Waste Graffiti
«Wie söll d’Zuekunft uusgseh im Umgang mit em Abfall?» Die Dame mit der rhetorischen Frage steht vor einem ziemlich hässlichen grau-grünen Hintergrund. Diese Frage, so die Dame weiter, hätten Verbände aus der Wirtschaft, der Umwelt, aus dem Abfall- und Recyclingbereich zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt und dem Kanton Aargau während zwei Jahren diskutiert und schliesslich elf Leitsätze – also alle zwei Monate einen – beschlossen. «Damit hed mer en Kompass gleid für d’Zuekunft vo nere nachhaltige, umweltschonende und effektive Abfall- und Ressourcenwirtschaft.» Fehlen nur noch die konkreten Abfallvermeidungs- und Kompostiertipps.

Nein, die Dame arbeitet nicht bei Pro Natura oder bei Greenpeace. Sie ist auch nicht beim Bundesamt für Umwelt angestellt, obwohl man in der Bundesverwaltung immer häufiger nutzlose Videos produziert – vor allem um die ausufernden Kommunikationsabteilungen zu rechtfertigen. Nein, die Dame heisst Monika Rühl und ist Direktorin des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse.

Es gab eine Zeit, da war Economiesuisse, oder «Vorort», wie er in einer geheimnisvollen Mischung aus Understatement und Grösse einst hiess, der mächtigste Lobbyist im Land – noch mächtiger als die Bundesverwaltung. Er vertrat die entscheidenden übergeordneten ordnungspolitischen Prinzipien: Ein Staat im Dienste der Menschen, mit so viel Freiheit für die Menschen wie möglich, staatliche Eingriffe nur dort, wo nötig und nur wenn tatsächlich ein Problem vorliegt und Wirksamkeit und Effizienz des staatlichen Eingriffes auch erwiesen sind.

Heute macht der Spitzenverband der Wirtschaft Filmli zur Abfallwirtschaft, während er beispielsweise zur Energiestrategie, also zu einer der wichtigsten Ressourcen für seine Mitglieder, keine Meinung hat. Und bei Regulierungsfragen, also bei der für die Wirtschaft entscheidenden unternehmerischen Freiheit, kommt es ihm vor allem darauf an, dass die Regeln der Europäischen Union peinlich genau eingehalten werden. Er hat sich nur zaghaft gegen die Regulierung im Finanzmarktbereich gewehrt, letztlich den Informationsaustausch auch dann noch befürwortet, als klar war, dass die USA dabei nicht mitmachen. Und er unterstützt die Uno-Agenda 2030, ein mit 169 Zielen überfrachtetes Regulierungsprogramm mit Kollateralschäden im Milliardenhöhe. Economiesuisse klopft sich schon auf die Schultern, wenn es gelingt zu verhindern, dass Bundesrat und Parlament in der Regulierung weiter gehen als die EU. Derweil rutscht die Schweiz im wichtigsten Index für Unternehmertum, dem Doing-Business-Index der Weltbank, Jahr für Jahr zurück. Mittlerweile liegen nicht nur Deutschland und Österreich, sondern auch Frankreich und Portugal vor der Schweiz. Und Frau Rühl redet über Abfall.

Mit Millionen macht man dafür Werbung für die Personenfreizügigkeit, also die Freiheit von Wenigqualifizierten, in den schweizerischen Sozialstaat einzuwandern, was erstens Kosten verursacht, welche wieder die Wirtschaft bezahlen muss, und zweitens die Zuwanderung von Hochqualifizierten von ausserhalb Europas, welche viel zu engen Kontingenten unterliegt, verunmöglicht. Die Arbeitsproduktivität, um nur einen Indikator zu nennen, die sowieso schon tiefer als in den Neunzigern ist, wird so weiter gebremst.

Die Orientierungslosigkeit an der Spitze von Economiesuisse ist Abbild für die Internationalisierung an der Spitze der meisten grossen Unternehmen, welche die Finanzen und den Kurs des Verbandes bestimmen. Die grossen Banken, Finanzdienstleister und auch die Pharma sind im Besitz von Ausländern und oft von solchen geführt. Ihnen ist der Standort Schweiz egal – sie haben Alternativen, wenn hier die Regulierung zu übel wird. Die Schweiz ist höchstens noch gut für das Marketing, ansonsten sind wir Mittelmass im von der EU durchregulierten Binnenmarkt.

Der Dachverband wird dann zum inhaltlich ziemlich leeren Image-Instrument, mit dem die Unternehmen bloss noch versuchen, sich bei der Bundesverwaltung, in der Politik und den Medien anzubiedern. Der «Kompass» in der Abfallbewirtschaftung ist dann plötzlich wichtiger als der Kompass in der Wirtschaftspolitik. (veröfentlicht in der Basler Zeitung vom 04.11.17, Bild: Steve Rotman / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Memo an den neuen Aussenminister Ignazio Cassis
Memo an den neuen Aussenminister Ignazio Cassis

Sehr geehrter Herr Bundesrat Cassis

Ab heute sind Sie als einer von sieben Bundesräten mitverantwortlich für die Regierungspolitik der Schweiz und als EDA-Vorsteher hauptverantwortlich für die Aussenpolitik. Aussenpolitik ist Interessenpolitik, heisst es. Die Schweiz hat diese bis vor einigen Jahren nicht zu Unrecht und mit Erfolg vor allem als Wirtschaftsinteressen angesehen. Doch Aussenpolitik ist mehr.

Mit Ihnen ist nach 18 Jahren das Tessin wieder im Bundesrat vertreten. Es lohnt sich deshalb, die Geschichte zu erzählen, wie das Tessin unabhängig wurde. Jedes Tessiner Schulkind lernt sie, aber sie ist es wert, in der Deutschschweiz erzählt zu werden.

