Bundesrätin Simonetta Sommaruga
Vor etwas mehr als einem Jahr – mit dem Wahlkampf von Donald Trump – hat das Gejammer über das «postfaktische Zeitalter» und «Fake News» begonnen, in dem wir angeblich leben und welches irgendwie die ganze westliche Zivilisation gefährde. Nur: Ob blanke Unwahrheit oder bloss die nicht ganz volle Wahrheit – «fake» regiert die Welt schon seit jeher – ganz besonders die Politik. Denn hier kommt das Gewaltmonopol hinzu und damit – zumindest für die Regierenden – die Macht, der eigenen Unwahrheit zum Durchbruch zu verhelfen. Das ist einer der Gründe, weshalb für eine bessere, menschlichere Welt die Macht der Regierenden zurückgebunden werden muss.

Das ist auch in der realexistierenden Schweiz nicht anders. Am Mittwoch winkte der (auf dem Papier) bürgerliche Bundesrat einen Eingriff in den Arbeitsmarkt durch, wie ihn die Schweiz noch nie gesehen hat. Dem Vernehmen nach konnten die beiden Sozialdemokraten auf die Unterstützung von Doris Leuthard von der CVP und Didier Burkhalter von der FDP zählen.

Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern sollen verpflichtet werden, ihre Saläre hinsichtlich Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern zu analysieren. Diese müssen dann noch von einer externen Stelle überprüft werden. Anschliessend soll das Resultat veröffentlicht werden. Das bedeutet gemäss Justizministerin Simonetta Sommaruga (SP) die Analyse und Prüfung von 2,7 Millionen Löhnen in der Schweiz.

Wozu diese Bürokratie? Sommaruga wies darauf hin, dass Frauen wegen ihres Geschlechtes 7,4 Prozent weniger verdienen würden als Männer. «Das ist der unerklärbare Teil des Lohnunterschieds, er macht im Durchschnitt 7000 Franken aus pro Jahr», so die Bundesrätin vor den Medien. Um diesen Betrag würden die Frauen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert.

Das Problem dieser Aussage ist, dass sie erstens nicht stimmt und zweitens, dass Simonetta Sommaruga das eigentlich wissen müsste. Sie selber war es, die vor zwei Jahren eine Studie machen liess, um die statistischen Methoden in Sachen Lohngleichheit zu überprüfen. Der Bund erfasst gemäss Auskunft des Bundesamtes für Statistik nämlich nur «Alter, Geschlecht, Aufenthaltskategorie, Zivilstand, Ausbildung, Hochschultitel (sofern vorhanden) und Eintritt in das Unternehmen». Dass der mit diesen Merkmalen nicht erklärbare Lohnunterschied sieben Prozent beträgt, überrascht deshalb nicht.

Der Zürcher Ständerat Ruedi Noser (FDP) regte 2014 in einem Postulat die Überprüfung von acht weiteren lohnrelevanten Faktoren an, mit denen die sieben Prozent Lohnunterschied vielleicht zu erklären seien, darunter Sprachkenntnisse, Weiterbildungen und tatsächliche Berufs- oder Führungserfahrung.

Die von Simonetta Sommaruga in der Folge bestellte Studie hielt 2015 fest, dass vier der acht vorgeschlagenen zusätzlichen Merkmale ein hohes oder sehr hohes Potenzial hätten, die sieben Prozent Lohnunterschied zu erklären. Wenn man diese Merkmale weglasse, werde die Lohndiskriminierung jedoch «überschätzt». Folgerichtig findet sich in der Studie der Killer-Satz für die Behauptungen der Justizministerin: «Den unerklärten Anteil der Lohndifferenz rein als Lohndiskriminierung zu interpretieren, ist auf Basis einer statistischen Analyse nicht möglich.» Aber von Fakten lässt sich Sommaruga offensichtlich nicht beeindrucken.

Die Frauen hätten das Recht darauf, aufgrund ihrer Kompetenzen, ihrer Erfahrung und ihrer Leistung entlöhnt zu werden, fasste die Bundesrätin zusammen. Und die Öffentlichkeit hat das Recht darauf, dass der Lohnunterschied wissenschaftlich und nicht bloss holzschnittartig gemessen wird, bevor Gesetze erlassen werden. Alles andere ist «postfaktische» Politik.

