Bündner Kuh
Die Schweizer Landwirtschaftspolitik strotzt nur so von Fehlanreizen und absurden Regelungen. Das System der von der Fläche abhängigen Direktzahlungen fördert zum Beispiel Hobbybauern, die einem normalen Beruf nachgehen und nebenbei noch einen Bauernhof betreiben, und bestraft jene, die voll auf die Landwirtschaft setzen, aber nicht mehr Land bewirtschaften können, weil es durch die Hobbybauern besetzt wird. Das System zementiert so Strukturen, wo Strukturwandel die echten Schweizer Bauern wettbewerbsfähiger machen würde. Daneben gibt es Tausende von zusätzlichen Subventionen, von Blumentrögen über Hecken und Hochstammbäume bis zu – tatsächlich – gestapelten Kuhfladen, inklusive einer Armee von staatlichen Kontrolleuren, die diese Ansprüche auf den Betrieben überprüfen müssen. Verbände und ihre Funktionäre kassieren Millionen für Absatzförderung, bei der die Vielfalt der Schweizer Bauern und die Qualität ihrer Produkte nicht sichtbar werden. Weiterhin meint die Bauernlobby, ihre Produkte könnten gegen ausländische Lebensmittel nicht bestehen, und hält an Zollschranken und Importverboten fest, obwohl nichts so sehr im Trend ist wie Produkte, die gut sind und «aus der Region für die Region» hergestellt werden. Darum bezahlen wir viel zu viel für Lebensmittel, was besonders jene trifft, die auf jeden Franken schauen müssen. Wenn sie können, versorgen sie sich im Ausland.

Das System Landwirtschaft ist so in Schieflage geraten, dass eine Subvention für jene Bauern, die ihren Kühen und Ziegen die Hörner belassen, nicht mehr ins Gewicht fällt. Der nächste Landwirtschaftsminister wird die Agrarpolitik der Schweiz sowieso unter die Lupe nehmen müssen und dabei hoffentlich die Profiteure bei den Hörnern packen. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 17.10.18, Foto: Bad Kleinkirchheim (obwohl es eine Schweizer Kuh zeigt!) / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Er trat an, die Bauern zu einigen. Die sind nämlich viel zerstrittener, als es von aussen den Anschein macht. Da gibt es jene, die weniger Vorschriften wollen und die anderen, die umgekehrt mit noch mehr Gesetzen allen anderen vorschreiben wollen, wie sie zu produzieren haben. Das Ganze wird überlagert mit Loyalitäten zu Parteien, zur SVP und zur CVP, etwas weniger zur FDP, zur SP und zu den Grünen.

Bauernpräsident Markus Ritter, St. Galler CVP-Nationalrat, hatte die Idee, diese Flügel mit einem gemeinsamen Projekt, der Volksinitiative «Für Ernährungssicherheit», zu einen. Der in einer Überflussgesellschaft absurde Titel offenbart, wie klein der kleinste gemeinsame Nenner im Bauernverband war. Im Parlament kam dem Ritter allerdings ein Hofnarr aus dem Urnerland in die Quere. CVP-Ständerat (und Bauer) Isidor Baumann setzte einen Gegenvorschlag auf, welcher noch mehr in die Initiative packte, sodass am Ende alle, selbst Naturschützer und Freunde des Freihandels, hinter dem Text stehen konnten. Er bewahrte so den Bauernverband vor einem möglichen Fiasko. Aber in der Verfassung steht nun ein Text, der alles und nichts bedeuten kann. Die Geschichte könnte hier zu Ende sein. Aber sie ist es nicht.

Denn jetzt haben zahlreiche Gruppen und Grüppchen in und um die Landwirtschaft das Thema für sich entdeckt. Seither sind nicht weniger als sechs Volksinitiativen eingereicht oder angekündigt worden, welche die Landwirtschaft in der Schweiz mehr oder weniger radikal verändern würden. Die Fair-Food-Initiative der Grünen verlangt mehr ökologische und soziale Vorschriften. Niemand soll essen dürfen, was den Grünen nicht passt. Das gälte auch für importierte Waren. Letzteres widerspricht internationalem Recht und kann pikanterweise nur umgesetzt werden, wenn die Selbstbestimmungs-Initiative der SVP angenommen wird. Dann gibt es eine Initiative für «Ernährungssouveränität». Auch sie bringt (noch) mehr ökologische und soziale Vorschriften und mehr Abschottung an der Grenze.

Dagegen wäre die Hornkuh-Initiative schon fast harmlos, die bloss mehr Geld für Kühe mit Hörnern herausholen will. Die Zersiedelungs-Initiative würde Einzonungen faktisch verunmöglichen und so den Wohnraum verknappen und die Mieten noch mehr in die Höhe treiben. Und dann gibt es noch eine Initiative gegen angeblich zu viel Pestizide in der Landwirtschaft und bei importierten Produkten und eine Initiative gegen die «Massentierhaltung». Gleichzeitig strebt Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann neue Freihandelsabkommen an, damit die 99 Prozent der Wirtschaft, die nichts mit Landwirtschaft zu tun haben, neue Märkte erschliessen können. Der Bauernverband als Vertreter des einen Prozents hat sich aus diesen Diskussionen wutentbrannt verabschiedet, bevor sie überhaupt begonnen haben. Und zu guter Letzt kommt die nächste Reform der Agrarpolitik, bei der endlich darüber geredet werden muss, ob auch Hobbybauern, die ganz normal einem bezahlten Beruf nachgehen und nur nebenbei eine Landwirtschaft betreiben, gleich wie richtige Bauern Direktzahlungen erhalten sollen. Bereits besteht die Mehrheit der Direktzahlungsempfänger aus solchen Hobbybetrieben – und sie belegen das Land, welches die Vollzeitbauern bearbeiten könnten. Wieso, so fragt man sich zusehends, sollen die 99 Prozent Nicht-Bauern Milliarden an Hobbybauern überweisen?

Vielleicht müssen wir zurück zu den Wurzeln der heutigen Agrarpolitik. Am 12. März 1995 scheiterten an der Urne drei landwirtschaftliche Vorlagen. Eine neue Politik musste her. Der Deal war, dass die Bauern auf Preisstützungen und Marktabschottungen verzichteten, dafür mit Direktzahlungen entschädigt wurden. Diese Stossrichtung wurde von den Lobbyisten aller Beteiligten, vor allem aber vom Bauernverband, unterwandert. Heute haben wir bald wieder das alte Durcheinander von Fehlanreizen. Wir sollten dem Bauernverband helfen, die links-grünen Initiativen abzulehnen – aber nur, wenn der Ritter und seine Hofnarren wieder zum Kompromiss von 1995 zurückkehren, Freihandel inklusive. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 24.02.18, Bild: Hannes Mauerer / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Bündner Kuh
Einzelnen Bauern und ihren Familien geht es nicht gut. Das landwirtschaftliche Einkommen ist allerdings so hoch wie noch nie. Und kein einziger Wirtschaftsbereich der Schweiz wird mit derart viel Geld unterstützt wie die Bauern (2,8 Milliarden Franken dieses Jahr). Warum gibt es dann ein Problem? Weil das Geld falsch eingesetzt wird.

Wie überall, wo der Staat viel Geld in die Finger nimmt, gibt es solche, die davon profitieren, obwohl sie gar nicht darauf angewiesen sind. Es gibt viele unzweckmässige Geldströme in der Agrarpolitik. Der stossendste Brocken ist aber die Tatsache, dass die Direktzahlungen auch an Bauern gehen, die eigentlich gar keine sind. Fast ein Drittel der Direktzahlungsempfänger sind Hobbybauern, die ein Einkommen in einem normalen Beruf verdienen. Es gibt keinen Grund, Nebenbeschäftigungen staatlich zu finanzieren. Aber es kommt noch schlimmer: Das Kulturland, das diese Bauern bewirtschaften, fehlt den Vollzeitbauern, die mit mehr Land auch mehr Direktzahlungen erhielten. Als der Bundesrat die Mindestanforderungen leicht anheben wollte, ging der Bauernverband für seine Hobbybauern auf die Barrikaden.