«Liberi e Svizzeri»

Im Morgengrauen des 15. Februars 1798 ruderten 240 Freischärler aus dem lombardischen Campione über den See nach Lugano. Kurz darauf stürmten sie durch die Porta San Rocco in die Stadt. Ihr Ziel: das «Grande Albergo», wo sich die beiden Vertreter der Eidgenossenschaft, Stockmann und de Buman aufhielten. Sie setzten sie gefangen und wollten die Unabhängigkeit des Tessins und den Anschluss an das eben von Napoleon befreite Norditalien verkünden.

Doch die Luganeser machten, zur Überraschung der Eindringlinge, nicht mit. Sie liessen die Glocken der Stadt Alarm läuten. Schnell eilte die Bevölkerung zum Grande Albergo. Sie befreite die eidgenössischen Repräsentanten und erklärte ihre Unabhängigkeit, aber auch ihren Willen, Schweizer zu sein. Man muss sich das einmal vorstellen: Im selben Moment, in dem die Tessiner die Unterdrückung durch eidgenössische Landvögte abschütteln, wollen sie dem vormaligen Unterdrücker beitreten. «Liberi e Svizzeri», «Frei und Schweizer», die Parole vom 15. Februar 1798, ist so etwas wie die Staatsmaxime des Tessins geworden. Sie half auch in den 1930er-Jahren gegen die Gelüste von Faschisten auf beiden Seiten der Grenze, das Tessin mit Mussolinis Italien zu vereinen.

Warum wollten die Tessiner Schweizer sein und nicht Italiener? Warum sind die Romands nicht Franzosen und die Deutschschweizer nicht Deutsche? Warum ist die Schweiz ein – man kann es nicht anders sagen – Sonderfall von Nation mit vier Sprachen, zwei Konfessionen und noch mehr Kulturen, eine «Willensnation», die sich immer überlegen muss, ob und was sie noch will, wie es Ihr freisinniger Vorgänger im Bundesrat, Kaspar Villiger, einst formuliert hat?

Freiheit und Selbstbestimmung

Es gibt zwei Gründe: Tessiner, Romands und Deutschschweizer wissen, dass sie in dieser Willensnation mehr persönliche Freiheit und mehr politische Selbstbestimmung geniessen als in Deutschland, Frankreich oder Italien. Fallen persönliche Freiheit und politische Selbstbestimmung auf das Niveau unserer Nachbarn, fehlt der Existenzgrund dieser Willensnation. «Liberi e Svizzeri» würde zur hohlen Phrase. Kaum jemand dürfte das besser wissen als Sie, der als Sohn von zugewanderten Italienern in der Schweiz geboren wurde. Sie vereinen mit Ihrer Herkunft die Vielfalt dieses Landes, das wiegt noch fehlende Erfahrung mehr als auf.

Und was hat das mit Aussenpolitik zu tun? Wenn Aussenpolitik Interessenpolitik ist, dann gehört zur schweizerischen Aussenpolitik die Sicherung dieser beiden Existenzgründe der Schweiz. Das widerspricht den wirtschaftlichen Interessen der Schweiz im Übrigen nicht. Als Liberaler wissen Sie, dass die persönliche Freiheit und die politische Selbstbestimmung Voraussetzungen für Wachstum und Wohlstand aller darstellen.

Wenn wir das letzte Gesetz aus Brüssel nachvollzogen, die gesamte Justiz dem Europäischen Gerichtshof unterstellt und die EU-Kommission faktisch zur Überwachungsbehörde über die Schweiz gemacht haben, dann werden wir merken, dass die beiden Existenzbedingungen der Schweiz, persönliche Freiheit und politische Selbstbestimmung, nicht mehr da sind.

Damit sind wir nicht nur in der Gegenwart, sondern im wichtigsten Dossier Ihres Departements angekommen: der EU-Politik. Die Europäische Union und ihr Binnenmarkt sind spätestens seit dem Maastrichter Vertrag nicht nur wirtschaftliche Gebilde, sondern ein politisches Projekt. Deshalb geht es bei den Beziehungen zur EU nicht nur um Wirtschaft, sondern auch um Demokratie und Freiheit. Wenn wir das letzte Gesetz aus Brüssel nachvollzogen, die gesamte Justiz dem Europäischen Gerichtshof unterstellt und die EU-Kommission faktisch zur Überwachungsbehörde über die Schweiz gemacht haben, dann werden wir merken, dass die beiden Existenzbedingungen der Schweiz, persönliche Freiheit und politische Selbstbestimmung, nicht mehr da sind.

Wenn Sie die Originaldokumente zum Rahmenabkommen lesen (sie standen in der BaZ), dann wissen Sie, was auf dem Spiel steht. Sie sehen dann auch, dass sich der Bundesrat in eine Sackgasse manövriert hat. Die blosse Gutachterrolle für den Europäischen Gerichtshof ist für diesen unannehmbar. Die Unterstellung unter ein EU-Gericht und unter die EU-Kommission als Überwachungsbehörde ist innenpolitisch nicht zu vertreten. Ihre Partei und auch Sie haben das als «rote Linien» definiert – allerdings ohne zu sagen, was passiert, wenn sie überschritten werden.

