Sklavenhandel deswegen staatlich reguliert werden?
    Die Wirtschaft hat keine Moral. Sie geht über Leichen. Ihr einziges Interesse ist der Wachstum. Welchen Scherbenhaufen sie dabei hinterlässt, spielt ihr keine Rolle. Wenn anstelle einer Regulierung, an die Vernunft des Einzelnen appelliert wird, dann darf nicht vergessen werden, dass die Vernunft des Einzelnen sich der Interessen der Wirtschaft beugt, sich ihr als Konsument total hingibt und darauf vertraut, dass wenn es bezahlt wurde, dann auch alles seine Richtigkeit hatte.
    Im Falle des Beispiels mit der gesetzlichen Einschränkungen für Produkte, mit tierquälerischem Inhalt würde es bedeuten, dass der Einzelne von sich aus auf Krokodilleder verzichten würde, oder auf ein Produkt aus einem lebendigen, empfindungsfähigen Wesen, welches monatelang Schmerzen gelitten hat, damit es zwei Sekunden auf der Menschenzunge prikelt (zum Überleben braucht man das wohl nicht). Und kaum jemand könnte es aushalten, dabei zu sein, wenn die Tiere gequält werden. Ganz schnell steht fest, die Mehrzahl der Menschheit ist nicht vernunftsgesteuert, sondern wird von Werbeplakaten gelenkt.
    Der Staat und seine Gesetzte an und für sich bedeutet Bevormundung. Drogen sind für die Gesundheit der Menschen gefährlich und daher verboten. Es liegt nicht in der Vernunft des Einzelnen, dies zu entscheiden. Warum dürfen also nicht auch Gesetze erlassen werden, welche die Qualen von anderen empfindungsfähigen Wesen vermindern.
    Wir brauchen nicht Produkte zu fördern, deren Inhalt fragwürdig ist. Die Gesellschaft hier kann gut ohne gestopfte Gänseleber leben. Es ist kein Genuss, wenn dabei so viel Schaden entsteht. Qualität statt Quanität! Weniger ist mehr Leute.

  3. Ihre persönliche Ethik in Ehren, aber nichts legitimiert sie, diese anderen aufzuzwingen. Überzeugen Sie davon so viele wie sie nur können, wenn diese Ethik allen anderen überlegen ist, dann schaffen Sie das auch. Wenn nicht, dann nicht. Der Vergleich mit dem Sklavenhandel ist falsch, denn es gibt mehrere Unterschiede zwischen Menschen und Tieren, der wichtigste: Tiere sind keine moralisch handelnde Wesen. Ihnen fehlt eine persönliche Ethik zur Begründung ihres Handelns. Darum sind Sklaven keine Tiere.

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