Vor zwanzig Jahren erlebte der Bauernverband seine grösste Niederlage, als das Volk an einem einzigen Sonntag drei Landwirtschaftsvorlagen ablehnte. In der Folge wurde die heutige Landwirtschaftspolitik mit Direktzahlungen entwickelt. Auf weitere Subventionen sollte verzichtet werden. Die Preise sollten am Markt gebildet werden, damit die Konsumenten nicht doppelt durch hohe Preise und hohe Steuern bestraft würden. Die Richtung stimmte.

Davon wollen die Bauern nichts mehr wissen. Gestern forderten sie «faire», das heisst in ihren Augen vom Staat festgesetzte, zu hohe Preise. Gleichzeitig darf ihrer Meinung nach kein Franken an den Direktzahlungen gespart werden. «Produktive Landwirtschaft» heisst eine oft gehörte Parole. Das müsste aber bedeuten, die Finanzierung eines Hobbys einzustellen. Die echten Bauern hätten endlich ein anständiges Leben und eine ökonomische Perspektive – und die Landwirtschaft Wettbewerb. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 28.11.15, Foto: Bad Kleinkirchheim (obwohl es eine Schweizer Kuh zeigt!) / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Steak by Taryn Fleisch Meat
Wer bis letzten Sommer ein paar saftige Steaks aus Deutschland für eine Grillparty einführen wollte, zahlte erst ab dem fünften Kilo Zoll. Mit der «Vereinfachung» der Einfuhrbestimmungen wurde diese Grenze gesenkt – heute zahlt man bereits ab dem zweiten Kilo einen Zolltarif von 17 Franken. Diese «Vereinfachung» ist nichts anderes als Protektionismus, um den heimischen Markt abzuschotten. Dass der Nationalrat jetzt aber eine weitergehende Motion überweist und die Wiedereinführung einer Obergrenze für Fleischimporte von Privaten fordert, schlägt dem Fass den Boden aus.

Die SVP und die FDP – sonst Verfechter des freien Marktes schotten damit den bereits überregulierten Schweizer Agrarmarkt noch weiter ab. Mögen die Beweggründe der Motion auch gut und zum Wohl der Schweizer Produzenten gemeint sein, ist der Konsument dennoch nicht bereit mehr als doppelt so viel für ein Kilo Rindsfilet zu bezahlen, als im grenznahen Ausland.

Anstatt sich abzuschotten, wäre es angezeigt, dass die Schweizer Produzenten konkurrenzfähiger werden und gleichzeitig mit Verkaufsargumenten wie hoher Qualität und artgerechter Tierhaltung werben.

Wer sich aber weiter abschottet und den freien Markt nur dann predigt, wenn es einem gerade passt, der wird über kurz oder lang auf der Verliereseite stehen. Der Konsument lässt sich nämlich weder für blöd verkaufen noch zahlt er einfach aus irgendeinem falsch verstandenen Patriotismus heraus mehr für sein Filet. Denn etwas ist so sicher, wie das Amen in der Kirche: Mehr Markt führt zu mehr Freiheit – und zwar für Produzenten und Konsumenten. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 04.03.15, Foto: Taryn /flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Windrad von Lego
Ausgerechnet am Vorabend der Parlaments­debatte über die «Energiestrategie 2050» musste mein Sohn (5) aus der Ludothek einen Lego­bausatz für ein Windrad mit nach Hause nehmen.

Auf dem Stubenboden wuchs das Symbol für die Energiewende rasch in die Höhe. Der Last­wagen für den Unterhalt brauchte etwas länger. Als guter Vater verzichtete ich auf spöttische Kommentare (die mir dutzendfach in den Sinn kamen). Beim Zubettgehen verkündete der Baumeister noch, er wolle später einmal Bundesrat werden und dann den Bau von Hunderten von Windrädern beschliessen: «Und dann werde ich noch ­Ingenieur und baue sie zusammen.» Jetzt musste ich ihn aber fragen: «Wer bezahlt denn die vielen Windräder, die du zusammenbaust?» Seine ­Antwort: «Der Bundesrat natürlich.»

Ähnlich hatte der französische Präsident François Hollande geantwortet, als er nach den Kosten seiner Politik gefragt wurde: «Ce n’est pas cher, c’est l’Etat qui paye.» (Das ist nicht teuer, der Staat bezahlt es, siehe Video unten.) Da ging es zwar um eine ­wirtschaftspolitische Massnahme, aber ich halte trotzdem fest, dass sich mein Fünfjähriger und der Präsident der Französischen Republik auf ­gleichem Niveau bewegen. Nur für wen das ein Kompliment sein könnte, ist mir noch nicht klar.