Es geht in der EU-Politik um viel mehr als um die wirtschaftliche Einbindung in den Binnenmarkt, nämlich um die Frage, wer die Politik macht: das demokratisch kontrollierte Bern oder Brüssel. Die Hysterie des Bundesrats, dass ohne Personenfreizügigkeit, ohne Schengen/Dublin, die anderen bilateralen Verträge und wohl bald auch ohne Rahmenabkommen die Exportwirtschaft zusammenbreche, ist unglaubwürdig. Alle wichtigen Länder, denken Sie an China, die USA oder Japan, welche in die EU exportieren, haben keine bilateralen Verträge mit ihr, machen keinen Nachvollzug und kennen weder die Personenfreizügigkeit noch ein Streitbeilegungsverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof. Es gilt, was der britische Ökonom Lord Harris of High Cross vor Jahren der Schweiz riet: «Wenn der Binnenmarkt für den Welthandel offen bleibt, dann muss die Schweiz ihm nicht beitreten, und wenn er es nicht tut, dann darf sie ihm nicht beitreten!»

Heute vollziehen wir zwar alle EU-Regeln nach – und trotzdem haben wir weder für Güter, Kapital oder Dienstleistungen vollen Zugang zum Binnenmarkt. Bei den Finanzdienstleistungen und im Strommarkt werden wir offen diskriminiert. Bloss die Personenfreizügigkeit ist voll verwirklicht, jene Grundfreiheit, die selbst EU-nahe Kreise für einen funktionierenden Markt für nicht nötig erachten.

Offen für die Welt statt nur für die EU

Die Schweiz liegt im Zentrum Europas, aber die EU darf uns nicht genügen. Unsere Wirtschaft und Gesellschaft stehen im globalen Wettbewerb. Die weitgehende Übernahme von Regulierung aus der EU, die über blosse Produktnormen hinausgeht, schwächt unsere weltweite Wettbewerbsfähigkeit.

Wir sollten uns um möglichst geregelte Beziehungen mit der EU bemühen. Der Zugang zum Binnenmarkt ist wichtig, aber der politische Preis darf weder die Schweiz als Willensnation noch die Wettbewerbsfähigkeit des Landes infrage stellen. Nehmen wir uns Zeit und arbeiten mit der Efta und hinter den Kulissen auch mit den Briten an einem neuen, ausschliesslich wirtschaftlichen Binnenmarkt. Der braucht ein paar wenige Regeln und vermutlich auch ein Gericht, aber er belässt die Politik dort, wo sie hingehört: bei den demokratischen Institutionen der Länder.

Ihr Vorgänger im Aussendepartement, Bundesrat Didier Burkhalter, stammt aus Neuenburg. Seine Heimat schüttelte die preussischen Unterdrücker 1798 nicht ab, um «frei und Schweizer» zu sein, sondern akzeptierte die Regierung eines Fürsten bis 1848. Noch Jahrzehnte gab es eine royalistische Oberschicht. Wir «freien und Schweizer» Bürger dürfen deshalb darauf hoffen, dass Sie besser verstehen, was die Willensnation Schweiz ausmacht.

Ein anderer Vorgänger im Bundesrat, Tessiner und Freisinniger wie Sie, Stefano Franscini, schrieb über die Ereignisse vom 15. Februar 1798: «Die energische Standhaftigkeit von Lugano lässt die Stadt von der ganzen Schweiz für ewig geliebt werden.» Bundesräte müssen nicht geliebt werden, aber standhaft wie die Luganeser im Februar 1798 dürfen sie trotzdem sein.

Ich wünsche Ihnen für Ihr Amt alles Gute!

(veröffentlicht in der basler Zeitung vom 01.11.17, Bild: Vladimir Tkalčić / flickr.com, CC-Lizenz, unbearbeitet)

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Union Jack
What do these two paths of Brexit (see here and here) mean for Switzerland? The British divorce has a lot to do with the EU-Swiss discussions about their future relationship. But there is one main difference: The Swiss already have one, based on more than 120 bilateral treaties – and no vote to terminate it like the Brits. The Swiss have a bird in their hand and are discussing whether it sings sweetly or is just laughing at them. It’s the EU that wants Switzerland to have another bird, one that suits their interests. For almost ten years from the first package of bilateral treaties in 1999 the EU believed that these treaties would be a first step towards Switzerland full membership, either in the EU or at least in the EEA. And there are rumors that the Swiss even told them so. And deep in the bottom drawer of some Brussels office still was a solemn letter from May 20, 1992, in which the Swiss asked the EU for negotiations to become an EU-Member.

Around 2010 it became clear, that this was just a hope that would not come true for many years. In 2011 the EU proposed talking about a new institutional framework with the main goal to implement a new way for EU-laws to be adopted by Switzerland. The Swiss Government immediately said that this would be necessary to strengthen the so called „bilateral way“ in EU-Swiss relations. In 2012, discussions started between the EU and Switzerland about such a framework. According to some reports, the main cornerstones were fixed over a nice fondue in the old city of Fribourg. By May 2013 the two representatives signed a document, a so-called „non-paper”, as a base for the official negotiations. The Swiss acknowledged the ECJ to rule out the EU-Law but wanted another political step in a joint committee afterwards, to avoid a discussion about „foreign judges“ in Switzerland – something the EU has never accepted – and can not accept without hurting the credibility of its highest court. Since then, both sides have decided their mandates and have met for 17 rounds of negotiations on a framework, with no final agreement that suits both sides. In 2014 the Swiss voted in favor of a proposition to steer the immigration from EU-members, which contradicted an existing treaty between the EU and Switzerland and its principle of the freedom of movement of persons. The implementation was made without restricting migration and though harming the treaty. Growing voices in Switzerland, both in politics and business, say that there is no need for such a framework and if they sign one they want something for it, for instance a safeguard clause on immigration.

So even if the United Kingdom and Switzerland have a totally different starting point, the main difficulties in the case of a „soft-relationship“ are quite the same: the judicial control of the existing treaties and the common law, the implementation of future EU-Law, and immigration. Because Great Britain is a much bigger client for the EU and a much more important political power, and because there’s no immediate need for such an agreement with Switzerland, the Swiss can play for time, see what the Brits get and then ask for the same – or remain silent if they don’t like it.