Wozu aber nun die Bürokratie? Die Überprüfung von 2,7 Millionen Löhnen durch eine externe Stelle schafft Aufträge. Sommaruga erwähnte beiläufig, dies könne auch durch «Arbeitnehmervertreter» geschehen. Es geht also um neue Einnahmen für die Gewerkschaften. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 08.07.17, Foto: UN Geneva / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Frau auf Treppenaufzug
Der Bundesrat hält trotz weitgehender Ablehnung in der Vernehmlassung an Frauenquoten in Verwaltungsräten von grossen und an der Börse gehandelten Unternehmen fest. Das Anliegen hat im ­Parlament (zum Glück) keine Chance, es geht den Staat nichts an, wie sich Private organisieren. Der Bundesrat hält an seiner bereits ge­­äusserten Meinung fest und schreitet sehenden Auges in die ­Niederlage. Das Gesicht der mit dem Dossier betrauten SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga zu wahren, scheint wichtiger, als auf die Stimmen aus betroffenen Kreisen zu hören.

Der Entscheid lässt tief in das Innere des Bundesrates blicken. Das Parlament ist vor mehr als einem Jahr nach rechts gerutscht. Der Bundesrat bleibt – obwohl auf dem Papier ­mehrheitlich bürgerlich – stramm auf Mitte-links-Kurs. Daran hat auch der zweite Bundesratssitz für die SVP nichts geändert. Statt fünf gegen zwei Stimmen lautet es jetzt einfach vier gegen drei. Didier Burkhalter und Doris Leuthard (mindestens wenn es irgendwie um Frauen geht) bleiben offenbar fest von den sozialdemokratischen Bundesräten abhängig. Man spuckt den Kollegen, die man für seine eigenen Vorlagen braucht, nicht in die Suppe. Statt um die beste Lösung gestritten, wird noch immer lieber durchgewunken. Das zeigt sich insbesondere in ­Burkhalters Europapolitik oder in Leuthards Energiepolitik. So war das ­Kollegialitätsprinzip eigentlich nicht gedacht.

Der Entscheid ist aber auch ein unverhohlenes Signal an das Parlament. Statt sich den neuen, demokratisch erst gerade legitimierten Mehrheitsverhältnissen anzupassen, ist es dem Bundesrat quasi egal, wer unter ihm Parlament spielt. Man rasselt lieber in die Niederlage, als dass man die Meinung gut-eidgenössisch an die neuen Mehrheitsverhältnisse (und die Parteien, denen man angehört) anpasst. Eigentlich ist es aber gerade umgekehrt: Das ­Parlament hat die Oberaufsicht über den Bundesrat und die Bundes­verwaltung. Und Vernehmlassungen ­werden durchgeführt, um mehrheitsfähige Vorlagen zu verabschieden. Mit ihrem Verzicht auf einen Kurswechsel im Bundesrat ermöglichen es die auf dem Papier bürgerlichen Bundesräte von CVP und FDP der SP einmal mehr, sich für ein Anliegen ihrer Klientel in Szene zu setzen und nach der absehbaren Ablehnung in beiden Räten mit gespielter Empörung auf die ­«Rechten» zu zeigen, die angeblich nichts von Gleichstellung und insbesondere von Frauen in Verwaltungsräten wissen wollen. Der Bundesrat bleibt ein Steigbügelhalter der Linken, der Bevormunder und Überregulierer. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 24.11.16, Bild: miriampastor / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Bundesrätin Simonetta Sommaruga
Für Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga darf nicht sein, was nicht in ihr Weltbild passt. Da schreibt die von ihr selber zur Überprüfung der statistischen Erhebung der Lohndiskriminierung angeforderte Studie ausdrücklich, dass es zusätzliche heute nicht erfasste Eigenschaften von Angestellten gebe, welche die mit der heutigen Methode verbleibende Lohndifferenz von 8,7 Prozent zwischen Frauen und Männern erklären könnten. Die Studie listet sogar acht davon auf und sagt, bei vier davon sei das zusätzliche Erklärungspotenzial gemäss der wissenschaftlichen Literatur «hoch» oder «sehr hoch».

