Krippe, Maria, Jesus
Maria und Josef ziehen von Nazareth nach Bethlehem, um sich in Steuerlisten einzutragen. Weil sie keinen Platz in einer Herberge finden, landen sie in einem Stall und werden dort Eltern ihres ersten Kindes. Diese schöne Geschichte ist heute gar nicht mehr möglich, weil vieles verboten ist, was dazugehört.

Das beginnt schon beim Transportmittel. Ist es erlaubt, eine hochschwangere Frau auf einem Esel zu transportieren? Was machen die rhytmischen Bewegungen mit dem Beckenboden von Maria? Und umgekehrt: Ist es nicht Tierquälerei, einen Esel als Reittier zu verwenden, zumal von einem anständigen Sattel nirgends die Rede ist? Wurde der Esel bei Zimmermann Josef eigentlich artgerecht gehalten? Oder musste er täglich schwere Arbeit verrichten? Hatte er genügend Auslauf? Hat Josef einen Esel-Haltekurs (theoretisch und praktisch) absolviert und mit dem Esel eine Gehorsamsprüfung abgelegt? War er, also der Esel, vollständig geimpft? Hatte Josef den Impfausweis dabei für den Fall einer veterinärmedizinischen Kontrolle? War der Esel wie es sich gehört gechipt und in der staatlichen Tierverkehrsdatenbank (TVD) registriert? Hat Josef die Eselsteuer bezahlt?

Und einfach so Übernachten in einem Stall? Das ginge heute auch nicht mehr. Die private Vermietung von Zimmern wird von den Hoteliers bekämpft. Von Ställen wollen wir schon gar nicht reden. Das wird sicher mit «Busse nicht unter 1000 Franken bestraft». Dafür werden die Herbergenbesitzer in Bethlehem schon gesorgt haben. Und wenn doch: Futterkrippen sind als Bett für Säuglinge längst nicht mehr zugelassen. Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat sicher schon eine Studie machen lassen und warnt seither davor, Kinder in Stroh zu betten. Es besteht höchste Allergiegefahr. Die Anwesenheit eines Ochsen ist eine ständige Gefahr für das Kind. Und hatte der Schuppen eigentlich wenigstens Minergie-Standard? Und Solarzellen? Und was ist mit der Kurtaxe? Hat die Josef auch nicht bezahlt?

Bei der Geburt fehlte die unbedingt nötige Hygiene. Weder eine Hebamme noch ein Arzt wurde gemäss den Evangelien zugezogen. Was meint Bundesrat Alain Bersets Qualitätsinstitut für das Gesundheitswesen dazu? Hat Josef das Kind fachgerecht abgenabelt? Hat er den Geburtsort sauber gemacht und hygienisch desinfisziert? Hat er die Plazenta fachgerecht entsorgt? Woher bekommt denn Maria nun ihre Wochenbettbetreuung? Und wer zeigt der jungen Frau, wie sie das Kind stillen soll? Davon haben ja weder sie noch Josef eine Ahnung.

Und die Windel, in die das Kind gewickelt wurde: Ist die konform mit der «Verordnung des EDI über Gegenstände für den Schleimhaut-, Haut- und Haarkontakt sowie über Kerzen, Streichhölzer, Feuerzeuge und Scherzartikel»? Entspricht der Nuggi der «EU-Norm 14682 Sicherheit von Kinderbekleidung – Kordeln und Zugbänder an Kinderbekleidung»? Was ist mit der Konformitätsprüfung von Windel und Wiege? Wer ist haftbar, wenn sich der Sohn Gottes an seinem Nuggi verschluckt oder sich mit der Nuggi-Kette selber stranguliert? Haben Josef und Maria eine Rechtsschutzversicherung für diesen Fall?

Und wer stellte die Geburtsurkunde von Jesus aus? Hat Josef die Vaterschaft eigentlich anerkannt? Heute würde er sich wohl auf die jungfräuliche Geburt von Jesus berufen und mindestens einen DNA-Test verlangen. Angesichts der gesamten Umstände und offenen Fragen würde sich sogleich die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) von Nazareth einschalten. Josefs Verhalten gäbe zu Misstrauen Anlass. Die Kesb würde ihn zur Sicherheit mittels fürsorgerischem Freiheitsentzug von seiner Familie trennen. Maria und Jesus erhielten hingegen einen Beistand und ein Sondersetting mit Psychologen und Sozialarbeitern. Vermutlich würde Jesus Kickboxer statt Regligionsstifter. Die Rechnung ginge an die Gemeinde Nazareth.

Damit ist auch klar, warum Josef und Maria sich in Nazareth in Steuerlisten eintragen mussten. Irgendjemand muss die Sache ja bezahlen. (inspiriert durch Freunde vom Hayek-Club Zürich und dem Freiheitswerk, veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 27.12.14, Foto: Philipp_Roth / flickr.com, CC-Lizenz, unverändert)

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Weihnachtspäckli für Parlamentarier
Am letzten Tag der Session ist Aufräumen angesagt. Die Papierberge müssen entweder entsorgt oder mit nach Hause geschleppt werden. Nicht alle Koffer der zum Bahnhof hetzenden Nationalrätinnen und Nationalräte sind mit Kleidern gefüllt – viele pressen sie mit Akten und Notizen voll. Aber nicht alle. Am letzten Tag der Session türmen sich die Pakete bei den offiziellen Brief­kästen der Parlamentsdienste jeweils verdächtig hoch – mit Paketen voller Akten, die sich die Parlamen­tarier selber nach Hause schicken. Eine prak­tische und für sie kostenlose Methode des Transports. Bezahlt wird die Post mit Steuergeldern.