But that means the two paths for Britain, Hard- or Soft-Brexit, might be the two options for the Swiss some day. Soft-Brexit would therefore mean another discussion about whether Switzerland would join the EEA. Such a proposition failed at a ballot 25 years ago. It would mean the same open borders for EU-migrants with a job as now, but a surveillance and judicial control not by EU-institutions, but by those of the EFTA, the EFTA Surveillance Authority (ESA) and the EFTA-Court, both supposedly with Swiss participation. And being a member of the EEA would mean the adoption of EU-Law anyway – something that happens today as well but is mostly well hidden in the terms of „eurocompatibility“ or „autonomous implementation“ of Swiss law – two quite orwellian descriptions of just doing what the bigger partner wants. The interesting thing for Switzerland is the possibility of a second phase of a Soft-Brexit, the two birds in the bush. If a stronger EFTA with Britain becomes something like a „continental partner“ of the EU where only the necessary rules for free trade in a common market have to be implemented and where there would be no freedom of movement of persons, this would certainly be an attractive solution for Switzerland. The country could preserve maximum of political sovereignty, and thus democratic participation of its citizens while having guaranteed access to the single market, without the regulations that damage its global competitiveness.

If Britain chooses the other path, to leave the EU with Hard-Brexit, or a transition deal that lacks the privileged access to the continent similar to the one the Swiss have right now, it would be the ultimate test for many experts who claim, that Switzerland and its economy are totally dependent on having treaties that guarantee access to the European single market. In times of accelerated globalization the words of Lord Harris of High Cross, the former director of the Institute of Economic Affairs, a famous think-tank based in London, might become truer and truer: If the European common market is globally open for free trade, Switzerland does not have to be part of it – and if it’s not, Switzerland shouldn’t.

Switzerland exports 63% of its goods and services to countries outside of the EU – and this percentage will rise even more in case of a Hard-Brexit. A highly competitive country should not be restricted by the rules of a shrinking and over-regulated common market. And in addition to that Hard-Brexit would be a test for the EU as well. If it treats the Brits with hostility and seals off British business from the market, this would be a warning for Switzerland. If the test goes wrong in any kind of way, the Swiss know what to avoid – common market or any further approach to the EU.

Switzerland already has a bird in its hand. It can wait and see whether Great Britain get a better one from the bush or even two of them. „Wait and see“ has always been a part of Swiss foreign policy. It’s not an attractive one for politicians, but not surprisingly a quite successful one for a small country.

And after all, it’s a good strategy for observing birds as well.

(Picture: Davide D’Amico / flickr.com, Creative Commons, unchanged)

The other parts of this article:
Part 1: Soft Brexit
Part 2: Hard Brexit

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Union Jack
The hard way for Britain to leave the EU starts with the assumption that the United Kingdom will leave the EU by the end of March 2019 regardless, even if there isn’t a deal between Her Majesty’s Government and the EU. This is explicitly stated in article 50 of the Lisbon treaty, the so-called divorce article, which was triggered by the conservative Government last March.

Therefore Hard-Brexit means leaving without an agreement – or „transition deal“ as it is usually called – on future relations between the United Kingdom and the EU. There are those, mostly Soft-Brexiteers and Remainers, who think leaving the EU, the single market and the European Union Customs Union all at once will be a complete catastrophe for British business and its exports into the EU. They are not totally wrong, because there would obviously be a period of confusion about what rules British enterprises have to follow with while exporting goods and services to the continent. The City of London is especially scared about losing market share and jobs to Frankfurt or Paris. It would not be enough for British financial market regulations to be the same as in the EU, they’d have to be officially accepted as equivalent. British goods and services would have to pass a compliance test twice: first in Britain and then, because of the lack of a conformity agreement with Brussels, once more in the EU. And there’s another problem: During the two year grace period, the European treaties not allow Britain to negotiate bilateral free trade agreements with third-party countries like the US, Canada or Switzerland. British business is therefore threatened by a „gap“ between membership in the EU and a self-made global trade policy after leaving it.

For Hard-Brexiteers, and there are quite a few in the Prime Ministers own party, this is all just fear mongering to force Britain into a deal that does not suit British interests and honouring the vote of last June. They usually say that these arguments are from the same „experts“ who predicted a catastrophic downturn of the British economy after the referendum, and were wrong. They refer to the fact that a lot of countries from outside the EU are exporting their goods and services into the EU anyway – think of China or the US. On the other hand a lot of industries from the continent sell their products to Britain, for example the German car industry, which is traditionally important for German economy and has direct ties to politics. After Brexit, Britain will be the most important external destination for EU-goods. The financial market in the City is important for EU-members and its enterprises as well. As Hard-Brexiteers point out, neither the EU nor Britain are in favor of a divorce without any deal.

Besides that quite reasonable hope, no deal would not mean complete chaos. The basic rules of such relations without a transition deal would be the law of the World Trade Organization (WTO). In the EU there is an average maximum tariff of 4,8% – not enough to threaten British businesses as the Soft-Brexiteers say. WTO-rules were not established when the Customs Union was established in 1968 and the single market came into being in 1993. WTO includes all the advantages of both, but on a global scale. Different conformity tests have always been necessary to export globally. So there wouldn’t be a bottom-less „gap“ but probably a small one. And last but by no means least for the Brexiteers: leaving without a deal would mean getting rid of the European Court of Justice and its foreign judges and of free immigration for EU-Citizens, thus the true will of the British people. Recent plans of the British Government suggest that this is very important for them.