Es geht um für jedermann unzweifelhaft lohnrelevante Kriterien wie effektive Berufserfahrung, Führungserfahrung, Sprachkenntnisse, Jobwechsel im persönlichen Lebenslauf oder Weiterbildungen. Schon mit den wenigen heute vorhandenen Variablen lässt sich ein grosser Teil der Lohndifferenz erklären. Es ist also wahrscheinlich, dass mit den zusätzlichen Variablen auch der verbleibende Rest der Lohndifferenz erklärt werden könnte. Die Studie des Bundesrates bestätigt damit, was Praktiker des Personalwesens längst wissen: Die Lohndiskriminierung ist eine wissenschaftlich nicht bewiesene Behauptung. Eine zweite ebenfalls am Mittwoch vom Bundesrat veröffentlichte Studie bringt es auf den Punkt: «Das Ausmass der Lohndiskriminierung kann somit statistisch nicht exakt gemessen werden.» Ob es Lohndiskriminierung tatsächlich gibt, ist unklar. Dass dies in einer vom Bundesrat bestellten Studie steht, macht die Erkenntnis umso wertvoller.

Vor den Medien sagte Sommaruga auf diese Studienergebnisse angesprochen, trotzdem genau das Gegenteil. Die zusätzlichen acht Kriterien würden «keinen erheblichen Zusatznutzen bringen». Die Studie schreibt hingegen: «Ausgehend von der wissenschaftlichen Literatur gäbe es allerdings durchaus noch weitere Variablen, die zusätzliche Lohnunterschiede erklären könnten.»

Durch diese bundesrätliche Studie wird ein jahrzehntelanges Dogma der Linken demontiert und das tut selbstverständlich weh. Ganze Lebensentwürfe von linken Frauen haben sich auf die vermeintliche Lohndiskriminierung abgestützt. Sie haben das Mantra von der nicht verwirklichten Lohngleichheit wie ein Banner vor sich hergetragen. Von der AHV bis zum Militärdienst musste die Behauptung in zahlreichen Politikfeldern als Argument für sozialdemokratische Politik hinhalten. Umso schlimmer ist es, wenn die dem Argument zugrundeliegende Tatsache dahinfällt, weil man es schlicht und einfach nicht weiss.

Die Studienergebnisse verunsicherten Sommaruga nicht im Geringsten. Sie liess trotzdem ein neues Gesetz erarbeiten. Unternehmen ab 50 Mitarbeitenden sollen zu regelmässigen Lohnkontrollen verpflichtet werden. Der zusätzliche Aufwand betrage bloss zwei Arbeitstage pro Unternehmen, sagte Bundesrätin Sommaruga. Das trifft – wiederum gemäss bundesrätlicher Studie – allerdings nur für kleinere Unternehmen zu. Für alle anderen steigt der Aufwand bis zu einer Woche. Wie hoch er dann tatsächlich sein wird: Es ist bürokratischer Aufwand, etwas zu bekämpfen, von dem man nicht einmal weiss, ob es existiert. Dass Simonetta Sommaruga im Bundesrat eine Mehrheit für ihr Anliegen fand, ist symptomatisch für die letzten acht Jahre Mitte-links-Koalition. Linke Bundesräte arbeiteten für ihre Ideologie und alle anderen liessen sie dabei gewähren.

Es gäbe eine wissenschaftlich sauber belegte Diskriminierung der Frauen. Die hohen Grenzsteuersätze in rot-grün regierten Kantonen führen dazu, dass es sich nicht lohnt, wenn Frauen arbeiten. Nach Abzug der Betreuungskosten bleibt nichts mehr vom zusätzlich verdienten Geld übrig. Die Steuerprogression – eine marxistische Erfindung – bestraft jene, die sich im Beruf verwirklichen wollen. Die sozialdemokratische Steuerpolitik bringt Frauen an den Herd. Das liesse sich mit einem maximalen Grenzsteuersatz oder einem fixen Maximalsteuersatz ändern. Dies würde wiederum der sozialdemokratischen Ideologie entgegenstehen. Aber wenn es um die Ideologie geht, müssen Fraueninteressen hintanstehen. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 21.11.15, Foto: UN Geneva / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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High Heels in red
Am Samstag in Bern: einige Tausend Menschen, vor allem Frauen, demonstrieren gegen Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern. Es sollen 12 000 gewesen sein. Doch dafür hätte der Bundesplatz um einiges dichter bevölkert sein müssen, wie jeder mit ein wenig Demo-Erfahrung in Bern bestätigen kann.

