Frauendemo 2012

In der offiziellen Statistik fehlen lohnrelevante Daten

Frauen verdienen fast 20 Prozent weniger als Männer. So vermeldete es am Montag das Bundesamt für Statistik (BfS). Nur die Hälfte dieses Unterschieds sei statistisch erklärbar. Für das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau ist klar: Die restlichen neun Prozent sind eine Diskriminierung. Frauen erhalten für die genau gleiche Arbeit weniger Lohn.

Das würde dem Gesetz widersprechen, denn seit 1981 steht in der Bundesverfassung, dass Frauen und Männer für gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten sollen. Und das Gleichstellungsgesetz von 1996 verbietet jede Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Verstossen die Arbeitgeber dauernd gegen geltendes Gesetz?

Dieser Eindruck wurde am Montag erweckt und von den Medien verbreitet. Am Dienstag legten beispielsweise die FDP-Frauen nach: Sie sprachen von einer «bitteren Pille». Die freiwilligen Massnahmen hätten nichts gefruchtet. Die NZZ schrieb am Mittwoch, die Lohnstrukturerhebung sei «Rückenwind für Forderung nach Lohnpolizei». Im Nationalrat ist eine parlamentarische Initiative aus der CVP hängig, die eine Lohngleichheitskommission mit Durchsetzungskompetenzen fordert.

Methodisch fragwürdig
Wie aber kommt die Feststellung der Lohndiskriminierung zustande? Die Aussage stützt sich einerseits auf Onlinebefragungen zu Löhnen, die methodisch fragwürdig sind, weil sie nicht auf einer zufällig ausgewählten Stichprobe und auf einer geringen Fallzahl beruhen. Das Bundesamt für Statistik geht andererseits viel umfassender vor. Es befragt alle zwei Jahre rund 33 000 Unternehmen und umfasst damit 1,2 Millionen Arbeitnehmer. Damit enthält es einen auch bei spezialisierten Berufen repräsentativen Überblick über die Lohnsituation. Von jedem Arbeitsverhältnis werden Alter, Geschlecht, Aufenthaltskategorie, Zivilstand, Ausbildung, Hochschultitel (sofern vorhanden) und Eintritt in das Unternehmen erhoben. Und mit diesen Kennzahlen kann die Hälfte des Lohnunterschieds erklärt werden. Doch das BfS sagt auf Anfrage der BaZ auch, dass nicht alles, was nicht erklärbar sei, auch diskriminierend sein müsse. Konsequenterweise schreibt das Bundesamt weder in der Medienmitteilung noch in den Zusatzinformationen etwas von Diskriminierung. Was man nicht sicher weiss, kann man nicht behaupten.

Fehlende Faktoren
Das hat seinen Grund: Keine Aussage macht die Lohnstrukturerhebung des BfS über Weiterbildung, Berufs- oder Führungserfahrung, Sprachkenntnisse, den genauen Standort des Arbeitsplatzes und den Anstellungsgrad in der Berufskarriere. Das sind jedoch zweifellos alles Eigenschaften, die den Lohn um mehr als zehn Prozent nach oben oder unten beeinflussen können. Wenn diese Faktoren aber nicht gemessen werden, können sie zur Erklärung des Lohnunterschieds nicht beigezogen werden. Die Folge ist ein unerklärbarer Lohnunterschied, der aber nicht zwingend etwas mit Diskriminierung zu tun haben muss. In der Datenbasis landet im Extremfall ein Mann, Bankfilialleiter in Basel mit 20 Jahren Berufserfahrung und Führungsverantwortung für zehn Leute, im gleichen Topf wie eine Filialleiterin aus Zwingen, die nach zehn Jahren Babypause wieder eingestiegen ist und zwei Mitarbeiter hat. Dass bei einem solchen Vergleich ein Lohnunterschied besteht, überrascht kaum. Dass es oft Frauen sind, die weniger Erfahrung, Weiterbildung und andere lohnrelevante Faktoren aufweisen, ist ebenfalls nicht überraschend, aber nicht automatisch eine Diskriminierung.