Hard-Brexiteers see the future of British business not on the continent but in the whole world. That’s an attractive approach. It’s true that the single market is not a free-trade heaven. Its rules do make British enterprises globally less competitive. Not being a part of any of the EU-related bodies would allow the Brits to make their own deals and foster the multilateral approach through WTO. Some Hard-Brexiteers even dream of a totally new tariff policy with fever to no tariffs for incoming foods and other essential goods. This would lead to falling prices from which most people, especially the ones with low income, would benefit. But there are serious doubts that a conservative government is able – or even willing – to bring something like that through parliament, especially not after the general election, that made the Prime Minister dependent on the Democratic Ulster Party and its Members of Parliament, a small conservative party widely supported by farmers of Northern Ireland.

Will Prime Minister Theresa May really risk a Hard-Brexit and the status quo of the many but stable regulated relations with the EU? The last documents published by Her Majesty’s Government indicate a certain kind of compromise on the British side, at least about issues that were not that important during the referendum campaign such as the British-Irish border. Let’s not forget: Talking about a Hard-Brexit could also be a good negotiating tactic for Prime minister Theresa May and her Brexit minister David Davies, because no transition deal would mean at the very least no further money for the EU after 2019. That would tear a huge hole in the EU-Budget. In the first negotiation rounds there were figures of 30 to 60 billion euros as a divorce bill on the table. Without that money the EU would have some serious problems, because the coffers are empty.

Even Hard-Brexiteers admit that leaving without any deal is the „second-best option“. But article 50 has a small exit door: the European council and the UK can decide to extend the grace period – if they both agree. And there are more and more Hard-Brexiteers openly admitting that there will be such a „transition-period” of further negotiations.

For its supporters a Hard-Brexit might not be a bird in the hand, to stay with this picture from part 1, but the hope of getting one later and the guarantee of getting two birds already singing in the bush. (Picture: Davide D’Amico / flickr.com, Creative Commons, unchanged)

The other parts of this article:
Part 1: Soft Brexit
Part 3: Meaning for Switzerland

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Union Jack
While negotiations have started between Her Majesty’s Government and the European commission on how Britain leaves the EU, it has become clearer and clearer that there are two ways to get out, the soft way and the hard way.

The so called „Soft-Brexit“ had long been a formula for remainers to rescind the vote of last June. That has changed since the only true remainers, the Lib-Dems and the Scottish nationalists fell flat in the general election, even harder than the Conservatives, while Labour has remained at least ambiguous about Brexit.

Soft-Brexit now means leaving the EU but keeping access to the single market on the continent and staying within the European Customs Union. The easiest way to achieve this would be with a membership of Britain in the European Economic Area (EEA) through the European Free Trade Association (EFTA). EFTA is the organization which Great Britain helped to found 1960 as a European body for free trade without politics of the then European Community (EC). Thirteen years later the British turned their backs on their free-trade friends on the continent and joined the EC, who became the EU in 1992. There’s some irony that the Brits might need to return to EFTA 45 years after they left it for the EC, something supposedly to be better, but now unwanted. This would be the easiest way to leave the EU within the two years grace period fixed in the european treaty (Article 50) – which already ends in March 2019.

And there would be some economic advantages too. Since 1992 the EU and EFTA together form the European Economic Area (EEA), the largest economic free-trade area in the world, where almost 400 million people in 31 countries live and work, and where around a third of global GDP is produced. Being part of the EEA would mean the same access to the European single market for British businesses as now, because of the three principles based in the EEA-Agreement of freedom of the movement of capital, goods and services. By entering the EEA through EFTA, Britain would be able to leave the jurisdiction of the European Court of Justice (ECJ), a main argument of the Brexiteers, but become accountable to the EFTA-Court, the second pillar of the legal structure of the EEA. The EFTA-Court has an equal footing with the ECJ, but is composed of judges of the EFTA-Members who joined the EEA. That would mean a foreign court for the Brits, but one with a British judge. Koen Lenaerts, former President of the ECJ said last week in an interview that would be the best solution for both Great Britain and the EU. But there is a huge however: being a member of EFTA and the EEA means accepting the fourth principle of the single market, the freedom of movement of persons. This implies free immigration to the UK for all other members of the EEA – and that’s the opposite of what most Brexiteers wanted last year when they voted to leave.

But Great Britain back in the EFTA would strengthen the organization and its idea of free trade in Europe without further centralization and help discussions on which principles are really necessary for trade – and which are not. A paper of Brueghel, a well known think tank based in Brussels, noted last year that while the first three freedoms of movement of goods, services and capital are necessary for free trade, free migration is not. It proposed a new institutional framework for Europe instead. There should be a „continental partnership“ around the EU, argued the paper, where only the necessary rules for free trade would apply. While the paper, signed by high ranking personalities in Germany and France was officially ignored within the EU, it was widely read through administrations in Europe. The absurdity of the EEA right now is the fact that the three necessary freedoms for free trade are still not fully implemented in the single market, while the freedom of movement of persons has been implemented completely and has caused problems not just in Great Britain.

So the EEA could become a short term solution for Brexit while the EEA without free migration would be long-term paradise, not just for Soft-Brexiteers. Soft-Brexit could therefore be one bird in the hand – and two in the bush. (Picture: Davide D’Amico / flickr.com, Creative Commons, unchanged)

Preview on the further parts of this article:
Part 2: Hard Brexit
Part 3: Meaning for Switzerland

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Kuppel Bundeshaus Bern
In einer direkten Demokratie wird vor einer Abstimmung mit Argumenten das Für und Wider eines Volksbegehrens diskutiert. Die Erfahrungen mit diesem Instrument in der Schweiz sind gut. Ob Erbschaftssteuer, Mindestlohn, sechs Wochen Ferien oder hohe Energiesteuern: Von ein paar seltenen Ausnahmen abgesehen, obsiegt die vernünftige und wirtschaftsfreundliche Haltung über utopische, teure Anliegen, die den Wirtschaftsstandort Schweiz und den Wohlstand aller gefährden. Im Ausland staunt man regelmässig über die Vernunft der hiesigen Stimmbürger.