Falsch zählen und messen überrascht nicht unbedingt, denn auch das Hauptargument der Frauenbewegten, acht Prozent der Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern seien diskriminierend, kann nur aufrechterhalten werden, wenn falsch gezählt und gemessen wird (es stand in der Basler Zeitung). Bis anhin war ich immer der Meinung, man könne mit den heutigen Daten aus der Lohnstrukturerhebung diese acht Prozent nicht erklären, weil wichtige Eigenschaften fehlten. Ich sagte in Diskussionen «Sorry, wir wissen es einfach noch nicht, ob es Lohndiskriminierung gibt oder nicht.»

Doch jetzt ist klar: Es gibt sie nicht. Die acht Prozent Lohndifferenz sind wissenschaftlich erklärbar: und zwar durch die Körpergrösse. Thomas Gautschi und Dominik Hangartner von der Uni Bern wiesen 2006 nach (PDF), dass nicht nur die Arbeitsproduktivität bei Bewerbern um eine Stelle eine Rolle spielt, sondern auch die Körpergrösse. Diese «Lohnprämie» konnten sie mithilfe von Daten aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2002 (Bundesamt für Statistik) genau berechnen. Sie betragen rund sechs Promille für Männer und knapp fünf Promille für Frauen – pro Zentimeter. Die Schweiz ist für einmal kein Sonderfall: Ähnliche Resultate gibt es aus Studien für die USA und mit Einschränkungen auch für Deutschland. Es funktioniert auch zugunsten grosser Frauen: Sie verdienen mehr als kleine Männer. Als Erklärung dafür wird in der Regel vermutet, dass Körpergrösse Durchsetzungskraft und Erfolg ausstrahlen und das in die Überlegungen zum Lohn miteinfliessen, obwohl dieser Zusammenhang nicht nachgewiesen ist.

Da Männer in der Schweiz durchschnittlich 13 Zentimeter grösser sind als Frauen, verdienen sie 13mal sechs Promille mehr, was ziemlich genau die acht Prozent Lohnunterschied ausmacht, welche die linken Demonstrantinnen als Diskriminierung betrachten.

Die Lösung des Problems liegt auf der Hand, respektive im Schuhgeschäft: Statt eine Lohnpolizei zu fordern, sollten die Frauen beim nächsten Schuhkauf auf die Absatzhöhe achten. 13 Zentimeter oder mehr. Es lohnt sich. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 09.03.15, Foto: Sally Payne /flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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 Infinite Wonder Woman Wunderfrau
«Alle nach Bern!» Heute protestieren die Frauen wieder einmal. Zumindest ist es das Ziel, bei allen anderen diesen Eindruck zu erwecken. Darum haben die linken Organisatoren sich auf eine ­einzige nationale Demonstration in Bern geeinigt und vier Extrazüge bestellt, welche die Frauen ­gratis nach Bern und wieder nach Hause bringen.

Bei der Demonstration geht es um die Lohngleichheit von Frauen und Männern. Zentral dafür ist das Mantra, das seit Jahren zu diesem Thema wiederholt wird. Im «Manifest» zum heutigen Aufmarsch heisst es, dass auch mehr als 30 Jahre nach Annahme des Gleichheitsartikels in Artikel 8 der Bundesverfassung noch immer Frauen weniger Lohn verdienen würden als die Männer. Der Lohnunterschied betrage fast 19 Prozent, davon könne nur rund die Hälfte mit objektiven Kriterien erklärt werden. Der Rest sei tieferer Lohn alleine aufgrund des anderen Geschlechts.

Was als Gewissheit daherkommt, hält sachlicher Prüfung nicht stand. Die Behauptung stützt sich auf eine fünf Jahre alte Studie, die auf Daten beruht, die sieben Jahre alt sind. Die Lohndaten stammen aus der «Lohnstrukturerhebung LSE» des Bundesamtes für Statistik. Sie enthält gemäss Auskunft des Bundesamtes Alter, Geschlecht, Aufenthaltskategorie, Zivilstand, Ausbildung, allfälliger Hochschultitel und den Eintritt in das Unternehmen. Mit diesen Kriterien kann man immerhin die Hälfte des Lohnunterschiedes zwischen Männern und Frauen erklären. Und die andere Hälfte?