FDP-Nationalrat Ruedi Noser (ZH) sieht sich bestätigt: «Lohndiskriminierung ist eine statistische Erfindung.» Die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer widerspricht. Die Lohnstrukturerhebung sei enorm breit und darum auch präzis und auch juristisch anerkannt. Leutenegger gibt aber auch zu, dass Frauen selber mehr tun müssten: «Frauen geben sich mit zu wenig zufrieden.» Das Eidgenössische Gleichstellungsbüro ging auf die Anfrage der BaZ nicht ein und verwies darauf, die Methode sei «robust» und «international anerkannt». (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 03.05.14, Foto: SGB /USS auf Flickr, CC-Lizenz, unverändert)

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Einreichung Mindestlohninitiative
Zum 1. Mai: Warum weder die Gewerkschaften noch der Staat für alle Arbeiter da sind

Auf die Frage, wer die Arbeitnehmer in der Schweiz schützt, scheint es drei Antworten zu geben: die Gewerkschaften, der Staat oder gar niemand. Alle drei Antworten sind irgendwie richtig, aber alle führen in die Irre.

Dass es nicht die Gewerkschaften sind, zeigt ein Blick in die Geschichte. Es gab nämlich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz keine grossflächige Gewerkschaftsbewegung. Es kann auch nicht der Staat gewesen sein, denn der hielt sich bis zum Ersten Weltkrieg mit Schutzbestimmungen weitgehend zurück. Und es kann auch nicht gar niemand gewesen sein, denn die Schweiz hat im 19. Jahrhundert einen Aufschwung ohnegleichen erlebt, welcher der ganzen Bevölkerung zu­gutekam. Das Land katapultierte sich vom Armenhaus Europas zu einer ­Industrienation. Also alles falsch?

Gewerkschaften sind es nicht
Nein, jede der drei Antworten ist ein wenig richtig. Gewerkschaften schützen zwei Gruppen von Arbeitnehmern. Ihre Mitglieder und ihre Funktionäre. Doch die Zahl der Mitglieder schwindet. Noch rund 15 Prozent der Arbeitnehmer sind organisiert. Und viele sind zudem in ziemlich wirkungslosen ­Gewerkschaften dabei. Wenn sie einen Gewerkschafter fragen, woran sich der Erfolg seiner Organisation messe, dann wird er Lohn und Arbeitsbedingungen nennen. Doch welches sind die wirklich erfolgreichen Gewerkschaften? Es sind die Ärzte, die öffentlichen Angestellten inklusive die Lehrer und es sind die Bauern. Und es ist nicht die Unia. Man mag nun einwenden, dass das keine traditionellen Gewerkschaften seien. Aber alle drei haben das gewerkschaftliche Ziel, die beruflichen Bedingungen ihrer Mitglieder zu verbessern. Und alle haben für ihre Mitglieder enorm viel erreicht.

Sie haben das mithilfe des Staates geschafft: Die Bauern haben Milliarden Franken an Direktzahlungen herausgeholt. Die Ärzte arbeiten als Kartell zu einem fixen Tarif und halten mit ­Numerus clausus und Zulassungsbeschränkungen Konkurrenten fern. Und die Staatsbeamten haben besondere Arbeitsbedingungen und gute Löhne herausgeholt. Das gelingt ihnen besonders einfach, weil sie nicht mit jenen den Lohn aushandeln, die ihn bezahlen. Sie diskutieren mit den Regierungen und nicht mit den Steuerpflichtigen.

Ähnlich stark sind nur noch Berufsverbände, und das hat seinen Grund: Die einzige Möglichkeit, langfristig den Lohn in einer Branche zu erhöhen, ist es, das Angebot an Arbeitskräften zu verringern. Das geschieht vor allem auf zwei Arten: über Zulassungsbeschränkungen zum Beruf und Mindestlöhne. Beides führt dazu, dass «unfaire» Konkurrenz ausbleibt. «Unfair» ist für Ärzte, Lehrer, Bauern und andere automatisch jeder, der die gleiche Arbeit für weniger Geld anbietet. Darum fordern die wenig erfolgreichen Gewerkschaften politische Mindestlöhne in weltweit einmaliger Höhe. Minimallöhne wirken zuerst als Arbeitsverbot für all jene, die ihre Tätigkeit günstiger anbieten.