Es ist diese direkte Demokratie, ­ die die Schweiz im 20. Jahrhundert davor bewahrt hat, wirtschaftsfeindliche Politik und überhöhte Steuerlast zu akzeptieren. Dank diesem Instrument haben wir weniger Regulierung und mehr unternehmerische Freiheit als unsere Nachbarn. Es ist dieses System, das die Politiker und ihre Macht begrenzt.

Beim Wirtschaftsdachverband ­Economiesuisse hat man nach ein paar schmerzlichen Niederlagen das Vertrauen in die Stimmbürger ­offensichtlich verloren. Statt einer moderaten Initiative zuzustimmen, die Volksentscheiden wieder mehr Nachachtung verschaffen will, ­verteidigt der Verband den Status quo. Da hat offensichtlich jemand Angst vor der demokratischen Auseinandersetzung.

Das Verhältnis zwischen Völkerrecht und Landesrecht wurde in der ­Totalrevision der Bundesverfassung bewusst offengelassen. Jetzt gibt es einen Vorschlag von der SVP, wie das Verhältnis zu klären sei. Wer damit nicht einverstanden ist, der muss einen Gegenvorschlag präsentieren. Wer darauf verzichtet, der befürwortet, dass Bundesrat, Verwaltung, ­Parlament und Bundesgericht das internationale Völkerrecht vorrangig behandeln und im Zweifel einem Volksentscheid vorziehen.

Dann ist aber der regelmässige Gang an die Urnen nicht mehr Ausdruck der Selbstbestimmung der Bürger dieses Landes, sondern nur noch ­Folklore. Dann wird vor Abstimmungen nicht mehr mit Argumenten gekämpft, denn auf das Resultat kommt es gar nicht mehr an. Wir ­dürfen zwar noch abstimmen, aber eine Wirkung hat das nur, wenn das Ergebnis dem Völkerrecht entspricht.

Das ist die offenbar wieder salon­fähige Arroganz der Mächtigen, die Entfremdung von Politik und ­Wirtschaft von den Bürgern – und die Brutstätte für Politikverdrossenheit und Frust gegenüber «denen da oben», die sowieso machen, was sie wollen. Das ist ein viel grösseres Risiko für die Wirtschaft als ab und zu eine Niederlage an der Urne. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 07.04.17, Foto: Martin Abegglen / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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«Sobald die Politik zum Tauziehen um Anteile am Volkseinkommenskuchen wird, ist rechtschaffenes Regieren nicht mehr möglich», schrieb Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek Ende der Siebzigerjahre. Seit 2015 haben die drei bürgerlichen Parteien eine erdrückende Mehrheit in beiden Kammern. Die erste Hälfte dieser Legislatur des Parlaments ist noch nicht vorüber, aber was Hayek festgehalten hat, scheint bittere Realität.

Ob Unternehmenssteuerreform, Altersvorsorge oder Energiestrategie: Es geht bei den grossen Reformprojekten vor allem darum, jene zu bedienen, die möglicherweise etwas gegen eine Reform einzuwenden haben – auf Kosten aller anderen. Das Parlament verabschiedet nur noch Geschäfte, wenn es Milliarden an Steuergeldern verteilt. Das nennt man dann «Politik des Machbaren» oder der «kleinste gemeinsame Nenner». Alles andere, so heisst es, sei spätestens an der Urne chancenlos. Und niemand stellt die Frage, wie Altersvorsorge, Energiepolitik und Unternehmenssteuern aus- sehen müssten, wenn wir noch keine hätten.

Der «kleinste gemeinsame Nenner» ist immer der Kompromiss mit dem höchsten Preis. Sowohl die Energiestrategie wie die Altersvorsorge werden uns Milliarden kosten, die abgelehnte Unternehmenssteuerreform ebenfalls. Es gibt so etwas wie eine «Koaliton für den Status quo», eine Mehrheit die möglichst wenig ändern will, dafür mit Geld bestehende Probleme zudeckt und in die Zukunft vertagt. Das erinnert fatal an die EU, wo ebenfalls mit Milliarden Zeit gekauft wird, damit längst bekannte Systemfehler nicht benannt und schon gar nicht behoben werden müssen.

Bei der Altersvorsorge wäre das die seit 25 Jahren bekannte Tatsache, dass wir alle länger und gesünder leben – und dass deshalb das Umlageverfahren in der ersten Säule, der AHV, nicht mehr funktioniert. Auf einen Rentner kommen immer weniger Arbeitnehmer. Bereits jetzt schreibt die Umlage in der AHV jedes Jahr elf Milliarden Franken Verlust. Mit Mehrwertsteuern und Lohnprozenten soll nun bei der aktiven Bevölkerung Geld aus dem Portemonnaie geholt werden, damit nicht über das Rentenalter geredet werden muss. Obwohl alle, auch die Sozialdemokraten inklusive ihr Bundesrat Alain Berset eigentlich wissen, dass genau darüber geredet werden müsste. Ansonsten ist die AHV nur noch ein Schenkkreis: wer drin ist, lebt auf Kosten jener, die erst reinkommen.

Bei der Energiestrategie 2050 ginge es um die Frage, wie sicher die Energie- und besonders die Stromversorgung in Zukunft sein soll. Dies angesichts der Tatsache, dass unsere Nachbarländer bald schon mit Produktions- und Lieferschwierigkeiten rechnen – und uns dann kaum noch so mit Strom versorgen, wie wir uns das heute gewohnt sind. Genau darauf hat die Energiestrategie jedoch keine Antwort, sondern sie setzt auf Subventionen und Steuererleichterungen für Stromkonzerne, Hausbesitzer, Bauern und Aufträge für Gewerbler – auf Kosten der Stromkonsumenten und vor allem der Mieter. Die Versorgungssicherheit hängt dann von künftigen Importen von Kohle-, Gas- oder Atomstrom ab oder von Gaskraftwerken im Inland, beides Möglichkeiten, die eigentlich niemand gut findet.

