Foto Pariser Metro Sozialismus
«LA PUB = LA MORT» hat einer in ein freies Reklamefeld in einem Wagen der Pariser Metro geschrieben. Werbung sei der Tod, weil sie den Kapitalismus und die Ausbeutung unterstütze, heisst es weiter. Parolen wie im tiefsten (und blutigen) 20. Jahrhundert, von der Geschichte und der Realität längst mehrfach widerlegt. Bestreikte Raffinerien und Treibstofflager lassen Benzin in Frankreich knapp werden. Viele Tankstellen haben geschlossen. Streiks in Atomkraftwerken drohen die Stromversorgung lahmzulegen. Terror ist Nebensache. Die wirtschaftliche Krise allgegenwärtig.

Das ist Paris im Mai 2016 – die Hauptstadt eines Landes auf dem Weg, das nächste Venezuela zu werden. Dort lebt man seit Jahren nach sozialistischen Parolen und zerstört gerade die Grundlage der heimischen Wirtschaft. Dort liesse sich studieren, dass die Opfer linker Politik stets die Ärmsten sind, Leute, die nicht viel haben –ausser vielleicht einen Job und wenig Erspartes – und dann auch das noch verlieren. Solche Experimente von Osteuropa über Kuba, Afrika bis Nordkorea oder eben jüngst Venezuela haben nicht einmal das linke Versprechen eingehalten, alle gleich arm zu machen, sondern in den totalen Kollaps geführt.

Das kümmert die französischen Gewerkschaften und die kommunistisch bewegten Studenten an den Demos wenig. Sie sind nicht die Ärmsten. Aber sie sind laut: Eine Minderheit von Arbeitnehmern – weniger als zehn Prozent sind tatsächlich organisiert – versucht der Mehrheit ihren Willen aufzuzwingen. Sie fürchtet eine minimale Reform des französischen Arbeitsrechts, die wenigstens symbolisch das längst kranke Land in unserer Nachbarschaft wieder in Richtung Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand bringen könnte; wichtig auch für jene Tausenden, die keine Arbeit haben. Und die Minderheit fürchtet den Verlust an politischer Macht, der mit einer erstmaligen Niederlage verbunden wäre. Denn bis jetzt haben noch alle französischen Regierungen irgendwann nachgegeben.

Das dürfte auch dieses Mal am Ende der Fall sein. Präsident Hollande ist schwach wie selten ein französischer Präsident. Und er ist keine Margaret Thatcher, die sich in Grossbritannien Anfang der Achtzigerjahre auf die Auseinandersetzung mit den Minenarbeitern mit zusätzlichen Kohle­lagern vorbereitete und mit Härte und Rückgrat die Macht der Gewerkschaften (zum Wohl der Mehrheit) brechen konnte. Im Gegenteil: Hollande und seiner Entourage dürfte der Widerstand der Gewerkschaften sogar gelegen kommen, um am Schluss – wortreich wie immer – überhaupt nichts machen zu müssen. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 31.05.16, Foto: fi)

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Karl Marx touristisch
Die Sozialdemokraten haben sich gestern in Biel getroffen und über die «Wirtschaft mit Zukunft» beraten. Bekanntlich streben diese ja die ­«Überwindung des Kapitalismus» an. Das Problem dabei ist banal: Wenn Sozialisten über ein Thema nachdenken, kommt Sozialismus heraus. Und der stammt leider nicht aus der Zukunft, sondern aus dem vorletzten Jahrhundert. So geschah es auch gestern, wie man der «Erklärung von Biel» ­entnehmen kann, die von der SP bereits am ­Mittag versandt wurde – obwohl die Diskussion darüber erst am späten Nachmittag vorgesehen war (das geht auch nur im Sozialismus).

Die Schweizer Sozialisten können auch bald zwanzig Jahre nach Tony Blair und Gerhard Schröder nicht anerkennen, dass historisch keine Gesellschaftsform derart viel Wohlstand für alle geschaffen hat wie die freie Marktwirtschaft. Nie waren so viele Menschen so wohlhabend wie heute. Der Prozentsatz von Menschen, die in extremer Armut leben, ist gemäss den Vereinten Nationen von 1990 bis 2008 von 43 auf 22 Prozent gesunken. Und dies bei gleichzeitiger Zunahme der Weltbevölkerung um mehr als die Hälfte.