Das Ganze ist aber ein Nullsummenspiel: Die höheren Löhne in der Wirtschaft und beim Staat müssen von allen anderen bezahlt werden. Die Verdienste der Ärzte, die Subventionen der Bauern und die Preise der abgeschotteten Berufe gehen auf Kosten der Konsumenten. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund selber hat in einem Papier festgehalten, dass die hohen Preise in der Schweiz auf staatliche Regulierung und nicht auf Marktversagen zurückzuführen sind.

Der Staat ist es nicht
Auch der Staat schützt – und zwar seine eigenen Leute. Sie verdienen mehr als alle anderen. 2013 erhielten 99,8 Prozent der Mitarbeiter in der ­Bundesverwaltung eine Lohnerhöhung wegen ihrer Leistung. Ist es tatsächlich gerechtfertigt, dass fast alle jedes Jahr eine Lohnerhöhung verdient haben?

Doch was ist mit den Gesetzen, die der Staat zugunsten der Arbeiter erlässt? Dazu hilft wiederum ein Blick in die Geschichte. Die zahlreichen Regeln im Arbeitsrecht, die flankierenden Massnahmen und allgemeinverbind­lichen Verträge wurden jeweils angesichts verschwindend geringer Ver­stösse eingeführt, aber sie dienten umgehend der weiteren Aufblähung des Staatsapparates.

Es gibt zwei Klassen von Menschen, die tatsächlich niemand schützt. Einerseits jene, die nur genau einen einzigen möglichen Arbeitgeber haben: hoch­spezialisierte Leute etwa oder Sportler wie Roger Federer, der nur selbstständig sein kann. Auch in totalitären Systemen gibt es nur einen Arbeitgeber, den Staat. Darum sind dort die Arbeitsbedingungen schlechter als überall sonst.

Andererseits sind jene ungeschützt, die gar keinen Arbeitgeber haben, zum Beispiel weil sie keine Lehre und nur einen ungenügenden Schulabschluss besitzen, und denen mit einem Mindestlohn verboten wird, zu einem tiefen ­Salär einzusteigen und bei der Arbeit das zu erwerben, was ihnen für einen Monatslohn von 4000 Franken noch fehlt: Erfahrung, Wissen und Können.

Die Wahlfreiheit schützt
Wer schützt dann die Arbeitnehmer? Es ist der Arbeitgeber. Nicht der eigene, aber jeder andere. Der grösste Schutz ist die Möglichkeit, einen anderen Arbeitgeber zu wählen. Das gilt natürlich auch umgekehrt: Der Arbeitgeber schützt sich durch andere Arbeitnehmer, die er einstellen kann. Und die Konsumenten sind geschützt durch mehr als einen Anbieter, aus denen sie wählen können. Wo es keine Wahlfreiheit gibt, gibt es keinen Wettbewerb. Wo es keinen Wettbewerb gibt, wird ­irgendjemand ausgebeutet: der Konsument und der Steuerzahler, der zu viel zahlt, oder der schlecht ausgebildete Jugendliche, der in die Abhängigkeit des Staates statt auf die eigenen Beine gerät.

Jede gesellschaftliche Gruppe, die ihre wirtschaftlichen Bedingungen verbessern will, versucht sich vor Wettbewerb zu schützen und gleichzeitig überall sonst davon zu profitieren. Wer Arbeit hat, setzt sich für Mindestlöhne ein oder versucht über Zulassungsbeschränkungen Wettbewerb auszuhebeln. Unternehmer bilden Monopole oder Kartelle, erlassen in Arbeitgeberverbänden wettbewerbsfeindliche Regeln – auch für Nichtmitglieder. Beide Gruppen fordern vom Staat Beschränkungen, Tarife, Zölle oder Subventionen. Das zu fordern ist legitim, weil es den Interessen der Mitglieder entspricht. Aber es ist falsch, politisch nachzugeben. Sowohl Gewerkschaften wie Arbeitgeberverbände können enormen Schaden anrichten.(erschienen in der Basler Zeitung vom 30.04.14, Foto: SGB/USS via Flickr, Lizenz CC, unverändert)

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Bundesrat Schneider-Ammann am WEF in Davos 2011
Bundesrat Schneider-Ammann hat als Firmenchef der Ammann Group in Langenthal zur Steueroptimierung Tochtergesellschaften auf der Kanalinsel Jersey und in Luxemburg unterhalten. Das Urteil der selbst ernannten Moralapostel schlägt umso härter zu, als Schneider­-Amman zur selben Zeit schrieb, es sei «unlauter», wenn Unternehmen Gelder in andere Länder verschieben würden. Gestern wurden erste Rücktrittsforderungen laut (siehe Kasten).