Bei der Unternehmenssteuerreform ginge es doch eigentlich nicht um Regeln von OECD und EU, sondern um die Frage, wer tatsächlich Unternehmenssteuern bezahlt. Es sind die Mitarbeitenden und die Aktionäre, unter anderem die Pensionskassen. Darum sind Unternehmenssteuern nicht nur schädlich für den Standort Schweiz und dessen Innovationsfähigkeit, sondern auch direkt für unsere Portemonnaies. Wir sollten ganz auf sie verzichten. Wenn ein Unternehmen staatliche Leistungen benötigt, soll es sie verursachergerecht einkaufen. Eine Schweiz ohne Unternehmenssteuern würde gegen keine internationalen Regeln verstossen und wäre global wettbewerbsfähig.

Der absolutistische Staat, der Leviathan, masst sich an, immer tiefer in gesellschaftliche Fragen vorzudringen, mit denen er heillos überfordert ist und die er erfolgreicher der zwangsfreien Koordination der Menschen überlassen sollte. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 25.03.17,

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Waffenrecht Menschenrecht
Beim verschärften EU-Waffenrecht geht es um etwas Grundsätzliches, nämlich um den Zusammenhang zwischen Freiheit und dem Recht auf Selbstbewaffnung. Wer die Einschränkung des Waffenbesitzes nur als Eingriff in die Freiheit von Sportschützen, Jägern und Waffensammlern deutet, verkennt, dass das Recht, eine persönliche Waffe zu besitzen, zu den fundamentalen Rechten freier Menschen gehört.
Wer die Option verliert, sich gegen Gewalt mit Gegengewalt persönlich zu wehren, wird zum wehrlosen Opfer jener, die verbotenerweise Waffen besitzen und jener, die das Monopol des Waffentragens beanspruchen. Eine politische Führung, die ihrer Bevölkerung traut, braucht diese nicht zu entwaffnen. Das allgemeine Recht unbescholtener Bürger und Bürgerinnen, eine Waffe zu besitzen, ist ein Vertrauensbeweis der politischen Führung in die Bevölkerung, und die Entwaffnung durch Einführung einer kontrollierten Bewilligungspflicht ist ein Zeichen der Angst der Regierungen vor ihrer Bürgerschaft.

Dezentralisierung von Gewalt
Allgemeiner Waffenbesitz führt zu einer Dezentralisierung von Gewalt und beschränkt die Macht derjenigen, die aufgrund von politischer Herrschaft bewaffnete Macht gegen Unbewaffnete mobilisieren können. Die Selbstbewaffnung des Nährstandes, d.h. der Bauern und Bürger hat in der Schweiz die Entstehung eines Wehrstandes, d.h. eines Adels mit Bewaffnungsmonopol verhindert. Sie ist ein wichtiger Ursprung einer freien, eigenständigen Schweiz. Die Vernichtung der Juden in Deutschland hat mit einem Verbot des Waffenbesitzes für Juden begonnen. Das sind alles nicht einfach historische Reminiszenzen, Symbole und Traditionen, sondern Zusammenhänge, die für die Freiheit und das Recht, sich auch als freie Person notfalls gewaltsam wehren zu dürfen, fundamental sind. Es ist auch falsch, wenn sich Schützen als Schützen und Jäger als Jäger gegen die jene schleichende Entwaffnung wehren, die mit einer amtlichen Bewilligungspflicht beginnt. Wer sich gegen die gewaltsame Entwaffnung wehrt, sollte dies als freier Mensch im Interesse aller freien Menschen tun. Ich werde mir meine persönliche Waffe nur gewaltsam enteignen lassen, auch wenn ich weder Jäger noch Sportschütze bin.

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Swiss Flag Schweizer Flagge
Gestern diskutierte der Bundesrat das fast zu Ende beratene Rahmenabkommen mit der EU. Gewisse technische Details waren in den letzten Wochen noch offen, sind nun aber offenbar bereinigt. Der Bundesrat will mit dem Abkommen vorwärtsmachen und die Eingliederung der Schweiz in die EU vorantreiben.

Eingliederung – darum geht es im Rahmen­abkommen mit der EU. Die Schweiz soll der EU zugestehen, dass viele, vermutlich mehr als die Hälfte der Gesetze in Zukunft nicht mehr in Bern (oder den kantonalen Parlamenten) gemacht werden, sondern in Brüssel und in Strassburg von der EU – von Leuten, die wir nie gewählt haben und die wir auch nicht abwählen können. Egal wie die technischen Finessen aussehen: Das Rahmenabkommen ist ein Angriff auf die Institutionen dieses Landes und die Demokratie.

Was hält denn die Willensnation im Innern zusammen? Warum sind Deutschschweizer nicht Deutsche, Romands nicht Franzosen und Tessiner nicht Italiener? Es gibt nur zwei stichhaltige Gründe, die uns vereinen. Wir wissen, dass wir in der Schweiz mehr persönliche Freiheit und mehr politische Mitbestimmung haben, als wenn wir Deutsche, Franzosen oder Italiener wären.