Lohnungleichheit ist nicht Lohndiskriminierung. Jeder von uns weiss, dass für den Lohn nicht nur obige Kriterien massgebend sind. Bei Bewerbungen ist ein Lebenslauf einzureichen, der über zahlreiche frühere Stellen und deren Funktion Auskunft gibt. Darum ist das eigentliche Problem der Demonstrantinnen, was in der Erhebung fehlt. Zweifellos lohnrelevante Kriterien wie Sprachkenntnisse, Berufs- und Führungs­erfahrung an der gegenwärtigen und früheren ­Stellen oder Weiter­bildungen sind allesamt nicht in der Erhebung enthalten. Wer also behauptet, der nicht erklärbare Lohnunterschied und damit die «Lohndiskriminierung» betrage neun Prozent, der geht davon aus, dass alle diese Kriterien bei der Entlöhnung keine Rolle spielen. Eine Behauptung die keinem Realitätstest standhält.

Das würde nämlich bedeuten, dass eine Rechtsanwältin, die nach fünf Jahren Pause wieder in den Beruf einsteigt, mehr verdienen müsste als ein gleich erfahrener Kollege, der fünf Jahre jünger ist, weil er keine Pause gemacht hat. Von unterschiedlichen Sprachkenntnissen, Weiterbildungen und Spezialqualifikationen nicht zu reden, die weit grössere Lohnunterschiede als die scheinbar diskriminierenden neun Prozent begründen können. Der Bundesrat sieht dies auch so – ohne es offen zu sagen. Er hat zwei Postulate zur Annahme empfohlen, welche die Lohn­ungleichheit genauer abklären wollen. Die vom Bund einseitig angewandte Analyse ist halb blind. Das ist der Grund, weshalb sich bei den Unternehmen betrachtet kaum Fälle von Diskriminierungen finden lassen. Wären Frauen tatsächlich im Durchschnitt zehn Prozent billiger einzustellen, würden die Unternehmen nur noch nach Frauen suchen.

Das Mantra der Lohndiskriminierung kann man noch oft wiederholen, es wird nicht wahrer. Die Demonstrantinnen sprechen sich trotzdem für Lohnkontrollen aus, wie sie der Bundesrat letzten Herbst im Grundsatz beschlossen hat. Dass viele Unternehmen und teilweise ganze Branchen selber bereits Lohnsysteme haben, die Lohndiskriminierungen erkennen und beheben, interessiert sie nicht. Diese Salärsysteme wären anzuerkennen, wenn es den Demonstrantinnen tatsächlich um die edle Sache der Frauenlöhne ginge.

Doch das ist nicht so: Die Lohngleichheitsdebatte ist ein Vehikel, um den Einfluss des Staates auszuweiten – auf den entscheidenden Punkt eines funktionierenden Arbeitsmarktes: die freie Übereinkunft von Arbeitnehmer und Arbeitgeber über ihren Lohn. Die Emanzipationsbewegung war ­einmal auf die Befreiung der Frauen angelegt. Die Demonstrantinnen von heute haben es auf die staatliche Bevormundung abgesehen – ein Hohn für jede selbstbewusste Frau. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 07.03.15, Foto: JD Hancock / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Unterschiedliche Interessen und Neigungen sind natürlich
Es ist banal und tagtäglich erfahrbare Wirklichkeit: Frauen und Männer sind anders. Und sie sind es von Anfang an. Wer Kinder hat, weiss, was ich meine. Dazu gibt es längst wissenschaftliche Erkenntnisse. Darum erstaunt es nicht, dass die Geschlechter später unterschie­dliche Neigungen und Interessen entwickeln.

Ein millionenteures Forschungsprogramm des Bundes kommt zu ganz anderen Schlüssen. Die Gesellschaft ist schuld und schafft Ungleichheit. Also muss der Staat Abhilfe schaffen: Sensibilisierung mit staatlichen Kampagnen, geschlechterkorrekten Kindergärten und doktrinärem Lehrplan, flächendeckender Lohnpolizei, mehr Bürokratie für Kinderbetreuung – kurz: Rundumbetreuung durch Vater Staat von der egalitären Wiege bis zur gleichgestellten Bahre. Ob die Massnahmen auch wirken, wurde im Forschungsprogramm nicht untersucht.