Schneider-Ammann droht zur tragischen Figur zu werden. Was hat der freisinnige Volkswirtschaftsminister nicht alles gemacht, um genau jenen zu gefallen, die ihn jetzt meucheln wollen? Wie einst «Hans im Glück» seinen Klumpen Gold, tauschte er seine Vorschusslorbeeren in bundesrätlichen Aktivismus um, bis kaum mehr etwas davon übrig blieb.

Er startete mit einem Konjunkturpaket für die Exportindustrie (aus der er stammt). Der Staat hätte ihr mit zwei Milliarden Franken unter die Arme greifen sollen. Sozialistischer kann Industriepolitik nicht sein. Seine Vorgängerin Doris Leuthard (CVP) hatte derartige Forderungen noch lächelnd abgelehnt, oder mit mehr symbolischen «Paketlis» den volkswirtschaftlichen Schaden in Grenzen gehalten.

Im gleichen Sommer ritzte er die Unabhängigkeit der Schweizer Nationalbank, indem er sie – in Übereinstimmung mit Gewerkschaften und Sozialdemokraten – aufforderte, gegen die Aufwertung des Frankens vorzugehen.

Beim Kartellgesetz liess er eine vollständige Kehrtwende zu. Schneider­-Amman wollte sich als Kämpfer für tiefere Preise inszenieren, wozu das Kartellgesetz weder geeignet noch in der Lage ist. Aus einer Revision, welche die tatsächlich verbesserungswürdigen Punkte enthielt, wurde ein Regu­lierungsmonster mit weitgehend bürokratischen Folgen. Die zuständige Nationalratskommission hat das Projekt vor Kurzem versenkt. Schneider­-Ammann trieb entgegen seinem mündlichen Bekenntnis zum «Erfolgsmodell Schweiz», zu dem der «flexible Arbeitsmarkt» gehöre, die Regulierung eben dieses Erfolgsfaktors voran. So liess er Gesamtarbeitsverträge für allgemeinverbindlich erklären, obwohl weniger als fünfzig Prozent der Arbeitnehmer oder Arbeitgeber bei den Sozialpartnern organisiert sind. Das Gesetz schreibt dieses Quorum vor, erlaubt aber davon abzuweichen, wenn «besondere Umstände» geltend gemacht werden können. Das ist mittlerweile bei siebzig Prozent der Gesamtarbeitsverträge der Fall. Dadurch sicherte er vor allem die Einnahmen der Gewerkschaften, auch wenn diese immer weniger Mitglieder haben. Gleichzeitig führte es bei den Unternehmen zu enormer Bürokratie und Kosten.

Ein Freisinniger hätte die Steueroptimierung verteidigt, statt als «unlauter» bezeichnet. Sie gehört zu einem funktionierenden Steuerwettbewerb, der zum Zweck hat, die Politiker am Ausgeben von fremdem Geld für ihre Klientel zu hindern. Freie Menschen brauchen mehr, nicht weniger Steuerwettbewerb. Steueroptimierung ist nur verwerflich, wenn man insgeheim davon ausgeht, jeder frei verdiente Franken gehöre zuerst einmal dem Staat.

«Hans im Glück» blieb am Schluss nur ein Schleifstein, den er auch noch verlor. «Mit leichtem Herzen und frei von aller Last sprang er nun fort», heisst es im Märchen. Jetzt hängt Schneider-Ammanns Vergangenheit wie ein Schleifstein um seinen Hals. Kein gutes Omen. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 06.02.14, Foto: CC-Copyright by World Economic Forum swiss-image.ch / Photo by Michael Wuertenberg)

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Vier Bratwürste
Wem künftig beim Tanken in der Nacht noch in den Sinn kommt, dass er eine Bratwurst braucht, der darf sie legal einkaufen. Linken, Gewerkschaften und Kirchen ist es nicht gelungen, die Abstimmung über die Revision des Arbeitsgesetzes zu mehr zu machen, als sie tatsächlich war. Das ist ein kleiner Erfolg für die Konsumenten und ein grosser für die Freiheit der Menschen in diesem Land.