Es gibt Parlamentarier mit zwei oder drei derartigen Paketen. Wegen des Postgeheimnisses wagte es die BaZ nicht, eine genaue Statistik zu erstellen. Die beobachteten sieben Pakete der SP- Nationalrätin Margret Kiener Nellen aus dem notabene rasch und einfach zu erreichenden Bolligen bei Bern sind aber vermutlich absoluter Rekord. Ihr Assistent bediente sich wie selbst­verständlich bei den Parlamentariern vorbehaltenen Paketen und Kuverts und packte der Frau Nationalrätin ihre Akten ein. Schöne Bescherung.(aus der Basler Zeitung vom 15.12.12, Foto: fi)

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Bundesrat Alain Berset hat allen Spezialärzten ein Weihnachtsgeschenk gemacht. Unfreiwillig. Und zwar ein ziemlich grosses. Vorsichtig geschätzt geht es um 500 Millionen Franken. Der Gesundheitsminister will auf den 1. April 2013 den Zulassungsstopp wieder einführen, aber nur für Spezial­ärzte wie Chirurgen, Orthopäden und Psychiater. Allgemeinmediziner, Kinderärzte und allgemeine Internisten sind davon ausgenommen.

Wenn neue Zulassungen für eine neue Praxis knapp werden, bekommen die bestehenden Zulassungen plötzlich einen Wert. Das war schon während dem alten Zulassungsstopp bis Ende 2011 so. Damals erschienen dann in der Schweizerischen Ärztezeitung Inserate mit folgendem Inhalt: «Zulassung für Neurologie im Kanton Zürich abzugeben. Gesuche ab 150 000 CHF an Chiffre 22X13.» Und bei Verkäufen von Praxen erschienen derartige Beträge plötzlich in der Bilanz – und mussten vom jungen Arzt bei der Übernahme bezahlt werden. Genau das dürfte auch ab nächsten April wieder der Fall sein. Rechnet man zurückhaltend mit 50 000 Franken pro Praxis für alle 9500 Spezial­ärzte in der Schweiz, ergibt das 478 Millionen Franken. Ein schönes Weihnachtsgeschenk, auch wenn es erst im April ausgeliefert wird.

Bezahlen müssen dieses Geschenk die Prämienzahler. Denn der junge Arzt, der diese Zulassung kauft, muss dieses Geld über seinen Umsatz irgendwie wieder hereinholen. Das KVG erlaubt ihm dies durch eine Mengenausweitung. Die Kassen und damit wir alle müssen zahlen. Sie können erst einschreiten, wenn ein Arzt in sehr krasser Weise statistisch auffällig wird.

Leer gehen dabei die Allgemeinmediziner, die Kinderärzte und die allgemeinen Internisten aus. Ihre Zulassung ist weiterhin gleich viel wert wie bisher. Nämlich gar nichts. Dabei wollte Bundesrat Berset ja eigentlich etwas für diese wichtigen Grundversorger tun. Aber so ist es immer in hochregulierten Politikfeldern, in denen mit noch mehr Regulierung die Fehler einer bestehenden Regulierung bekämpft werden sollen: Es kommt anders heraus, als man denkt.

Im Gesundheitswesen gibt es drei vertraglich aneinander gebundene Mitspieler: Leistungs­erbringer (wie Spitäler und Ärzte), Kranken­kassen und die Versicherten (Gesunde und Kranke). Die Versicherten sind frei in ihrer Wahl der Kasse und des Leistungserbringers. Auch hinsichtlich der Menge der bezogenen Leistungen sind die Versicherten frei, wenn einmal Franchise und Selbstbehalt bezahlt sind. Dieses «All you can eat»-Buffet ist der Hauptkostentreiber, und im ambulanten Bereich sind es auch die Ärzte, die das fördern und davon profitieren. Keine Wahlfreiheit haben die Krankenkassen. Sie sind grundsätzlich verpflichtet, alle Rechnungen von allen Ärzten, die eine Zulassung haben, zu bezahlen. Sie haben kein Instrument, um die Leistungs­erbringer auszuwählen. Darum gibt es das Problem von zu vielen Spezialisten am falschen Ort. Der erneute Versuch, dies mit Regulierung und Planung zu korrigieren, wird nach Ansicht von Gesundheitsökonomen scheitern.

Die einfachste Lösung wäre, den Kassen die Wahlfreiheit der Leistungserbringer zu überlassen. Da sie gleichzeitig im Wettbewerb um Versicherte stehen, werden sie das Angebot an Leistungs­erbringern kaum radikal kürzen. Die freiwillige Zusammenarbeit nach der Marktregel ist die gerechteste Art, wie Menschen kooperieren. Und auf teure Verzerrungen wie das Weihnachtsgeschenk von Alain Berset könnte man dann auch noch verzichten. (veröffentlicht in der Basler Zeitung vom 28.10.12, Foto: Andrea Damm / pixelio.de)

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