Wer in der Tatsache, dass Frauen lieber Pflegerinnen als Ingenieurinnen werden, eine stossende und staatlich zu korrigierende Ungleichheit sieht, verwechselt gleiche Startchancen mit gleichem Ergebnis. Ersteres steht in der Bundesverfassung, Letzteres nicht. Im Gegenteil: Der Preis der absoluten Gleichstellung, wie sie der Gender-Ideologie vorschwebt, wäre die Unfreiheit. Gleichheit im Ergebnis ist nicht Voraussetzung für Freiheit. Sie ist ihr Ende.

Der Zweck der Genderforschung scheint weitaus banaler zu sein: Da der Ansatz die biologischen Ursachen der Unterschiede zwischen Frauen und Männern ausblendet, wird die so durchgeführte Forschung bis in alle Zukunft Ungleichheiten feststellen und die Notwendigkeit für weitere Studien und staatliche Massnahmen rechtfertigen können.

Die Empfehlungen des Forschungsberichtes zielen an den wahren Problemen berufstätiger Frauen und ihrer Partner vorbei. Die entstehen vor allem dort, wo der Staat sich einmischt.

Zum Beispiel bei der steuerlichen Bestrafung von Zweitverdienern. Zusammen mit der künstlich verteuerten Kinderbetreuung bleibt einem doppelt verdienenden Paar kaum mehr etwas Bares übrig. Oder bei den bürokratischen Voraussetzungen für Krippen, die verhindern, dass ausreichend Betreuungsangebote entstehen. Oder bei staatlichen Schulen, deren Angebot mit Hausmüttern statt berufstätigen Frauen rechnet – und die sich mangels freier Schulwahl auch nicht umorientieren müssen. Wahlfreiheit ist die Lösung, nicht das Problem.

Die Verteilung der Hausarbeit ist private Angelegenheit der Partner. Sie ist Gegenstand der Vereinbarung, wie Menschen ihr Leben organisieren. Auch da besteht Wahlfreiheit. Zum Glück noch. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 28.05.14, Foto: Elvin.zilverbat / Flickr.com, Creative commons, unverändert)

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Frauendemo 2012

In der offiziellen Statistik fehlen lohnrelevante Daten

Frauen verdienen fast 20 Prozent weniger als Männer. So vermeldete es am Montag das Bundesamt für Statistik (BfS). Nur die Hälfte dieses Unterschieds sei statistisch erklärbar. Für das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau ist klar: Die restlichen neun Prozent sind eine Diskriminierung. Frauen erhalten für die genau gleiche Arbeit weniger Lohn.

Das würde dem Gesetz widersprechen, denn seit 1981 steht in der Bundesverfassung, dass Frauen und Männer für gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten sollen. Und das Gleichstellungsgesetz von 1996 verbietet jede Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Verstossen die Arbeitgeber dauernd gegen geltendes Gesetz?

Dieser Eindruck wurde am Montag erweckt und von den Medien verbreitet. Am Dienstag legten beispielsweise die FDP-Frauen nach: Sie sprachen von einer «bitteren Pille». Die freiwilligen Massnahmen hätten nichts gefruchtet. Die NZZ schrieb am Mittwoch, die Lohnstrukturerhebung sei «Rückenwind für Forderung nach Lohnpolizei». Im Nationalrat ist eine parlamentarische Initiative aus der CVP hängig, die eine Lohngleichheitskommission mit Durchsetzungskompetenzen fordert.

Methodisch fragwürdig
Wie aber kommt die Feststellung der Lohndiskriminierung zustande? Die Aussage stützt sich einerseits auf Onlinebefragungen zu Löhnen, die methodisch fragwürdig sind, weil sie nicht auf einer zufällig ausgewählten Stichprobe und auf einer geringen Fallzahl beruhen. Das Bundesamt für Statistik geht andererseits viel umfassender vor. Es befragt alle zwei Jahre rund 33 000 Unternehmen und umfasst damit 1,2 Millionen Arbeitnehmer. Damit enthält es einen auch bei spezialisierten Berufen repräsentativen Überblick über die Lohnsituation. Von jedem Arbeitsverhältnis werden Alter, Geschlecht, Aufenthaltskategorie, Zivilstand, Ausbildung, Hochschultitel (sofern vorhanden) und Eintritt in das Unternehmen erhoben. Und mit diesen Kennzahlen kann die Hälfte des Lohnunterschieds erklärt werden. Doch das BfS sagt auf Anfrage der BaZ auch, dass nicht alles, was nicht erklärbar sei, auch diskriminierend sein müsse. Konsequenterweise schreibt das Bundesamt weder in der Medienmitteilung noch in den Zusatzinformationen etwas von Diskriminierung. Was man nicht sicher weiss, kann man nicht behaupten.