Blair und Schröder haben in den Neunzigern zumindest im Denkansatz erkannt, dass die ­spontane Koordination von Menschen besser Bedürfnisse befriedigt als die wohlmeinende ­Einmischung in diese freie Zusammenarbeit durch den Staat. Warum ist das so? Weil der Staat und seine Politiker und Beamten niemals in der Lage sind vorauszusehen, was freie Menschen wann brauchen. Die Wünsche und Bedürfnisse von uns sind zu unterschiedlich und veränderlich, als dass sie geplant oder dekretiert werden ­könnten. Die Politik von Blair und Schröder war ein Erfolg – auch ein sozialer Erfolg.

Die freie Marktwirtschaft, wie man diese ­spontane Koordination zwischen Menschen gemeinhin nennt, kommt allen zugute. Nicht allen genau gleich, aber allen. Die Ungleichheit ist der Preis der Freiheit. Die Einkommen der Ärmsten in der Schweiz sind mehr gestiegen als jene des Mittelstandes. Wer sich für die Ärmsten ­einsetzen will, müsste das eigentlich feiern. Aber der SP geht es nicht um das Einkommen der ­Ärmsten, sondern um die Gleichmacherei aller. Der Preis dieser Gleichheit wäre aber die Unfreiheit und die Armut weiter Bevölkerungsschichten. Viele Wenigverdienende spüren das instinktiv und lehnen darum an der Urne regelmässig die sozialistischen Rezepte ab, die nur zu einer gleichmässigeren Verteilung der Armut statt zu Wohlstand aller führen, zuletzt die Erbschaftssteuer.

Von all’ dem war in Biel nichts zu hören. Bei den hiesigen Sozialisten dominiert die alte Analyse aus dem 19. Jahrhundert, die einen Gegensatz zwischen Kapital und Menschen konstruiert, wie wenn es 150 Jahre erfolgreiche Marktwirtschaft nicht ­gegeben hätte. «Für die Menschen, nicht für das Kapital» titelt die Mitteilung aus der marxistischen Mottenkiste respektive dem SP-Sekretariat. Und mit Bedauern stellen die Sozialisten darin fest, dass die Wirtschaft «vorläufig» nicht ohne Kapital ­auskomme. Dass Kapital, egal ob es auf dem ­Sparbüechli oder in der Unternehmens­rechnung anfällt, nie brachliegt, sondern immer investiert wird, scheint man noch nicht ­mitbekommen zu haben. Und dass es diese ­Investitionen sind, die neue Produkte oder tiefere Preise und vor allem neue Stellen schaffen, so weit reicht der ideologisch verstellte Blick in die ­Wirklichkeit nicht. Die Sozialisten kritisieren wie eh und je die «Profitmaximierung», weil sie nicht verstehen, dass Profite nur dann anfallen, wenn ein Unternehmen etwas ­produziert, was wirklich gut, nützlich oder günstig ist, dem Kunden und seinen Bedürfnissen dient, wenn es also im besten Sinne «Service public» ist.

Die «solidarische, demokratische und ökologische Wirtschaft», welche die Sozialisten fordern, gibt es bereits. Das gestehen sie sogar selber zu. Weil es Kunden wollen – und das ist gut so. Darum bleibt der SP nur die Forderung, die Politik müsse diese «zivilgesellschaftlichen Initiativen» öffentlich anerkennen, das ermögliche «gezielte Unterstützung». So ist das mit sozialistischen Konzepten: Am Ende geht es immer um Subventionen. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 27.06.15, Foto: Baptiste Pons / flckr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Selten habe ich so klar und anschaulich den Unterschied zwischen subjektiver Wertlehre und “Arbeitswertlehre” serviert bekommen. Michael Kastner kocht auf der Achse des Guten (Link) für uns ein deftiges Mittagmahl (Link). Nach vier Töpfen Eintopf folgt das Fazit:

Um es ganz vereinfacht zu sagen: der Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus besteht darin, daß im Kapitalismus der Verbraucher oder Konsument das Maß aller Dinge ist, während im Sozialismus die Arbeit und damit die Produktion zur bestimmenden Größe wird.

Mahlzeit!

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