Genau dies setzt der Bundesrat mit einem Rahmenabkommen aufs Spiel. Wenn die EU für uns alle auf dem Binnenmarkt geltende Gesetze von Eierwaschanlagen bis zu Staubsaugernormen erlässt, ist die persönliche Freiheit jedes Einzelnen nicht mehr grösser als jene der Deutschen, Franzosen oder Italiener. Auch der Wettbewerbsvorteil unserer Wirtschaft auf den Weltmärkten ist dahin. Und wenn die politische Mitbestimmung in Form der direkten Demokratie keine Wirkung mehr hat, verliert politische Mitbestimmung an Wert.

Beides ist Teil des Rahmenabkommens. Weil die EU im Binnenmarkt nicht einen Markt der Freiheit, sondern ein Projekt der Regulierung bis in die kleinsten Bereiche des Lebens sieht, geht der heutige Freiheitsvorsprung der Schweiz verloren. Zweitens steht jeder Widerstand gegen diese Einbusse an Freiheit durch von uns weder gewählte noch uns verantwortlichen Politikern unter der Erpressung, dass die EU sämtliche Abkommen mit der Schweiz sistieren könnte. Referenden und Initiativen würde es weiterhin geben, aber nur über nebensächliche Angelegenheiten. Wenn aber die beiden Gründe für die Existenz der Schweiz wegfallen, braucht es die Schweiz nicht mehr.

Die Schweizerische Eidgenossenschaft – dieses eigentümliche Konstrukt für diese Willensnation – ist ein Bundesstaat von Kantonen. Die Kantone sind 1848 mehr oder weniger freiwillig diesem Bundesstaat beigetreten. In einigen Kantonen hat man bei der Abstimmung die Nichtstimmenden flugs zu den Ja-Stimmen gezählt. Die Kantone haben sich zusammengetan, um ihre Freiheitsrechte und ihre Demokratie besser zu schützen.

Wenn nun aber diese Willensnation wegen dem Rahmenabkommen mit der EU diesen Existenzgrund nicht mehr hat, dann müssen die Kantone auch darüber entscheiden dürfen, aus der Eidgenossenschaft auszutreten. Der Bundesrat sollte zusammen mit dem Rahmenabkommen den Kantonen die Frage unterbreiten, ob sie bei dieser Eidgenossenschaft bleiben wollen, wenn sich diese einem grösseren Ganzen unterwirft, oder nicht. Die Nichtstimmenden müsste man – mindestens fairerweise – zum Lager jener zählen, die sich für mehr Freiheit und Demokratie, also die Abspaltung von der Schweiz aussprächen. Ein Horrorszenario? Mitnichten. Die Kantone haben Souveränitätsrechte 1848 an den Bund abgegeben. Wenn sie diese wieder zurückhaben wollen, dann sollen sie diese zurückerhalten. Kleinstaaten sind sowieso erfolgreicher.

Die Abstimmung über ein solches Unterwerfungs-Abkommen wird sowieso schwierig. SP-­Nationalrat und alt Bundesrat Max Weber sagte schon vor 50 Jahren in einer geheimen Arbeitsgruppe des Bundes über die EWG, den Vorläufer der EU: «Ein Verzicht auf gewisse Souveränitätsrechte zugunsten Brüssels – oder auch der blosse Nachvollzug ohne Alternative – werden am Widerstand des Volkes scheitern.» (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 18.03.17, Foto: tylernol / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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EU Flagge
Sie ist wieder da, die Frage, welchen Nutzen die bilateralen Verträge mit der EU für die Schweiz tatsächlich haben. In den letzten zwei Jahren erschienen zahlreiche Studien, welche den Wert irgendwie beziffern wollten, aber entweder nur einen geringen Nutzen feststellten oder dann wissenschaftlich fragwürdig waren. Selbst die vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse im letzten Sommer zur Beendigung der Diskussion erstellte Untersuchung kam zum Schluss, dass der Nutzen pro Kopf irgendwo zwischen null und 4400 Franken pro Jahr liegen. Die Kosten der Verträge, insbesondere der Personenfreizügigkeit in Form von Ausgaben für Strassen und Schienen, Schulen und Sozialversicherungen, wurden hingegen noch gar nie untersucht. Bei diesen ist allerdings klar, dass sie viel höher sind als null.

Jetzt liegt eine Studie (PDF) der Universität St. Gallen vor, die zeigt, wie die EU trotz vollmundigem Bekenntnis zum freien Handel der Schweiz schadet, wie Radio SRF berichtete. Seit 2008 hat die EU oder ihre Mitgliedsländer 200 Entscheide gefällt, welche die Schweizer Wirtschaft behindern. Dabei handelt es sich vor allem um Subventionen an ­marode EU-Unternehmen, welche den Wettbewerb verzerren. Die meisten derartigen Handelshemmnisse treffen ausgerechnet die gros­sen Nachbarn der Schweiz: Deutschland, Frankreich und Italien. Die Studie hält fest, dass derartige Entscheide in den letzten Jahren zugenommen haben – und dass uns die bilateralen Verträge nicht davor schützen können. Die Folge: Einer von sieben Schweizer Franken aus dem Export in die EU geht wegen der schädlichen EU-Massnahmen verloren, insgesamt 17 Milliarden Franken pro Jahr.

Das heisst: Der EU-Binnenmarkt – hochgelobt von Economiesuisse – ist ein orwellscher Etikettenschwindel. Er ist kein freier Markt der unternehmerischen Entfaltung und des Wettbewerbs, sondern ein regulierungspolitisches Projekt, mit dem Drittländer wie die Schweiz unter die politische Hohheit der EU halb gelockt, halb gezwungen werden sollen.

Niemand muss da mitmachen, um in die EU exportieren zu können. Ausserhalb hätten wir die Freiheit, Gegenmassnahmen zu ergreifen. Die Briten haben das begriffen und verabschieden sich. Wann tun wir es ihnen gleich? (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 07.03.17, Bild: Theophilos Papadopoulos / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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