
Studiengebühren müssen nicht nur deutlich höher sein, weil der Besuch einer Uni eine Investition in zukünftig höheren Lohn darstellt. Im Zusammenhang mit der Finanzierung der Hochschulen muss auch ein weiteres ungeschriebenes und unreflektiertes Tabu diskutiert werden: die für alle Fächer einheitlichen Studiengebühren. Ordnungspolitisch gibt es keinen Grund, warum jeder Studiengang gleich teuer sein sollte. Die Studiengebühren müssen unbedingt flexibilisiert werden, weil
- nicht jeder Studiengang gleichviel kostet
- nicht jede Ausbildung gleichviel zusätzlichen Lohn einbringt
- nicht jede Ausbildung gleichviel volkswirtschaftlichen Nutzen erbringt
Investitionen in Humankapital sind für die Zukunft entscheidend – dass sie sich auch lohnen ist entscheidender. Für alle.
Wenn in jedem Fach Investition und Ertrag festgestellt und in Studiengebühren umgerechnet werden, ergeben sich unterschiedliche Gebühren – aufgrund der tatsächlichen privaten und volkswirtschaftlichen Kosten und des Nutzens. Was bedeutet das? Für Deutschland haben das Peer Ederer und Philipp Schuller in einem lesenswerten Buch
nachgerechnet (S. 102ff.).
Rechts- und Sozialwissenschaften: Das Studium kostet relativ wenig, weil keine aufwändigen Apparaturen und Infrastrukturen benötigt werden. Die volkswirtschaftliche Rendite ist gross, weil diese Studienabgänger einen grossen Mehrwert erwirtschaften. Die Studiengebühren dürften zwar um einiges höher als heute ausfallen (rund 5’000 Franken), aber im Vergleich zu anderen Studien doch attraktiv sein.
Naturwissenschaften: Die Disziplinen der Naturwissenschaften unterscheiden sich sehr. Dort wo die Anzahl Studierender gering ist, besteht meist eine grosse Nachfrage (zum Beispiel Mathematik). Die Folge sind hohe private Renditen in Form von hohem Lohnniveau. Das muss nicht überall so sein und kann auch konjunkturell stark schwanken – zum Beispiel bei der Informatik.
Medizin: Diese Studiengänge sind teuer, dauern lange und bringen so keine fiskalische Rendite (in Form höherer Steuereinnahmen). Die Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern lohnt sich aus Sicht des Staates nicht. Die Studierenden werden heute massiv subventioniert vor allem von den Nichtakademikern – bei einer hohen privaten Rendite. Die Studiengebühren sollten deutlich höher liegen als jene anderer Fächer (rund 20’000 Franken), damit die fiskalische Rendite überhaupt entsteht und angemessen erhöht werden kann.
Ingenieurwissenschaften: Diese Studiengänge sind zusammen mit jenen der Medizin die teuersten. Sie bringen eine hohe private Rendite, weil die Nachfrage hoch ist und auch einen fiskalischen Mehrwert, wenn auch nicht so viel wie Sozialwissenschaften und Recht. Höhere Studiengebühren sind gerechtfertigt und sinnvoll.
Sprach- und Kulturwissenschaften: Diese Fächer lohnen sich eigentlich nicht, weder für den Staat, der die Ausbildung finanziert, noch für die Studierenden. Obwohl die Kosten nicht sher hoch sind, entsteht keine grosse Rendite, weder fiskalisch noch privat. Selbstverständlich bestehen auch “nichtwirtschaftliche Interessen”. Deutlich höhere Studiengebühren würde jedoch die Anzahl Studierenden verringern. (Foto: pixelio)
P.S.: Gesucht wird ein Sponsor, der eine entsprechende Studie für die Schweiz finanziert.