Dass etwas nichts kostet, weil es der Staat bezahlt, ist aber nicht nur ein sozialistisches Dogma, sondern eine weitverbreitete politische Haltung. Den Beweis dazu lieferte diese Woche die Budgetdebatte des Nationalrates. Finanzpolitiker, welche das überdurchschnittliche Wachstum der Bundesfinanzen ernsthaft eindämmen wollen, gibt es weder in der SP noch in der CVP oder der FDP und auch nicht in der SVP. Vor einem Jahr hatte SVP-Vizepräsident Christoph Blocher die eigenen Bauern noch im Griff. Dieses Jahr waren sie beim Raubzug auf das Portemonnaie anderer Leute an vorderster Front dabei. Und links der Mitte nennt man schon geringeres Ausgabenwachstum «Kaputtsparen» des Staates.

Die Anekdote meines Sohnes zeigt aber auch, dass schon ein Fünfjähriger die Mechanismen der Politik begreift: Man tut Gutes mit dem Geld ­anderer Leute. Die politische Ökonomie, also die Anwendung von ökonomischen Verhaltensmustern auf die Politik, funktioniert hervorragend. Auch Politiker sind Menschen und verhalten sich so, dass sie einen persönlichen Vorteil herausholen. Darum unterstützen Strombranche, Umweltorganisationen, Wirtschaftsverbände vom Bau bis zum Solar­installateur eine Energiestrategie, die zuerst einmal Subventionen verteilt und erst 2020 mit der eigentlichen Zielerreichung beginnen will.

Der Vorteil muss nicht einmal finanzieller Art sein. Auch Profilierung gehört dazu, vor allem in einem Wahljahr. Die grüne Berner Nationalrätin Aline Trede wirft sich mit der Forderung nach einem Vaterschaftsurlaub ins mediale Scheinwerferlicht. Eineinhalb Jahre Ferien soll es für Vater und Mutter geben. Dabei verschweigt sie geflissentlich, worum es ihr wirklich geht. Denn Vaterschaftsurlaub gibt es bereits jetzt, nur muss ihn der werdende Vater selber bezahlen, wenn er länger dauert, als sein Ferienkonto zulässt. Was Aline Trede eigentlich will, ist ein Vaterschaftsurlaub, der von allen anderen bezahlt wird, also allen, die nicht Väter geworden sind. Was diese Massnahme kostet? Natürlich nichts, es bezahlt ja der Staat. Anders kann man Frau Trede nicht verstehen, denn sie behauptet, dass sich das sogar lohnen würde, weil dann das «Potenzial der Frauen in der Wirtschaft besser ausgenützt» werden könne.

Was haben Aline Trede, François Hollande, die SVP-Bauern, die SP-Sozialpolitiker, die vereinigten Energiestrategie-Profiteure und mein fünfjähriger Sohn gemeinsam? Sie bestätigen, was der ­amerikanische Nobelpreisträger Milton Friedman festgehalten hat: Niemand gehe mit dem Geld anderer Leute so sorgsam um wie mit dem eigenen. Sein Vorschlag ist so einfach wie radikal: «Der ­einzige Weg, um das Verhalten der Politiker zu ändern, ist, ihnen das Geld wegzunehmen.» Das werde ich eines Tages auch meinem Sohn erklären. Im Moment suche ich vor allem einen Lego-­Reaktorbausatz. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 29.11.14, Foto: fi)

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Kuhfladen auf einer Alp
Unser Staatswesen ist eigentlich «von unten» ­aufgebaut, also von den Bürgern her, die selber Verantwortung für ihr Leben übernehmen. Diese Freiheitlichkeit der Menschen war auch lange Zeit ein besonderes Merkmal der politischen Kultur der Schweiz. Die Menschen haben sich selber organisiert, sich notfalls Hilfe in der Familie, ­Verwandtschaft, Nachbarschaft und auf Ebene der Gemeinden organisiert.