Fehlende Faktoren
Das hat seinen Grund: Keine Aussage macht die Lohnstrukturerhebung des BfS über Weiterbildung, Berufs- oder Führungserfahrung, Sprachkenntnisse, den genauen Standort des Arbeitsplatzes und den Anstellungsgrad in der Berufskarriere. Das sind jedoch zweifellos alles Eigenschaften, die den Lohn um mehr als zehn Prozent nach oben oder unten beeinflussen können. Wenn diese Faktoren aber nicht gemessen werden, können sie zur Erklärung des Lohnunterschieds nicht beigezogen werden. Die Folge ist ein unerklärbarer Lohnunterschied, der aber nicht zwingend etwas mit Diskriminierung zu tun haben muss. In der Datenbasis landet im Extremfall ein Mann, Bankfilialleiter in Basel mit 20 Jahren Berufserfahrung und Führungsverantwortung für zehn Leute, im gleichen Topf wie eine Filialleiterin aus Zwingen, die nach zehn Jahren Babypause wieder eingestiegen ist und zwei Mitarbeiter hat. Dass bei einem solchen Vergleich ein Lohnunterschied besteht, überrascht kaum. Dass es oft Frauen sind, die weniger Erfahrung, Weiterbildung und andere lohnrelevante Faktoren aufweisen, ist ebenfalls nicht überraschend, aber nicht automatisch eine Diskriminierung.

FDP-Nationalrat Ruedi Noser (ZH) sieht sich bestätigt: «Lohndiskriminierung ist eine statistische Erfindung.» Die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer widerspricht. Die Lohnstrukturerhebung sei enorm breit und darum auch präzis und auch juristisch anerkannt. Leutenegger gibt aber auch zu, dass Frauen selber mehr tun müssten: «Frauen geben sich mit zu wenig zufrieden.» Das Eidgenössische Gleichstellungsbüro ging auf die Anfrage der BaZ nicht ein und verwies darauf, die Methode sei «robust» und «international anerkannt». (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 03.05.14, Foto: SGB /USS auf Flickr, CC-Lizenz, unverändert)

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Nationalrätin Jacqueline Fehr
Wie Frauen Frauen auf das Geschlecht reduzieren
Im grossen Schweizer Boulevard-Blatt darf seit einigen Wochen die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr unter dem Titel «Hart aber Fehr» wichtige Frauen befragen, so zum Beispiel Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf oder Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr bei den SBB.

Das bemerkenswerte daran ist nicht nur die Tatsache, dass der «Blick» einer gescheiterten Bundesrats- und Fraktionschefkandidatin im Herbst ihrer Karriere seine Spalten öffnet. Das besondere ist, dass Fehr diese wichtigen Frauen ausschliesslich zu Frauenför­derung, Karriere und Gleichstellung befragt, aber nie zu den interessanten Sachthemen, die in ihren Kompetenz­bereich fallen. So spricht dann Pilloud über ihre Beförderung als Schwangere, aber weder über die Pannenserie bei den SBB, überfüllte Züge, den zu tiefen Preis des GAs oder Billettautomaten, für die man vorgängig eine Ausbildung absolvieren muss (welche die SBB anbieten). Auch so kann man Frauen auf das Geschlecht reduzieren. In Bern wundert man sich parteiübergreifend darüber und fragt sich, ob eine Bundesrätin Fehr genauso konsequent die uninteressanten Themen angepackt hätte. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 05.10.13, Foto: Juso Schweiz / flickr.com)

Richtiger Hinweis von Arthur Grosjean (TdG/24heures) via Twitter: Der Titel ist falsch, Es müsste “Weich und uninteressant” heissen.

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