Die Abstimmung verloren hat nicht die Gruppe mit dem verharmlosenden Namen «Sonntagsallianz», sondern die darin verbundene Koalition der Bevormunder. Sie verbindet eine antiaufklärerische Idee, dass uns freien Menschen im Detail vorzuschreiben sei, wie wir zu leben haben. Die so vereinigten Gesinnungs-Taliban haben gestern eine Niederlage erlitten.

Bei der Linken gehört es zur grundlegenden Ideologie, Menschen nicht für voll zu nehmen und ihnen staatlich vorzuschreiben, was gut für sie ist. Aufklärung und Freiheit heisst dort nur der Austausch der in früheren Zeiten allmächtigen Kirchen und Königen durch einen noch viel allmächtigeren Staat.

Auch die Kirchen versuchten uns mithilfe des Staates vorzuschreiben, was wir wann dürfen und was nicht. Sie übersehen damit ihre eigene Botschaft von Freiheit und persönlicher Verantwortung jedes Menschen für sein Leben. Die Schweiz ist nicht gottgefälliger, wenn wir keine Bratwürste kaufen dürfen oder wenn es Menschen verboten ist, dann zu arbeiten, wenn sie es wollen. Moral ist im aufgeklärten Staat Privatsache. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 23.09.13, Foto: Peter Smola / pixelio.de)

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Mit einem landesweit gültigen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde will der Gewerkschaftsbund den Ärmsten in der Bevölkerung helfen. Sie sollen so mehr Geld im klammen Portemonnaie haben. Was auf den ersten Blick löblich und uneigennützig aussieht, vermag in der Realität nicht zu überzeugen.

Mindestlöhne schaden – sofern sie überhaupt wirksam sind – gerade den ärmsten Schichten. Denn ein Arbeitgeber beschäftigt den Arbeiter nur, wenn dessen Arbeit «mehr» bringt, als der Arbeiter kostet. Niemand wird jemanden einstellen, der mehr kostet, als er einbringt.

Sobald ein Mindestlohn wirksam wird, erhöht er die Kosten der Arbeit: Kann sich der Arbeitgeber diese nicht mehr leisten, landet der Arbeiter auf der Strasse. Erhöht der Arbeitgeber seine Preise, um die gestiegenen Kosten zu kompensieren, führt dies dazu, dass er weniger Produkte verkauft. Wer weniger verkauft, braucht weniger Arbeiter. Entlassungen sind die logische Folge.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Mindestlöhne führen zu höherer Arbeitslosigkeit. Und zwar genau bei den Ärmsten. Bei denen also, die es sowieso schon schwierig haben, eine Arbeit zu finden. Ein Mindestlohn bestraft diejenigen, denen er eigentlich helfen will.

Gewerkschaften befürworten ­Mindestlöhne entgegen ihren Behauptungen nicht aus gemeinnützigen, sozialen Gründen. Gewerkschaften betreiben mit der Forderung nach Mindestlöhnen reine Klientelpolitik – was allerdings auch legitim ist.

Die Frage ist ganz einfach: Wer ist Mitglied bei den Gewerkschaften? Angestellte oder Arbeitslose?

Es sind natürlich die Angestellten. Und tatsächlich verdienen diejenigen, die ihre Arbeit nicht verlieren, mehr. Bei ihnen wirkt der Mindestlohn, die Lohntüte ist voller als vorher. Sie sind die Profiteure der staatlichen Massnahme – und halt eben oft auch Mitglied in einer der Gewerkschaften.

Dass sich die Gewerkschaften um das Wohl ihrer Mitglieder kümmern und nicht um das Wohl aller, kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen. Stossend ist allerdings, dass durch den Mindestlohn Leute daran gehindert werden, zu arbeiten, obwohl sie wollen. Es ist insbesondere stossend, weil es die besonders Benachteiligten trifft. Nämlich all diejenigen, die aus irgendwelchen Gründen – zum Beispiel einer mangelnden Ausbildung – nicht die Möglichkeit haben, so produktiv zu arbeiten, dass der Wert ihrer Arbeit dem Mindestlohn entspricht. Derjenige, dessen Arbeitsleistung unter dem Mindestlohn liegt, kriegt keine Arbeit, obwohl er arbeiten will und obwohl ihn jemand einstellen würde.

Veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 17. Januar 2013. Foto: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) / pixelio.de

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Aufgehängte Arbeitshelme
Das Tauschen nach den Regeln des Marktes, also ohne Zwang und in freier Wahl, ist in unserer Gesellschaft Alltag. So alltäglich, dass wir es gar nicht mehr richtig wahrnehmen. Das zeigt sich beim wohl wichtigsten Tauschverhältnis: beim Arbeitsvertrag. Da herrscht eine eigentümliche Begriffsverwirrung: Wer gibt denn in diesem Tausch eigentlich was? Gibt mir der Arbeitgeber tatsächlich Arbeit – so als Akt der Gnade – und ich muss sie nehmen? Es ist doch zumal in unseren Wissensgesellschaften gerade umgekehrt. Ich gebe dem Unternehmen meine Arbeit, meine Firma nimmt sie und gibt mir dafür Lohn. Der Arbeitgeber ist eigentlich Arbeitnehmer – und umgekehrt. Die Sprache ist noch einem Tauschverhältnis verpflichtet, das keineswegs der Realität entspricht – jeder Einzelne tut gut daran, sich als Arbeitgeber zu fühlen. Und sie auch so im Arbeitsmarkt anzubieten.
(Rainer Sturm / pixelio.de)

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Mindestlohn bringt Arbeitslosigkeit
Mit “Für alle statt für wenige” geht die SP in den Wahlkampf – zuvorderst mit der Forderung nach Mindestlöhnen. Die Forderung aus der sozialistischen Mottenkiste ist genau betrachtet ein Bumerang – vor allem für die “kleinen Leute”, für die sich die SP stark machen will und die ihr in Scharen davonlaufen. Halten wir fest: Es gibt kein Land mit Mindestlöhnen, das weniger Arbeitslose hat als die Schweiz. Das hat einen guten Grund: Mindestlöhne sind weder “für alle” noch “für wenige” gut – sie schaffen Arbeitslosigkeit.

Löhne werden nämlich nicht vom Arbeitgeber bezahlt, auch wenn wir von ihm Geld überwiesen erhalten – sondern von den Kunden des Unternehmens, die etwas kaufen. Und Löhne werden nicht pro Stunde bezahlt (auch wenn das im Arbeitsvertrag so steht), sondern durch den Stückertrag den ein Gut oder eine Dienstleistung bei Kunden multipliziert mit der Anzahl Stücke die ich pro Zeit herstellen kann.

Ein Arbeitgeber ist darum nur dann bereit, jemanden fest anzustellen, wenn er sich sicher sein kann, dass diese Person das zusätzlich produziert, was er auch sicher zusätzlich verkaufen kann. Sonst risikiert er mittelfristig das Überleben des Unternehmens, die Stellen aller Mitarbeitenden, deren Wissen, Können und Netzwerk sowie das investierte Kapital. Ein nachhaltiger Unternehmer wird bei einem Mindetslohn also weniger Risiken bei Neueinstellungen eingehen, indem er zurückhaltend ist.

Ein Mindestlohn von zum Beispiel 4000.- verhindert so in erster Linie Festanstellungen von Leuten deren Produktivität geringer ist und führt zu Kündigungen bei all jenen, deren Produktivität (noch) unterhalb des Mindestlohnes liegt. Mindestlöhne gehen also voll zu Lasen von Menschen mit geringer Produktivität. Fazit: Wer solidarisch auf Seite der “Schwachen” stehen will, kann nicht für Mindestlöhne sein.

Klar: Für Beamte aller Staatsstufen und Quasi-Beamte (zum Beispiel in staatsnahen Betrieben) deren Lohn auf Zwangsabgaben oder staatlich geschützten Monopolen beruhen ist das nicht ganz einsichtig. Für alle Anderen in der freien Wirtschaft aber schon: Mindestlöhne sind schädlich – und zwar “für alle”. (Foto: Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de)

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