Seniorin mit Sonnenhut und Sonnenbrille - Golden Agers oder Abzocker?
Der Bundesrat arbeitet an einer umfassenden Reform der Altersvorsorge. Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände bringen sich mit Forderungen und Vorschlägen in Stellung.
Das ist nicht verwunderlich: Angesichts des demografischen Wandels steht unser Rentensystem vor enormen Herausforderungen: Die Umverteilung von den jungen Erwerbstätigen zu den Rentnern steigt im Gesundheitswesen bis 2030 auf rund zehn Milliarden Franken. In der beruflichen Vorsorge beträgt sie schon heute rund 1,5 Milliarden. In der AHV (37 Milliarden) müssen schon 2020 knapp drei Erwerbstätige für einen Rentner aufkommen. Der Bundesrat rechnet bis 2060 mit einem Anstieg der Schulden von Bund und Kantonen auf 160 Prozent des Bruttoinlandproduktes, wenn nicht rechtzeitig Gegenmassnahmen ergriffen werden. Damit wäre die Schweiz dann in der Liga der europäischen Schuldenstaaten angekommen. Das ist zweifellos Zündstoff, sowohl für Alte wie Junge und stellt die Generationensolidarität infrage. Finanziell betrachtet hat die Generation der Baby-Boomer den Generationenvertrag mit sich selber abgeschlossen – auf Kosten der nach­folgenden Generationen.
Der Sozialbericht 2012 konstatiert, es gäbe gar keinen Generationenkonflikt. Man habe bei der Analyse nicht festgestellt, dass sich diese finanziellen Transfers politisch akzentuieren würden. Das Thema werde vor allem von den Medien bewirtschaftet.
Der Sozialbericht ist methodisch einseitig: Wer nicht nach der finanziellen Seite der Generationensolidarität fragt, kommt auch nicht auf einen möglichen Konflikt. Ob das Ausblenden dieses Aspektes der Generationensolidarität zugutekommt, darf bezweifelt werden. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 24.10.12, Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Ähnliche Artikel:


Zuerst: Die Alters- und Hinterbliebenenversicherung AHV ist gar keine Versicherung. Alter ist kein Risiko, das die eine trifft und den anderen nicht (schön wärs!). Die AHV ist darum einfach ein Sozialwerk, das die Zwangsabgaben der Erwerbstätigen und ihrer Arbeitgeber an die Rentner umverteilt. Mit der Giesskanne. Besserverdienende zahlen rund vierzig Jahre lang deutlich mehr. Am Schluss erhalten alle gleich wenig. Gezielte Sozialpolitik als Solidarität mit jenen, die es wirklich benötigen, sieht anders aus. Die CVP will diese Giesskanne stärken. Mit einer Reichensteuer. Vermögende Rentner sollen zusätzlich zu allen anderen Steuern und Gebühren rund 20 000 Franken in die AHV zurückzahlen. Als zusätzlichen Solidaritätsbeitrag. Grundsätzliche Überlegungen oder ausgabenseitige Vorschläge sucht man im achtseitigen Papier der Christdemokraten vergebens. Dabei wäre christliche Solidarität genau nicht nur das einnahmenseitige Aufblähen der unspezifischen Umverteilung. Die CVP orientierte sich einst sozialpolitisch an drei Grundprinzipien: Personalität, Solidarität, Subsidiarität. Die Partei war sich zudem bewusst, dass jeder sozialpolitisch umverteilte Franken zuerst in einer freien Wirtschaft verdient werden muss und nicht ohne Nebenwirkungen unzählige Male versteuert und abgeführt werden kann. Ihre Sozialpolitik balancierte kollektives Handeln und individuelle Verantwortung fein aus. Diese Balance scheint verloren gegangen zu sein. Die Reichensteuer der CVP für vermögende Rentner ist darum vor allem eines: starker Anreiz, möglichst rasch kein Vermögen mehr zu besitzen. Das AHV-Papier lässt für die kommende Auseinandersetzung um die Sozialwerke nichts Gutes ahnen. Ohne bürgerlichen Konsens dürften es die nötigen Reformen schwer haben. Das ist vor allem für die Jungen keine gute Nachricht. (Publiziert in der Basler Zeitung vom 04.10.12)

Ähnliche Artikel:


Beat Waber (NZZ) bringt es heute – angesichts der in der letzten Hochkonjunktur bereits verpassten Sanierung der Arbeitslosenversicherung – auf den Punkt (Link zum Kommentar):

Denn sollten sich die vergangenen Versäumnisse in der nächsten Hochkonjunktur wiederholen, würden uns spätere Generationen zu Recht Zechprellerei auf ihre Kosten vorwerfen.

Ähnliches könnte – oder vielmehr müsste – man über weitere Sozialwerke sagen.

Ähnliche Artikel: