Zahlreiche Verbotsschilder mit Hunden
Ein verschärftes Gesetz bringt Kleinunternehmer in Schwierigkeiten

Seit Anfang Jahr ist es im Kanton Bern verboten, mehr als drei Hunde gleichzeitig auszuführen. Das steht im Artikel 9 des neuen bernischen Hundegesetzes. Ausnahmen sind für besonders ausgewiesene Halter möglich. Das trifft Monika und Jo Kugler in ihrer Existenz. Sie sind seit 2008 selbstständige Hunde­sitter. Ihre Spezialität: Sie trainieren mit den Hunden das Verhalten im Rudel, damit die Tiere ruhiger auf andere Hunde und Menschen reagieren.

Jetzt haben Sie ein Problem: Ihre ­Tätigkeit ist plötzlich nicht mehr legal. Wenn sie nun plötzlich nur noch mit drei Hunden ausgehen dürfen, haben sie geringere Einnahmen. Die lange Erfahrung der beiden mit Hunden zählt nichts. ­«Unsere Firma ist unsere Existenz. Wir haben uns einen Kreis von Stammkunden aufgebaut. Für sie und ihre Hunde sind wir da. Wenn wir das plötzlich nicht mehr machen dürfen, stehen wir vor dem Aus», sagt Jo Kugler. Allein in der Umgebung der Stadt Bern weiss er von fünf weiteren Anbietern, die betroffen sind. Als sie beim bernischen Veterinäramt nachfragten, was für eine Ausbildung sie denn machen müssten, wusste man dort zuerst nicht, was man sagen sollte. Dann empfahl man den beiden einen Tier­pflege-Kurs in einem Katzen-Haus.

Tödlicher Angriff war der Auslöser

Die Volkswirtschaftsdirektion bestreitet diese Darstellung aufgrund des Monitorings bei der Einführung des Gesetzes. Auslöser für zahlreiche Verschärfungen von kantonalen Hundegesetzen war die tödliche Verletzung eines sechsjährigen Knaben im zürcherischen Oberglatt durch drei (nicht etwa vier) Kampfhunde vor sieben Jahren. Auf die grosse Empörung folgten politische Vorstösse im eidgenössischen Parlament. 2010 kam das Parlament aber zum Schluss, dass eine Revision des Tierschutzgesetzes nicht nötig sei und lehnte einen entsprechenden Vorschlag ab. Und ein Verfassungsartikel für ein nationales Hundegesetz war einer Mehrheit zu viel Aufwand. Auf dem Verordnungsweg wurden Hundehalter zu einer theoretischen und praktischen Ausbildung verknurrt, egal ob sie schon Jahrzehnte Hunde halten oder nicht. Profitiert ­haben vor allem die Kursanbieter.

Statt das Scheitern einer nationalen Regelung zum Anlass zu nehmen, auch die kantonalen Vorstösse zu beerdigen, fällte der Berner Regierungsrat schon im Januar 2011 den Beschluss, dass es ein bernisches Hundegesetz braucht. Umgehend wurden zusammen mit einer Fachperson Ziele und drei Pfeiler entworfen und in 18 Gesetzesartikel gegossen. Der Entwurf ging weit über das hinaus, was aufgrund eines Bundes­gerichtsentscheides nötig war. Obschon neue Vorschriften vorgeschlagen wurden, behauptete die Regierung, mit dem Gesetz seien keine zusätzliche Aufwände verbunden.

Drei Gegenstimmen im Parlament

Und das (mehrheitlich bürgerliche) Parlament glaubte das der links-grünen Regierung. Bei der Debatte im vergangenen März herrschte Einigkeit von SP bis SVP: Bern braucht ein neues Hundegesetz und der vorliegende Entwurf ist gut und richtig. Einzig der Vertreter der FDP wies darauf hin, dass ein derartiges Gesetz unnötig sei und es trotz Gesetzen immer wieder zu tragischen Ereignissen kommen werde. Leicht konsterniert hielt der FDP-Sprecher fest: «Einmal mehr führt also fehlende Eigenverantwortung im Einzelfall zu einer Regulierung für alle.» Lediglich drei von 160 Mitgliedern des Grossen Rates lehnten Eintreten auf die Vorlage ab. In der Detailberatung wurde zwar ausgiebig über Hundedreck auf Kuhweiden gestritten, das Verbot zum Ausführen von mehr als drei Hunden war aber unbestritten.

Der Regierungspräsident Andreas Rickenbacher betont, im interkantonalen Vergleich sei die Berner Regelung schlank. Ziel des Gesetzes sei es, die sichere Hundehaltung zu gewährleisten und das Risiko von Beissunfällen zu verkleinern. Dagegen haben auch Jo und Monika Kugler nichts einzuwenden. Dass nebenbei auch noch die wirtschaftliche Grundlage für ihr Gewerbe zerstört wird, dagegen aber schon. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 16.01.13, Foto: segovax / pixelio.de)

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