Doch in Zeiten von immer mehr an den Staat übertragenen Aufgaben, Dutzenden von Zweckverbänden der Gemeinden, Konkordaten von ­Kantonen, Lastenausgleichen auf allen Stufen und zentral in Bern erlassenen Normen, an die sich alle halten müssen, ist das nur noch Makulatur. Das Schweizer Fernsehen berichtete (hier oder unten) jüngst, dass der Kanton Appenzell Innerrhoden im Rahmen der «Landschaftsqualitätsbeiträge» Subventionen für schön aufgeschichtete Kuhfladen bezahle. Zwar sei der Kanton eigentlich überhaupt gegen diese Subventionen gewesen, aber da sie nun im Landwirtschaftsgesetz verankert seien, führe man halt aus, was Bern beschlossen habe. Jeder innerrhödler Bauernbetrieb wird in den kommenden Jahren mindestens einmal im Hinblick auf die Ästhetik seiner Kuhfladen begutachtet.

Freiheit beinhaltet vor allem das Recht auf Selbstbestimmung. Das Recht darauf, von ­niemandem, auch nicht vom Staat oder einer sich wie auch immer zusammenrechnenden Mehrheit, behelligt zu werden. Selbstbestimmung beinhaltet das Recht sich zu irren, Fehler zu machen. Eine freie soziale Ordnung ist keine, die Fehler verbietet, sondern eine, in der Fehler möglichst wenig Schaden anrichten und rasch korrigiert werden. Das geschieht immer dann, wenn Fehler von ­ohnmächtigen Menschen gemacht werden. Warum? Ohnmächtige Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie Fehler rasch erkennen und korrigieren müssen, da sie sonst Geld oder gar ihr Leben verlieren.

Nur mächtige Menschen können Fehler jahre- oder jahrzehntelang weiterführen. Politiker und Staatsangestellte sind mächtige Menschen, weil sie über Geld verfügen, das wir ihnen zahlen ­müssen, egal ob wir aufgeschichtete Kuhfladen gut finden oder nicht. Nehmen wir Obiges zum Himmel stinkende Beispiel: Wenn hinter diesen Subventionen nicht der mächtige Staat stünde, dann müssten sich die Freunde des schön gestapelten Kuhfladens privat für ihre Sache stark machen. Das wäre eine ganz andere Ausgangslage.

Ein paar Innerrhödler würden vielleicht eine «Stiftung zur Förderung der Kuhfladenstapelei» gründen. Auf ihrer Webseite sprächen sie von der jahrhundertelangen Tradition des appenzellischen Handwerks des Kuhfladenstapelns. Diese habe – quasi als verbindendes Glied – sogar die konfessionelle Trennung in die Halbkantone Ausserrhoden und Innerrhoden überdauert und müsse nun in Zeiten der Globalisierung gerettet werden. In den Stiftungsrat würde man mindestens einen ehemaligen Landammann mit besten Beziehungen nach St. Gallen und noch besser nach Zürich wählen. Wichtig wäre auch der aktuelle Säckelmeister der Regierung, damit das appenzellische Finanzdepartement rasch die Spenden als steuerabzugsfähig deklarieren würde.

Bin ich Pessimist, wenn ich voraussage, dass auf diesem Weg nie die Beträge zusammenkommen würden, die nun im Appenzellischen für Kuhfladen zur Verfügung stehen? In der Realität würde die Stiftung rasch verschwinden. Der Irrtum, dass dieser Stiftungszweck im allgemeinen Interesse wäre, müsste rasch korrigiert werden.

In der Realität besteht aber kein Zweifel daran, dass die Kuhfladensubvention in den nächsten Jahren so bleibt, wie sie ist. Denn das Geld muss nicht erbettelt werden, sondern wird durch staatlichen Zwang erhoben. Ohnmächtige Menschen können sich irren. Der allmächtige Staat irrt sich auch. Aber seine Beamten müssen ihre Scheisse nicht korrigieren. Damit wir eine Gesellschaft sind, in der Fehler rasch korrigiert werden, ­müssen möglichst viele Lebensbereiche von ­ohnmächtigen Menschen statt vom allmächtigen Staat und seinen Beamten verantwortet werden. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 13.09.14, Foto: mompl / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Drei Paar High-Heels in einer Reihe
Eine neue Schuhgewerbeinitiative soll in unserem Land einen möglichst hohen Selbstversorgungsgrad mit gesunden und qualitativ guten Schuhen ermöglichen, die dafür notwendige Gewerbefläche sichern, den administrativen Aufwand für die Schuhwirtschaft reduzieren und die Planungs- und Investitionssicherheit für das Schuhgewerbe erhöhen. Zudem soll eine allfällige weitere Markliberalisierung nicht einseitig zulasten der inländischen Produktion von Schuhen erfolgen.

Schuhe sind ein existenzielles Bedürfnis. Die Schweizer Schuhgewerbler wollen auch in Zukunft den Versorgungsauftrag zu Gunsten der in der Schweiz lebenden Menschen und ihren Füssen erfüllen. Mit verschiedenen politischen Entscheiden wurde die Erreichung dieses Zieles in den vergangenen Jahren erschwert. Das Schuhgewerbe schrumpft und es gehen tausende von Arbeitsplätzen verloren. Die Politik muss handeln. Eine neue, griffige Verfassungsbestimmung soll nun die dringend notwendige Grundlage schaffen, um einer produzierenden Schuhwirtschaft in der Schweiz eine Zukunftsperspektive zu geben und der auch im internationalen Kontext immer wichtiger werdenden Schuhsicherheit den ihr gebührenden politischen Stellenwert einzuräumen.

Der Vefassungstext für die Volksinitiative lautet wie folgt:

Die Bundesverfassung (SR 101) wird wie folgt geändert:

Art. 104a (neu) Produktion von Schuhen im Inland

1 Der Bund sorgt in Abweichung von der Wirtschaftsfreiheit dafür, dass die Schuhwirtschaft gesunde und qualitativ gute Schuhe produziert. Dabei ist ein möglichst hoher Selbstversorgungsgrad der Bevölkerung zu erreichen. Dieser hat mindestens dem Stand am Ende des Jahres des Inkrafttretens dieser Bestimmung zu entsprechen.

2 Der Bund sichert zu diesem Zweck die notwendige gewerbliche Fläche für die Schuhwirtschaft, reduziert den administrativen Aufwand in der Schuhwirtschaft auf ein Mindestmass und erhöht die Planungs- und Investitionssicherheit für die schuhwirtschaftlichen Betriebe.

3 Muss der Bund die Einfuhr schuhwirtschaftlicher Erzeugnisse aus gesamtwirtschaftlichen Interessen weiter liberalisieren, so beschränkt er sich auf das notwendige Ausmass und trifft zur Aufrechterhaltung der inländischen Schuhproduktion Kompensationsmassnahmen.

(Text in Anlehnung des gestrigen Mediencommuniqués der SVP Schweiz zur Landwirtschaft. Auch Schuhe können als existanzielles Bedürfnis für die Bevölkerung angesehen werden, Foto: Espressolia / pixelio.de)

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Emmentaler im Querschnitt
Wenn etwas verboten ist, hat man sich daran zu halten. So ist das in einem Rechtsstaat. Dass die blosse Einhaltung von Verboten – zum Beispiel im Strassenverkehr – vom Staat belohnt wird. tönt doch eher sonderbar. Es ist aber Realität – zum Beispiel in der Landwirtschaftspolitik. Da gibt es die “Silageverbotszulage”. Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich nichts anderes als eine Belohnung für Käse, dessen Milch von Kühen stammt, welche nicht mit Silage gefüttert worden sind. Die Milchhygieneverordnung verbietet dies nämlich, da eine Verunreinigung durch Bakterien eine Fehlgärung verursachen können. Und die Zulagenverordnung belohnt dann die Einhaltung dieses Verbotes. 2010 knapp mit 33 Mio. Franken (gem. Agrarbericht 2011).
Also: Das Verbot besteht aus Gründen der Qualität. Statt das zum eigenen Vorteil einzuhalten oder mit diesem Qualitätsmerkmal auf dem Markt ein höherer Preis erzielen, macht man schon zum vorneherein die hohle Hand bei der Allgemeinheit. Warum fordern die Käseproduzenten eigentlich nicht eine Zulage, weil sie ihre Produktionsanlagen täglich waschen müssen?
(Foto: Michaela Schmidt-Meier / pixelio.de)

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